„Offen für Bewegung“

"Die Kirche wachküssen": Katholische Frauen treten in den Streik

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Frauen der Mescheder Gemeinde Mariä Himmelfahrt beteiligen sich am Kirchenstreik.

Meschede. „Frauenlob wird gerne von Kirchenmännern gesungen, die aber allein bestimmen, wo Frauen ihre Talente in der Kirche einbringen dürfen“, so heißt es in einem offenen Brief, den die Initiative Maria 2.0 an Papst Franziskus verfasst hat. Viele Frauen fühlen sich, als würden sie bei der Kirche vor verschlossenen Türen stehen. Symbolisch bleiben nun viele weibliche Kirchenmitglieder dem Inneren der Gotteshäuser fern. Vom 11. bis 18. Mai treten sie unter dem Motto „Maria 2.0 - wir bleiben draußen“ in den Kirchenstreik, um „unsere Kirche wachzuküssen“. Auch in der Kreis- und Hochschulstadt Meschede beteiligen sich Frauen an der Aktion und werden dabei vom Pfarrgemeinderat und dem Kirchenvorstand der Mariä Himmelfahrt Gemeinde unterstützt.

Schon vor etwa sieben Jahren kam Angelika Haude, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Mariä Himmelfahrt, die Idee, dass in der katholischen Gemeinde engagierte Frauen streiken müssten. „Der Gedanke dabei war, einfach mal vier bis sechs Wochen das Ehrenamt ruhen zu lassen, damit die Männer in der Kirche bemerken, was sie an uns Frauen haben“, erklärt die 58-Jährige im Gespräch mit dem SauerlandKurier. Mit der Aktion „Maria 2.0“ biete sich nun die Gelegenheit, diese Idee in die Tat umzusetzen. 

"Kirche passt nicht in heutige Zeit"

Die Initiative stammt dabei aus Münster und zwar von Frauen der Heilig Kreuz Gemeinde, die in einem offenen Brief an Papst Franziskus ihre Forderungen für einen umfassenden Neuanfang der Kirche formuliert haben. „Maria 2.0“ knüpft dabei an die bundesweite Aktion #MachtLichtAn der kfd an, die im vergangenen Dezember stattfand, und bei der sich auch Mescheder Frauen und Männer versammelten, um ein Zeichen zu setzen.

„Als wir von der Initiative Maria 2.0 gehört haben, waren wir direkt begeistert“, so Haude. Während des Kirchenstreiks vom 11. bis zum 18. Mai betreten die teilnehmenden Frauen keine Kirchen und verrichten keine ehrenamtlichen Arbeiten. 

„Wir üben aber dabei keine Kritik an den Geistlichen vor Ort, sondern an der vorhandenen Struktur der Institution“, betont die 58-Jährige. Es gehe vor allem um Gleichberechtigung von Männern und Frauen und auch um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. „Die Kirche passt einfach, so wie sie aktuell ist, nicht mehr in die heutige Zeit.“ 

Die Initiative Maria 2.0 möchte durch den Kirchenstreik „die Kirche wachküssen“ (für Vollbild oben rechts klicken).

Kritik übt sie dabei auch am „erhobenen Zeigefinger“ der Institution. „Warum sollten sich heutzutage noch junge Familien mit der Kirche identifizieren?“ Die Kirche entfremde sich immer mehr von den Gemeindemitgliedern. Modernen Menschen und jungen Frauen könne man die Ungleichbehandlung und auch die hierarchischen Strukturen nicht mehr vermitteln. „Wir wollen die Menschen mit dem Streik zum Nachdenken bringen“, nennt sie als Beweggrund am Kirchenstreik teilzunehmen.

Positive und negative Stimmen

In den vergangenen Wochen stieß die engagierte Meschederin bei dem Vorhaben auf viel positive Resonanz. „Einige Frauen haben zum Beispiel per Postkarte geschrieben, dass sie froh sind, dass es endlich diesen Schritt gibt. Ich hätte das nie gedacht“, freut sich Angelika Haude. Zuspruch gebe es auch über die sozialen Medien. 

„Natürlich gibt es auch einige negative Stimmen.“ So hätten „alteingesessene Katholiken“ gefragt, ob es nicht möglich sei, die Aktion zu verhindern. „Davon lassen wir uns aber nicht beirren. Wir werden das durchziehen, alles andere wäre ja auch unglaubwürdig.“ 

Konkret ist für den Zeitraum des Kirchenstreiks bislang ein alternativer Gottesdienst am Sonntag, 12. Mai, um 9.30 Uhr vor der Kirche Mariä Himmelfahrt mit der Band Halina geplant. „Wir werden singen und beten. Es wird anders sein als ein normaler Gottesdienst und eben draußen. Es wird eine Veranstaltung für Frauen von Frauen.“ Dabei sei jeder willkommen, unabhängig von Alter und Konfession. „Natürlich sind auch Männer eingeladen“, betont Haude. 

Kleiderkammer und Truhe bleiben geschlossen

Auch in Remblinghausen soll es einen alternativen Gottesdienst geben, dieser ist für Mittwoch, 29. Mai, um 18 Uhr terminiert. Außerdem werden Frauen aus verschiedenen kfd-Gemeinschaften am kommenden Freitag, 10. Mai, mit einem Stand au dem Mescheder Wochenmarkt über „Maria 2.0“ informieren. 

Auch die Caritas Meschede beteiligt sich an der Aktion. So wollen die Ehrenamtlichen vom 11. bis 18. Mai auch die Kleiderkammer und die Truhe schließen. Die Frauen bitten daher darum, in diesem Zeitraum keine Kleider oder Textilien in der Garage der Caritas abzugeben. 

Angelika Haude hofft, dass die anstehende Aktion, nur den Beginn markiert und Frauen sich bald nicht mehr wie vor verschlossenen Türen fühlen. „Wir wünschen uns, dass daraus etwas wächst. Wir sind immer offen für Bewegung“, so die engagierte Katholikin abschließend.

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