Stadt Meschede informiert auf Bürgerversammlung: elf mögliche Flächen

Klartext in Sachen Windkraft

Uli Hess, Klaus Wahle und Sebastian Matz stellten den aktuellen Windkraft-Sachstand dar. Foto: Beate Schulte

Der kleine Saal der Stadthalle war bis auf den letzten Platz besetzt, das Interesse groß. Die Planungen für den Bau von Windrädern konzentrieren sich auf nunmehr elf Flächen im Stadtgebiet von Meschede, die sich als mögliche Vorrangzonen herauskristallisiert haben. In einer Bürgerversammlung gab die Stadtverwaltung den Einwohnern die Gelegenheit, sich über den Stand der Planungen zu informieren, und rund 150 Mescheder folgten der Einladung.

Sebastian Matz vom Sachbereich Planung und Bauordnung der Stadtverwaltung gab zunächst einen umfassenden Rückblick über die bisher bereits erfolgten Recherchen und Planungen. Nach Einleitung der Energiewende durch Beschluss der Bundesregierung müssen die Regierungsbezirke die Vorgaben der Länder umsetzen. So sind laut Entwurf des Landesentwicklungsplanes in Südwestfalen 18.000 Hektar an Fläche als Vorranggebiete für Windenergie darzustellen.

Im Herbst 2012 beschloss die Stadt Meschede, eine Potenzialanalyse mit dem Ziel zu veranlassen, Flächen zu finden, die sich grundsätzlich für die Nutzung von Windenergie eignen. Erste Ergebnisse lagen im März 2013 vor, Ende 2013 stand dann fest, dass als „Suchräume“ im Stadtgebiet von Meschede zwölf Gebiete mit einer Gesamtfläche von etwa 3067 Hektar infrage kommen. Anfang 2014 wurden dann Gutachten in Auftrag gegeben, um diese Suchräume hinsichtlich Artenschutz, Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und touristischen Qualitäten zu bewerten. Die Überschneidungen der Ergebnisse aller Untersuchungen und Gutachten konnten nun auf einer Karte dargestellt werden, die den Besuchern vorgestellt wurde.

Entgegen der Pläne der Bezirksregierung ist demnach beispielsweise der Bau von Windrädern am „Vogelsang“ in Meschede nicht durchzusetzen; zu nah liegt die Fläche an den Wohngebieten und zu groß wäre die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes.

Daraufhin regte sich Unmut bei einem Bewohner aus dem Ortsgebiet von Remblinghausen: „Sind die Bürger aus Bonacker und Ennert vielleicht weniger wert, als die Mescheder? Oder warum sind die Abstände zu einzelnen Höfen geringer als zu Wohngebieten?“ Dazu erklärte Klaus Wahle von der Stadtverwaltung, dass laut „Technische Anleitung Lärm“ auf einem Dorf ein höherer Lärmpegel erlaubt sei. Außerdem habe Meschede schon von vornherein höhere Abstände zur Wohnbebauung gewählt.

Vier Anlagen auf 20 Hektar möglich

Aus dem Publikum kam ebenfalls die Frage, warum der Großraum Arnsberger Wald nördlich von Meschede trotz der guten Lage und ohne Bebauung überhaupt nicht in den Planungen auftauche. In Bereichen zum Schutz der Natur, so Klaus Wahle, sei eine Änderung des Flächennutzungsplanes nicht möglich. Bürgermeister Uli Hess betonte an dieser Stelle noch einmal, dass hinter diesen Planungen eine systematische Vorgehensweise steht. Es seien ganz gewiss keine Flächen von vornherein ausgeschlossen worden.

„Wir haben jetzt viele Informationen bekommen über die möglichen Flächen, aber wie viele Windräder werden denn überhaupt entstehen?“ wollte ein Zuhörer wissen. Eine konkrete Aussage dazu könne er nicht treffen, so Sebastian Matz. Möglich wären vier Anlagen auf 20 Hektar Fläche. Die Windräder in Einhaus seien die einzige bereits bestehende Konzentrationszone im Stadtgebiet. Höhere Anlagen würden dort auf keinen Fall genehmigt.

Bürgermeister Uli Hess stellte außerdem klar, dass auch in demnächst möglicherweise ausgewiesenen Vorrangzonen kein Windrad gebaut werde, wenn der oder die Eigentümer der Flächen das nicht wollen.

Ansonsten, das ist wohl klar, kann der Bau von Windrädern nicht verhindert werden. Wenn die Stadt Meschede nichts tut, wird die Bezirksregierung nach genaueren Untersuchungen ihre Pläne durchsetzen. Allerdings wird es sicher so sein, dass – je konkreter die Pläne werden – die Flächen immer kleiner werden. Stellt sich beispielsweise bei genaueren Untersuchungen heraus, dass in einem Gebiet ein Schwarzstorch lebt, fällt diese Fläche direkt raus.

Auch kam die Frage auf nach Überlegungen der Stadt Meschede, die Bürger am Profit zu beteiligen, Stichwort „Bürgerwindrad“. Wenn es so weit sei, so Bürgermeister Hess, wäre dies durchaus vorstellbar. Ein anderer Zuhörer gab allerdings zu bedenken, dass es derartige Projekte bereits in anderen Städten gibt, wo inzwischen Unmut darüber entstanden ist, dass Gewinne oft erst nach vielen Jahren zu erwarten sind.

In seinem Schlussfazit am Ende der Veranstaltung bedankte sich Uli Hess bei allen Bürgern für die „sehr konstruktiv“ und „weniger emotional“ geführte Diskussion.

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