Vor sicherem Mähtod bewahrt

„Kitz in der Kiste“: Selbstgebaute Drohne erfolgreich zur Rettung von Rehkitzen eingesetzt

In Sicherheit: Ein Kitz in der (Rettungs)Kiste.
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In Sicherheit: Ein Kitz in der (Rettungs)Kiste.

Rettung aus der Luft: Mit einer selbstgebauten Drohne konnten 19 Jugendliche kürzlich mehrere Rehkitze vor dem sicheren Tod durch Mähmaschinen in der Heuernte retten. Mit ihren Betreuern Daniel Winzer und Daniel Hast vom zdi Netzwerk Bildungsregion Hochsauerlandkreis spürten sie die Kitze mit Hilfe einer Wärmebildkamera aus der Luft auf.

Eslohe/Medebach/Meschede – Hintergrund: Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 100.000 Rehkitze, weil sie bei der Silage- und Heuernte im Frühsommer von den Mähmaschinen schwer verletzt oder sofort getötet werden. Daniel Winzer kennt dieses Problem durch familiäre Kontakte zu mehreren Jagdpächtern und erste Erfahrungen als angehender Jäger sehr gut. Sein freiwilliges soziales Jahr beim zdi Netzwerk konnte er nutzen, ein Kursangebot zu entwickeln, mit dem Jugendliche Technik in einem praktischen Projekt umsetzen können. „Mit dem „Save the Kitz“ habe ich ein Projekt gefunden, bei dem ich meine Interessen Jagd und Technik ideal verbinden konnte“, so Winzer. Und mit dem Maschinenbau-Studenten Daniel Hast fand er einen technisch versierten Mitstreiter.

Überlebensstrategie kann Todesurteil sein

In den Osterferien beschäftigten sich die beiden in einem Online-Kurs mit acht Jugendlichen mit dem Thema Kitzrettung mit Hilfe einer Drohne. Im Kurs ging es zum einen um den „Drückinstinkt“, der Rehkitze vor Fressfeinden schützen soll. „Dieser Überlebensstrategie folgend drückt das Kitz sich auf den Boden und verharrt in dieser Position, unabhängig davon, welche Gefahr ihm droht“ erklärt Daniel Winzer. Ein Mähwerk bedeute für das Kitz den sicheren Tod, da es nicht flüchte.

Daniel Hast (l.) und Daniel Winzer bereiten den Drohneneinsatz vor.

Zum anderen erklärten die beiden Daniels den Jugendlichen, wie sich Kitze mit Drohnen aufspüren lassen, wie man Drohnen konstruiert und wieso man zum Fliegen einen Drohnenführerschein benötigt. Für das Projekt bauten sie eine Drohne und äußerten sich im Ferienkurs zuversichtlich: „Bald kann die Drohne fliegen und auch heil wieder auf dem Boden landen, dann kann das für die Kitzrettung entscheidende Teil angebracht werden – eine Wärmebildkamera. Mit dieser ist es möglich die im Feld versteckten Kitze aufzuspüren und zu retten.“

Rettungseinsatz mit Happy End

Am Aufspüren von Kitzen beteiligten sich dann insgesamt 19 Jugendliche in fünf Einsätzen. In Teams mussten sie geeignete Flächen für die Rettung finden und Termine mit Landwirten und Jagdpächtern vereinbaren. „Wir haben einen landwirtschaftlichen Betrieb und schon oft Rehkitze auf unseren Wiesen gefunden“ berichteten die Ferienkursteilnehmerinnen Inka Lüttecke und Leonie Sasse.

Nach Pfingsten war es endlich soweit: die Wiesen der angesprochenen Landwirte in Eslohe, Meschede und Medebach sollten gemäht werden. Jeweils morgens um 5 Uhr trafen sich die Such-Teams, Landwirte und Jagdpächter und begaben sich zusammen zu den Wiesen, die im Laufe des Tages gemäht werden sollten. Die Drohne überflog das Gelände, in Eslohe wurde nur ein Hase aufgeschreckt, aber in Meschede und Medebach konnte mehrere Rehkitze aufgespürt und vor dem Mähtod gerettet werden. Und das wichtigste: „Die Jagdpächter haben uns gemeldet, dass alle Kitze von den Ricken wieder angenommen wurden“, freut sich Daniel Winzer.

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