Klosterleben erschüttert

Missbrauchsskandal in der Abtei Königsmünster: An 19 Opfern soll sich ein Mönch vergangen haben.

Nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in der Abtei Königsmünster in Meschede (der SauerlandKurier berichtete) ist an Normalität im Kloster nicht zu denken. "Man hat Angst, in Ordenskleidung rauszugehen. Wer kann schon wissen, was in den Köpfen der Leute vorgeht?", gibt Pater Nikolaus Nonn, Sprecher des Klosters, Einblick ins Seelenleben der Mönche, gleichwohl ihm bewusst ist, welch schwerwiegenden Vorfälle sich hinter den Klostermauern abgespielt haben.

Durch die Offenlegung von Details zum beschuldigten Bruder in den Berichterstattungen der vergangenen Tage konnte dessen Anonymität nicht gewahrt werden. Von einem "Spießrutenlauf", dem ihr Mandant seitdem ausgesetzt sei, spricht die Anwältin Dr. Uta Heidenreich. Pater Nikolaus Nonn bestätigt dies und fügt hinzu: "Wer die Abtei kennt, weiß mittlerweile auch, um wen es sich handelt."

Am Dienstag hatte das Kloster den sexuellen Missbrauch öffentlich gemacht. Der beschuldigte Mönch hatte vor etwa einem Monat Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft Arnsberg erstattet. Mittlerweile ist bekannt, dass es in diesem Fall bis Ende der 90er Jahre insgesamt 19 Opfer gegeben hat. Nach erstmaligem Bekanntwerden der Vorwürfe im Jahr 2000 wurde der Mönch von seinen Aufgaben entbunden. Die Familie des Betroffenen und die Verantwortlichen der Abtei hatten damals von einer Strafanzeige abgesehen, "um den in diesem Fall betroffenen Jugendlichen zu schützen", wie Pater Nikolaus Nonn erklärt.

Taten bereits verjährt?

Oberstaatsanwalt Josef Hempelmann stuft die vorgenommenen sexuellen Handlungen von leicht bis schwerwiegend ein. Das jüngste Opfer war demnach zum Tatzeitpunkt sieben Jahre alt, das älteste 18 Jahre. "Es kam jedoch nach bisherigen Erkenntnissen zu keiner Gewaltanwendung", so Hempelmann. Der Missbrauch habe nach Schilderung des beschuldigten Mönches im Kloster und bei Freizeitveranstaltungen wie Bergwanderungen stattgefunden. Derzeit prüft die Staatsanwaltschaft, ob die Fälle bereits verjährt sind. Hempelmann: "Wenn dem so ist, können wir nicht mehr ermitteln." Zwischen 2000 und 2005 lebte der Beschuldigte in einer Abtei im deutschsprachigen Ausland. Während dieser Zeit hat er sich nach Auskunft des Klosters einer mehrjährigen Therapie unterzogen. Nachdem die Behandlung erfolgreich verlaufen sein soll, lebt der Mönch heute wieder in der Abtei.

Im Interesse einer lückenlosen Aufklärung der Sachlage bitten die Mönche der Abtei darum, dass sich etwaige Opfer missbräuchlicher Handlungen melden, damit ihnen gegebenenfalls therapeutische Hilfe zuteil werden kann. Als Ansprechpartner außerhalb der Abtei stehen zur Verfügung: Leitender Staatsanwalt a. D. Heinz-Bruno Lütticke aus Meschede, Tel.: 02 91/34 40, und Anwältin Dr. Uta Heidenreich, Tel.: 0 29 31/5 24 70.

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