Interkultureller Austausch

IPS-Stipendiaten aus Kolumbien und Griechenland sind zu Gast im Sauerland

Unterstreichen den völkerverbindenden Charakter des IPS-Programms: Die Stipendiaten Mauricio Duarte (r.) und Georgios Axiaris (l.) gemeinsam mit MdB Carlo Cronenberg.
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Unterstreichen den völkerverbindenden Charakter des IPS-Programms: Die Stipendiaten Mauricio Duarte (r.) und Georgios Axiaris (l.) gemeinsam mit MdB Carlo Cronenberg.

„Die Welt zu Gast bei Freunden“ – dieses Motto, mit dem sich Deutschland im Rahmen der Heim-WM 2006 als offener und multikultureller Gastgeber präsentierte, könnte auch als Leitspruch für Mauricio Duarte und Georgios Axiaris gelten. 

Meschede/Hochsauerland – Der Kolumbianer und der Grieche besuchen im Rahmen des Internationalen Parlaments-Stipendiums (IPS) derzeit die Bundesrepublik und haben in diesem Zuge auch den heimischen FDP-Bundestagsabgeordneten Carlo Cronenberg bei der Arbeit in seinem Wahlkreis begleitet.

Dabei zeigten sich die beiden jungen Männer vom Sauerland beeindruckt. Nicht nur wegen der malerischen Landschaft und der Tatsache, dass es im Vergleich zu ihrem sonstigen Arbeitsort Berlin deutlich weniger Staus gibt, sondern vor allem auch von der Freundlichkeit der Sauerländer und der politischen Arbeit vor Ort. „Die Bürgernähe der Abgeordneten in ihrem Wahlkreis ist für eine funktionierende Demokratie ein nicht zu unterschätzendes Instrument. Eine Arbeit, die sich definitiv lohnt“, berichtet Mauricio Duarte von seinen Eindrücken.

Gute Sprachkenntnisse dank strenger Auswahlkriterien

Dass er dies in erstaunlich gutem Deutsch tut, ist einerseits auf die strengen Auswahlkriterien des Stipendien-Programms zurückführen (sehr gute deutsche Sprachkenntnisse, mindestens Stufe B 2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen), andererseits aber auch darauf, dass der 28-Jährige bereits 2016 für ein Freiwilliges Soziales Jahr in Deutschland zu Gast war und aktuell eine Promotion an der Universität Kiel anstrebt.

Noch größer ist die persönliche Verbindung von Georgios Axiaris. Seine Mutter ist in Deutschland aufgewachsen, sodass der 24-jährige Grieche im Rahmen des Internationalen Parlaments-Stipendiums nicht nur die Grundsätze der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik kennenlernen möchte, sondern auch ein Stück weit auf eigene Identitätssuche geht. „Ich bin zu einem Viertel Deutscher und das IPS-Programm gibt mir die Möglichkeit, auch diesen Teil meiner Wurzeln besser kennenzulernen“, so Georgios Axiaris.

Auf Augenhöhe mit Merkel, Schäuble & Co.

Im Fokus des renommierten Programms steht aber natürlich für die beiden jungen Akademiker die politische Arbeit. Sie gehören zu den etwa 120 Auserwählten aus 42 Nationen, die als Hochschulabsolventen in den Genuss kommen, am IPS-Programm teilzunehmen, welches der Deutsche Bundestag jährlich mit Berliner Universitäten vergibt. In diesem Jahr waren es coronabedingt sogar nur 81 Stipendiaten, die vom 1. März bis zum 31. Juli umfangreiche Angebote der Universitäten sowie des Bundestages besuchen und auch die Arbeit der politischen Stiftungen kennenlernen, die teils sehr aktiv in ihren jeweiligen Heimatländern sind. Ebenso nehmen sie digital und analog an Ausschusssitzungen teil und erleben politische Schwergewichte wie Claudia Roth, Wolfgang Schäuble oder auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Arbeit im Berliner Bundestag.

Dabei arbeiten sie auch in den Büros von Bundestagsabgeordneten in Vollzeit mit und begleiten diese eine Woche lang bei ihrer Arbeit im Wahlkreis. „Das IPS-Programm ist in dieser Form weltweit einzigartig und ermöglicht uns, das Verständnis für kulturelle Vielfalt zu vertiefen. Zudem schärft es auch den Blick für die wirklichen Probleme dieser Welt“, erklärt Carlo Cronenberg, der zur sogenanntnen Berichterstattergruppe gehört, die das gesamte Programm sowie alle internationalen Austauschtätigkeiten des Bundestages koordiniert und Auswahlgespräche mit den Kandidaten führt. Auch einige namhafte Teilnehmer hat IPS in den vergangenen Jahren schon hervorgebracht. So arbeitet Lucas Huissoud inzwischen beim kanadischen Premierminister Justin Trudeau und war Stipendiat im Jahr 2019. András Fekete-Györ (Stipendiat 2016) wiederum steht heute der an der Spitze der ungarischen Oppositionspartei „Momentum“ und ist somit ärgster Widersacher des umstrittenen Regierungschefs Victor Orbán.

