"Jeder Tote ist einer zu viel"

433 Unfälle mehr: HSK-Polizei mit Verkehrsbericht 2016 „nicht zufrieden“

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Trotz einiger Lichtblicke mit der Bilanz nicht zufrieden: (von links) Polizeidirektor Klaus Bunse, Landrat Dr. Karl Schneider und Polizeihauptkommissar Gregor Mertens.

Meschede/Hochsauerland. Es „krachte“ und „schepperte“ gewaltig. Im Hochsauerlandkreis gab es im vergangenen Jahr insgesamt 8.243 Verkehrsunfälle – 433 mehr als im Jahr 2015. 19 Personen kamen bei den Unfällen, die häufig durch überhöhte Geschwindigkeit verursacht wurden, ums Leben. Trotz dieser Zahlen fiel der Verkehrsbericht 2016, den die Kreispolizeibehörde am vergangenen Mittwoch im Mescheder Kreishaus vorstellte, nicht in allen Punkten negativ aus.

“Wir sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Trotzdem gibt es aber auch positive Entwicklungen zu verzeichnen. Es gibt immerhin 16,2 Prozent weniger Schwerverletzte. Kinder sind keine verstorben. Das ist eine wesentliche Aussage“, so Landrat Dr. Karl Schneider. Die Anzahl der Personen, die bei Verkehrsunfällen getötet wurden, erreichte im Jahr 2015 mit neun Personen den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1975. Die negative Entwicklung im vergangenen Jahr, ein Anstieg auf 19 Verkehrstote, erklärt die Kreispolizeibehörde mit dem langen, warmen Sommer und der damit gestiegenen Zahl der Motorradfahrer auf den Sauerländer Straßen. Insgesamt acht Kradfahrer im Alter von 25 bis 54 Jahren verunglückten tödlich, 123 wurden verletzt.

„Wir sind mit dem Anstieg der Verkehrsunfälle nicht zufrieden. Unsere Aktivitäten wurden zum Vergleich im Vorjahr noch weiter gesteigert. Jedoch können wir nicht immer alles beeinflussen. Jeder Tote ist einer zu viel. Dadurch, dass so viele Kradfahrer nicht aus der Region kommen, greift auch unsere Präventionsarbeit nicht“, so Polizeidirektor Klaus Bunse. Überhöhte Geschwindigkeit, Unaufachtsamkeit, Handynutzung während des Fahrens sowie Selbstüberschätzung insbesondere bei den Motorradfahren waren in 74 Prozent der Fälle der Grund für die Unfälle.

Handy am Steuer wird vermehrt kontrolliert

„Wir setzen weiter auf Präventionsmaßnahmen und appellieren an das Verantwortungsbewusstsein. Wer bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h nur drei Sekunden auf sein Handy schaut, der fährt 40 Meter im Blindflug. Das werden wird in diesem Jahr verstärkt kontrollieren“ erläutert der Polizeidirektor die geplanten Maßnahmen.

1.143 Verkehrsunfälle mit Verletzten, 226 mehr als im Jahr 2015. Der Hochsauerlandkreis liegt damit zwar noch unter dem Landeswert von Nordrhein-Westfalen, doch der negative Anstieg ist nicht zu leugnen. Auffällig bei der Statistik ist die stark gefährdete Gruppe der Jugendlichen und Jungen Erwachsenen. Die Altersgruppe Junge Erwachsene war im Jahr 2016 mit 16,9 Prozent an der Gesamtzahl der Verunglückten im HSK beteiligt, obwohl sie nur einen Anteil von acht Prozent an der Gesamtbevölkerung hat.

Aber nicht nur die Risikogruppe der jungen Leute stellt für die Polizei ein Problem dar. Auch die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Fahrerflucht stieg im vergangenen Jahr um 119 auf 1.532 Fälle an. Positiv hingegen zeigte sich die Entwicklung bei den Unfällen unter Drogen- oder Alkholeinfluss. Im Vergleich zu 2015 sank die Zahl der Unfälle im Alkoholrausch von 105 auf 96.

Um Unfällen weiter vorzubeugen setzt die Kreispolizeibehörde auch in diesem Jahr auf zielgerichtete Verkehrsprävention, die bereits in Kindergärten und Schulen beginnt. Allein 2016 wurde 2.200 bis 2.300 junge Menschen geschult, um das Bewusstsein für Verantwortung im Straßenverkehr zu schärfen, positive Verhaltensmuster aufzuzeigen sowie rücksichtsvolles Verhalten zu fördern.

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