Angeklagter „voll schuldfähig“

Kommissarin bestätigt im Missbrauchsprozess: „Mädchen wurde mit Fotos zum Sex erpresst“

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Der Angeklagte räumte die Taten größtenteils ein, schob sie laut Psychiater aber zunächst auf eine Stimme in seinem Kopf. Später gab er zu, diese nur erfunden zu haben.

Arnsberg/Meschede. Vor der Großen Strafkammer als Jugendkammer im Landgericht Arnsberg standen am zweiten Verhandlungstag im Missbrauchprozess gegen einen mutmaßlichen Vergewaltiger aus Meschede am Mittwochmorgen weitere Zeugenaussagen an. Neben der für den Fall zuständigen Polizeikommissarin sagte auch ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus.

Dem 19-jährigen Angeklagten Matthias F. wird zur Last gelegt, im Zeitraum von Ende April bis Anfang September in Meschede in drei Fällen unter Androhung von Gewalt Vergewaltigungen begangen zu haben. Unter Duldung des Opfers soll er den Beischlaf vollzogen haben, um sich sexuell zu befriedigen. In zwölf weiteren Fällen wurde ihm vorgeworfen, sich Jugendpornografie verschafft und zudem an einem Kind unter 14 Jahren sexuell vergangen zu haben.

Die Polizeikommissarin, die den Fall aufgenommen hatte, sagte aus, dass eines der Mädchen in der Polizeidienststelle in Meschede Anzeige erstattet habe. „Das 14-jährige Mädchen kam völlig fertig in die Polizeidienststelle. Ihre Freundin, die sie begleitet hat, war wohl die treibende und unterstützende Kraft“, so die Kommissarin.

„Das junge Mädchen wollte nicht mitmachen“

Sie gab weiterhin an, dass anfangs über Messengerdienste geschrieben wurde, danach wurden Nacktfotos ausgetauscht und es kam zum Sex. „Das junge Mädchen wollte nicht mitmachen, wurde aber mit den Fotos erpresst. Ein Durchsuchungsbeschluss lag bereits wegen einer ähnlichen Sache in Recklinghausen vor“, so die Kommissarin. „Bei der anschließenden Hausdurchsuchung des Angeklagten wurden zwei Mobiltelefone sichergestellt. F. wurde vorläufig festgenommen. Er gab während der Vernehmung an, mit einem Mädchen eine Beziehung geführt zu haben, bei einem anderen Mädchen gab er die Tat zu.“

Vier weitere Zeuginnen haben laut der Polizeibeamtin ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Handyauswertung ergab schließlich jugendpornografische Videos, Nacktfotos sowie Screenrecords. Der Chatverlauf konnte jedoch nicht ausgewertet werden, da der Angeklagte sich nicht an sein iTunes-Passwort erinnern konnte.

Angeklagter erfindet Stimme in seinem Kopf

Die folgende Vernehmung der zum Tatzeitpunkt erst 14-jährigen Zeugin fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Im Anschluss daran attestierte Dr. Thomas Schlömer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Schmallenberg-Bad Fredeburg, Matthias F. volle Schuldfähigkeit. „Die Taten wurden im Großen und Ganzen eingeräumt. Er sagte allerdings, dass nicht er die Taten begangen habe, sondern eine Stimme in seinem Kopf. Sebastian habe ihm befohlen Drogen zu konsumieren und die Taten zu begehen. Im Nachhinein gab er aber zu, dass er Sebastian nur erfunden habe. Eine Persönlichkeitsstörung liegt bei dem Angeklagten nicht vor, denkbar ist jedoch eine Borderlinestörung“, so der Psychiater.

In seinem Sachverständigengutachten beschrieb er das Verhalten des Angeklagten als mäßig deprimiert mit Suizidphantasien seit der Inhaftierung. „Er hat sich selbst verletzt, um Spannungen abzubauen.“ Weiterhin gab Dr. Schlömer vor Gericht an, dass Matthias F. von sich selbst den Eindruck habe, den Frauen zu viel Liebe zu geben.

„Ein Hinweis auf Pädophilie liegt nicht vor“

Der Schmallenberger Facharzt sprach zudem von einer schwierigen Kindheit sowie dem Drogenkonsum, den der Angeklagte jedoch einstellte, als er zur Bundeswehr ging. „Sein Traum war es immer ein hochrangiger Offizier bei der Bundeswehr zu werden. Bedingt durch seine Entlassung hat er wieder mit den Drogen angefangen. Es besteht jedoch kein kausaler Zusammenhang zwischen den Sexualstraftaten und dem Konsum“, so der Psychiater. „Ein Hinweis auf Pädophilie liegt nicht vor.“

Am dritten Verhandlungstag, 3. April ab 9 Uhr, wird das Urteil erwartet. Vier weitere Zeugen sowie die Jugendgerichtshilfe werden zuvor vernommen.

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