Peer Steinbrück warnt in Meschede

Keine Komfortzone

Auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung referierte MdP Peer Steinbrück (SPD) – hier umrahmt von MdB Dirk Wiese (SPD, l.) und Landrat Dr. Karl Schneider – im Mescheder Kreishaus. Foto: Tim Plachner

Wer Peer Steinbrück einlädt, der darf keine Loblieder erwarten. Die Stärken der Region wurden im Rahmen des „Hochsauerlandkreisgesprächs“ durch den ehemaligen SPD-Ministerpräsidenten zwar erwähnt. Doch die Warnungen vor einer umgreifenden Bequemlichkeit überwogen am Freitag im Mescheder Kreishaus.

Steinbrück begann, mit typisch norddeutscher Unterkühlung, gönnerhaft: „Ihr seid schon ganz gut.“ Die Wertschöpfungskette durch die Industrie stehe, der Mittelstadt sei stark, die Infrastruktur funktioniere und der soziale Frieden sei gewahrt. „Doch das sind keine Selbstverständlichkeiten“, so der ehemalige Bundesfinanzminister, der auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung referierte.

Seine Warnung an die gut 100 Zuhörer der von SPD-MdB Dirk Wiese moderierten Veranstaltung: „Seit 15 Jahren wird zu wenig investiert.“ Gemessen am regionalen Bruttoinlandsprodukt seien das zwei Prozent, auch bei der Bildung. Keine Marginalie, steckt dahinter doch eine Summe von insgesamt rund 50 Milliarden Euro.

Auch die Altersentwicklung macht Steinbrück Sorgen. Der Fachkräfte-Nachwuchs fehle, das Verhältnis der Einzahler zu Profiteuren der Rentenkassen liege aktuell bei 3:1. „Unter Adenauer war es bei 7:1.“ Die Rentenbezugsdauer habe sich im gleichen Zeitraum verdoppelt. Von daher müsse man sich auch verstärkt Gedanken darum machen, wie man Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt qualifizieren könne. „Deutschland ist ein Einwanderungsland“, machte der SPD-Mann deutlich.

In Sachen Internetgeschwindigkeit sieht er Deutschland bereits „abgehängt“: Selbst in Rumänien sei die durchschnittliche Breitbandverfügbarkeit höher. Zumal die „Digitalisierung“ den Markt ohnehin umkrempeln werde. Eine Bedrohung sah der Referent zum Beispiel für die Automobilindustrie, eine der zentralen wirtschaftlichen Säulen Südwestfalens: „Ersatzteile können künftig von 3D-Druckern produziert werden. Diesen Wandel hat der Mittelstand noch nicht drauf.“

Aber, und das machte Hoffnung, Südwestfalen habe beste Voraussetzungen, um weiter Teil der industriellen Spitze des Landes zu bleiben „Es ist ein attraktiver Standort für junge Familien, mit guten wirtschaftlichen Bedingungen und einer reizvollen Natur.“ Diese Menschen zu halten und gleichzeitig andere von außerhalb für den Hochsauerlandkreis zu gewinnen, sei die zentrale Herausforderung für die Zukunft.

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