Erfahrungen in interkulturelle Zusammenarbeit investieren

Ob Mauricio Duarte und Georgios Axiaris ebenfalls politische Karrieren in ihren Heimatländern anstreben, steht für beide noch nicht fest. Fakt ist aber, dass sie die vielen wertvollen Erfahrungen aus ihrer IPS-Teilnahme gewinnbringend einsetzen wollen. „Die Bandbreite unserer Aufgaben im Rahmen des Programms sehe ich als Rüstzeug für die Zukunft. Dabei geht es nicht nur um Politik, sondern auch um rhetorische Grundlagen für Diskurse und Kommunikation“, verdeutlicht Georgios Axiaris. Er selbst hat einen Hochschulabschluss in Internationalen Beziehungen und ist vor diesem Hintergrund vor allem an Entwicklungspolitik interessiert, könnte sich aber auch eine Zukunft in der Frieden- und Konfliktforschung vorstellen – ein Feld, das es in seiner Heimat Griechenland in dieser Form noch nicht gebe, so Georgios Axiaris. Seine unmittelbare Zukunft sieht der 24-Jährige aber genauso wie sein kolumbianischer Mitstreiter vorerst an einer deutschen Universität.

Unerschütterlicher Optimismus trotz Alltagsrassismus

Mauricio Duarte – im Übrigen der erste Lateinamerikaner, der an dem Stipendiaten-Programm teilnimmt – möchte vor allem die interkulturellen Verbindungen zwischen seiner Heimat und Deutschland verbessern und plant deshalb unter anderem ein IPS-Programm für Lateinamerika zu gründen. Auch strukturelle Errungenschaften wie das Transparenz-System der hiesigen Parlamentarischen Demokratie lassen den 28-Jährigen nach eigenem Bekunden hoffen, die Zukunft seines von Korruption und dubioser politischer Machenschaften gebeutelten Land positiver zu gestalten.

Ich werde später sicherlich in mein Heimatland Kolumbien zurückkehren. Aber Deutschland wird immer in meinem Herzen sein.

Mauricio Duarte, IPS-Stipendiat

„Ich werde später sicherlich in mein Heimatland Kolumbien zurückkehren. Aber Deutschland wird immer in meinem Herzen sein“, sagt Mauricio Duarte mit leuchtenden Augen. Eine Aussage, die alles andere als selbstverständlich ist, schließlich hat der junge Lateinamerikaner neben viel Offen- und Aufgeschlossenheit auch dunkle Stunden mit Diskriminierung und Alltagsrassismus erlebt. Sei es, dass sich in einer vollbesetzten Bahn wegen seiner Hautfarbe niemand neben ihn setzen wollte oder dass ihm der Eintritt in bestimmte Clubs und Discotheken verwehrt wurde. Besonders krass: In einem Fall sei seiner deutschen Freundin sogar ein Abend mit kostenlosen Getränken in Aussicht gestellt worden, wenn sie ohne ihren Freund den Abend in dem Club verbringe.

Mauricio Duarte berichtet von diesen erschütternden Erfahrungen mit einer erstaunlichen Leichtigkeit und einem eindrucksvollen, unerschütterlichen Optimismus. Es gebe halt überall unrühmliche Ausnahmen, so der Kolumbianer achselzuckend. Womit er sich allerdings wirklich nicht anfreunden könne, sei die Bürokratie in Deutschland – „und das Essen. In Kolumbien haben wir ja quasi keine Jahreszeiten, da bekommt man das ganze Jahr über alles. Aber hier...“, sagt der ausgebildete Volljurist und lacht.

Wir freuen uns über viele junge Botschafter in der Welt.

Carlo Cronenberg, Bundestagsabgeordneter

Es ist ein ansteckendes Lachen und steht irgendwie auch sinnbildlich für den völkerverbindenden Charakter des gesamten Projektes. „Das IPS-Programm ermöglicht es uns, Beziehungen zwischen Deutschland und den Teilnehmerländern zu fördern, demokratische Werte und Toleranz zu festigen und ein friedliches Zusammenleben zu sichern. Wir freuen uns über viele junge Botschafter in der Welt“, fasst es Carlo Cronenberg zusammen.

Und auch für Mauricio Duarte und Georgios Axiaris steht fest: Sie waren zu Gast bei Freunden und sie gehen als Freunde in die Welt.

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