"Ich spüre dabei, wie gut es mir geht"

Goldene Kronenkreuze wurden verliehen: (v.l.): Pfarrer Bodo Meier und Steffen Baumann, Vorstand der Diakonie Ruhr-Hellweg; Reihe unten (v.l.): Gisela Rath, Kerstin Pasch (Leiterin der TelefonSeelsorge), Hannelore Draeger, Anke Zoellner (Vorsitzende des Fördervereins der TelefonSeelsorge), Cornelia Scholtz und Karla Troitsch-Göbel.

Sie reden nicht darüber, was sie tun. Sie tun es einfach, indem sie reden. Die TelefonSeelsorge Hochsauerland der Diakonie Ruhr-Hellweg ist diakonisches Handeln in ihrer reinsten Form. Darüber waren sich beim Jahresempfang einschließlich Ehrung langjähriger ehrenamtlicher Telefon-SeelsorgerInnen alle Beteiligten einig. Deshalb verlieh Diakonie-Vorstand Steffen Baumann nicht weniger als fünf Goldene Kronenkreuze - die höchste Auszeichnung der Diakonie.

Es sind nicht nur die Gespräche, die sie verändert und nachdenklich gemacht haben. Irmtraud Conzelmann sitzt auch deshalb schon seit 31 Jahren am Seelsorge-Telefon, "weil es ein Geben und Nehmen ist", erzählt die dienstälteste Telefon-Seelsorgerin beim Festgottesdienst in der Christuskirche in Meschede. Wichtig ist ihr das Rüstzeug, das ihr eine fundierte Ausbildung für die manchmal krisenhaften Gespräche an die Hand gegeben hat. "Es geschieht im Verborgenen", betont Diakonie-Vorstand Steffen Baumann - "und sie handeln alle um der Arbeit und der Menschen willen." Das verdient höchsten Respekt.

Die Ehrenamtlichen der Telefonseelsorge "stehen alles andere als im Rampenlicht", wenn sie sich ganz und gar den Problemen und Sorgen der Anrufer widmen, betonte Pfarrer Bodo Meier in seiner Predigt. Wie Gisela Rath. Als ihre Tochter aus dem Haus war, "brauchte ich etwas - etwas, das mit Menschen zu tun hat", erinnert sie sich. Der Aufruf der Telefonseelsorge in der Zeitung sprach sie sofort an. Gerade die Arbeit im Verborgenen, die Gespräche mit den Menschen und die Teilhabe an ihren Schicksalen "sind das Faszinierende an dieser Arbeit", schildert sie. Seit 27 Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich. Die Arbeit am Seelsorgetelefon vermittelt ihr Dankbarkeit: "Ich spüre dabei, wie gut es mir selbst geht." Außerdem hört sie seitdem auch in ganz normalen Gesprächen "anders hin, tiefer - mit mehr Fingerspitzengefühl".

Die Bedeutung des Ehrenamtes für die Diakonie "spüren wir nirgendwo so sehr wie hier", hob Diakonie-Vorstand Steffen Baumann seine Anerkennung für weit über 200 Jahre und damit gleich mehrere Generationen Ehrenamt hervor. Er überreichte fünf Kronenkreuze für 25 Jahre uneigennütziges Engagement. Außerdem gab es zwei Auszeichnungen für 20 Jahre, eine für 15 Jahre und drei für zehn Jahre Ehrenamt in der Telefonseelsorge Hochsauerland. Hier klingelte 2011 übrigens mehr als 10.000 Mal das Sorgentelefon. Die Ursachen dafür werden immer vielfältiger und reichen von Arbeitslosigkeit über finanzielle Probleme und Überforderung bis zur Einsamkeit im Alter. Unterstützen können übrigens alle diese besondere Arbeit: Es werden zum einen noch Interessenten gesucht, die sich ab Anfang September zu Telefon-Seelsorgern ausbilden lassen und die 42 Mitarbeiter im Alter zwischen 30 und 80 Jahren unterstützen - bis Ende Mai sind Anmeldungen möglich, Informationen unter Tel.: 02 91/ 2 90 01 50. Wer die Arbeit finanziell unterstützen will und dabei ein kulturelles Highlight genießen will, hat am 18. September in der Stadthalle in Meschede die Gelegenheit. Um 20 Uhr beginnt hier ein Benefizkonzert mit dem Luftwaffenmusikkorps 3 der Bundeswehr Münster.

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