Fridays for Future-Aktivistin und Windkraftgegner im Dialog

„Klimaschutz ist Menschenschutz“ - Klimaaktivistin Luisa Neubauer beteiligt sich an kontroverser Debatte

Fridays for Future will sich laut Klimaaktivistin Luisa Neubauer „weltweit für Gerechtigkeit einsetzen.“
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Fridays for Future will sich laut Klimaaktivistin Luisa Neubauer „weltweit für Gerechtigkeit einsetzen.“

Auch in Südwestfalen engagieren sich viele gerade junge Menschen für den Klimaschutz. Fridays for Future ist nach wie vor in aller Munde und Klimaschutz ist nach der Coronakrise immer noch eines der wichtigsten Themen für die Bürger in ganz Deutschland. Aber es gibt eben auch viele Bürgerinitiativen, die sich gegen Windkraft wehren. Mit der Frage, wie Klimaschutz unter Berücksichtigung von Bürgerinteressen gelingen kann, beschäftigte sich jetzt ein Online-Forum. Auf Initiative der Konrad-Adenauer-Stiftung und des heimischen Europaabgeordneten Dr. Peter Liese nahm daran neben über 400 Besuchern auch die bekannte Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer.

Hochsauerland –Sie erklärte in ihrer leidenschaftlichen Rede, dass die Windkraftdebatte ein riesiges Problem sei, welches unter dem Deckmäntelchen der Bürgerinitiativen vonstatten gehen würde und machte die Position von Fridays for Future deutlich. „Wir setzen uns weltweit für Gerechtigkeit ein. Es geht hier um Menschenschutz. Darum treiben wir den Klimaschutz voran.“ Neubauer betonte jedoch auch, dass Deutschland an einem schwierigen Punkt angelangt wäre, da die Energiewende ins Stocken geraten sei. Dies habe auch mit den Windkraft-Gegner zu tun. „Menschen bedrohen uns. Sie sind nicht gewappnet gegen die Klimakrise.“

Solidarische Transformation gefordert

In ihrer Ansprache erklärte die „Fridays for Future“ Aktivistin mit Nachdruck, die Klimakrise mache krank, sie sei das unbezahlbarste Projekt von allen in den letzten zwei Jahren. Eine Bereitschaft bei den Menschen und in der Politik müsse geschaffen werden, denn es sei keine Lösung, nichts zutun. „Mit solidarischer Transformation müssen wir die Energiewende vorantreiben. Die Blockade vom Wirtschaftsministerium ist schlimm“, echauffierte sich Neubauer.

Sprichwörtlichen „Gegenwind“ bekam die Klimaaktivistin von Rechtsanwalt Thomas Mock, der als Berater von zahlreichen Bürgerinitiativen agiert. In seinem Statement gab er klar zum Ausdruck, die Windkraftanlagen stellten eine unglaubliche Lärmbelastung dar. Windkraftanlagen seien laut Studien 4,6 Dezibel lauter als prognostiziert würde.

„100.000 Menschen sind mit viel zu niedrigen Werten veralbert worden. Ich habe 22 Jahre gekämpft, damit die Wahrheit über die Lautstärke ans Licht kommt. Windkraftanlagen sind drei Mal lauter als behauptet wird“, so Rechtsanwalt Thomas Mock Für ihn komme habe die Windkraftdebatte fast das gleiche Ausmaß wie der Dieselskandal. Auch hier würden Lobbyisten Menschen jahrelang hinters Licht führen, obwohl es Studien gebe, die andere Rückschlüsse zulassen würden.

Energiewende als Gemeinschaftsaufgabe

Heinz Kowalski, Sprecher des NABU/Bundesfachausschusses Ornithologie und Vogelschutz, sprach wiederum von einer „Doppelkrise“. Das Klima bestehe nicht nur aus Windkraft , sondern auch aus Mooren und verbrannten Wäldern. Sein Grundsatz lautete daher: „Wir brauchen eine naturverträgliche Energiewende, wir müssen weg von den fossilen Energieträgern. Mensch und Natur soll geschützt werden.“ Windkraftanlagen dürften daher nur dort stehen, wo Vögel nicht gefährdet seien. Der Lebensstil müsse geändert und der Klimaschutz neu überdacht werden.

Claudia Bredemann, EnergieAgentur.NRW Leiterin Themengebiet Windenergie, wiederum bezeichnete die Windenergie als die wichtigste regenerative Energiequelle. Zusammen mit Photovoltaik sei sie die fundamentalste regenerative Stromquelle. Man brauche sie, um die Klimakatastrophe abzuwenden. „Wir brauchen mehr Platz für leistungsfähigere Anlagen. Wir müssen die Bevölkerung mitnehmen, die Energiewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe“, lautete ihr abschließendes Statement.

Liese: Treibhausgas seit 1990 um 25 Prozent reduziert

„Der Klimawandel ist eine große Bedrohung, die unsere Generation zu meistern hat. Wir sind die letzte Generation die ihn stoppen kann“, machte auch Dr. Peter Lies deutlich. Die Klimakrise sei für die Menschheit ein großer Terror mit dramatischer Gesundheitsgefahr. Die Zustände würden dazu führen, dass es in Südeuropa und Afrika viel mehr Hitzetote gebe und diverse Krankheiten, die nach Europa gelangen, mit dem Klimawandel zusammenhingen – beispielsweise der Corona-Ausbruch in China.

Dennoch sei man europaweit nicht tatenlos gewesen, so Liese. Von 1990 bis heute sei das Treibhausgas um 25 Prozent reduziert worden. Ziel sei es bis 2030 auf 50 Prozent zu verringern. Das werde laut dem gebürtigen Ostwiger sicherlich kein Spaziergang, aber jeder müsse sich engagieren.

Liese sprach sich in dem Zusammenhang für mehr Windkraft- und Photovoltaikanlagen, für mehr Erneuerbare Energien aus. Man müsse einen Kompromiss finden und den Sorgen der Bürger Rechnung tragen. Der CDU-Europaabgeordnete betonte zugleich: „Die Europäische Union will klimaneutral werden. Wir können das schaffen. Die jungen Menschen drängen uns, etwas zu unternehmen.“

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