"Gastronomie zum Anfassen"

KOSTbar Gastronomietag will Berufe der Branche schmackhaft machen

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Dem Nachwuchs- und Fachkräftemängel in der Gastronomiebranche wollen die Akteure und Projektbeteiligten mit dem „KOSTbar Gastronomietag“ entgegenwirken.

Meschede/Hochsauerland - Überstunden, schlechte Bezahlung, unzumutbare Arbeitszeiten – die Ressentiments gegen die Hotel- und Gastronomiebranche sind nach wie vor enorm, Nachwuchskräfte deshalb schwer zu finden. Mit eben diesen Vorurteilen will der „KOSTbar Gastronomietag“ am Sonntag, 24. November, im Welcome Hotel am Hennesee aufräumen.

„Wir wollen weg von den längst überholten Vorurteilen und Klischees und die Chancen und Möglichkeiten der Branche aufzeigen“, erklärt Projektleiterin Maria Sternberg von der Kolping Bildungs-Consulting, die den Gastronomietag veranstaltet. Angesprochen werden sollen neben jungen Leuten aus den Abschlussklassen der weiterführenden Schulen (ab Klasse 9) des Hochsauerlandkreises ausdrücklich auch Erwachsene, die sich gern weiterbilden, qualifizieren, umschulen und/oder einen Quereinstieg wagen möchten. Ihnen sollen die Karrierechancen in der Gastronomie direkt vor Ort nähergebracht und in der Praxis vor Augen geführt werden. „Man sieht hier keine gestellten Sachen, sondern darf einen Blick über die Schulter der Mitarbeiter in ihren Alltag werfen“, verdeutlich Angela Rademacher, Ausbildungsberaterin der IHK Arnsberg.

Deshalb ist der Veranstaltungsort auch ganz bewusst gewählt: Das Welcome Hotel am Hennesee in Meschede bietet echte Hotelatmosphäre und realistische Arbeitsbedingungen. Nach ihrer Ankunft erhalten die Besucher am Sonntag, 24. November, in der Zeit von 13.30 Uhr bis 17 Uhr eine „Laufkarte“. Die können sie sich an den Ständen der teilnehmenden Betriebe und Aussteller der Region ausfüllen lassen. Wer mindestens acht Stationen absolviert hat, kann im Anschluss an der Verlosung einer Ballonfahrt bei der Warsteiner Internationalen Montgolfiade 2020 teilnehmen. Außerdem stellen drei Auszubildende aus der Branche (Koch, Hotelfach- und Hotelkauffrau) in Videoclips ihren Arbeitsalltag vor.

Aktives Mitmachen steht im Mittelpunkt

Überhaupt steht das aktive Mitmachen der Besucher im Mittelpunkt. Neben dem Mixen von Cocktails und dem standesgemäßen Eindecken eines Tisches dürfen die Besucher auch gemeinsam mit dem Housekeeping auf Fehlersuche gehen. „Die praktischen Erfahrungen stehen eindeutig im Vordergrund. Das ist Gastronomie zum Anfassen“, bringt es Angela Rademacher auf den Punkt. Learning by Doing – nur so könne man etwaige Hemmschwellen abbauen.

Dies gelte allerdings nicht nur für die möglichen Bewerber selbst, wie Stefan Wiese-Gerlach vom Hotel Jagdhaus Wiese und der DEHOGA Schmallenberg erklärt. „Es geht auch darum, den Eltern die Angst zu nehmen.“ Denn oftmals seien sie es, die am meisten von den Vorurteilen gegenüber der Branche geprägt seien und daher ihre Kinder in deren Berufswunsch ausbremsen würden. Auch den Zeitpunkt für die Veranstaltung habe man vor diesem Hintergrund bewusst gewählt. „An einem Sonntag kommen die Besucher zu uns, weil sie wollen und nicht, weil sie müssen.“

"Es hat ein Umdenken in der Branche eingesetzt."

Dieses „Wollen“ nimmt auch für Projektleiterin Maria Sternberg einen hohen Stellenwert im Rahmen des Gastronomietags ein, der bereits zum dritten Mal im Hochsauerland stattfindet. „Die Teilnehmerzahl selbst ist gar nicht so ausschlaggebend – viel mehr zählt das ehrliche Interesse. Vielleicht trägt die Veranstaltung ja bei dem ein oder anderen dazu bei, das Herzblut für eine Ausbildung in der Gastronomie zu wecken, das später bei der Ausübung des Jobs auf jeden Fall vonnöten ist.“ Neben Herzblut und Leidenschaft zählen für mögliche Bewerber aber natürlich auch andere Aspekte – wie Entlohnung, Arbeitszeiten und Aufstiegschancen. Gerade hier habe sich in den vergangenen Jahren viel zum Positiven verändert, betont Andreas Behrmann, Direktor des Welcome Hotel Meschede.

„Die Vorurteile gegen unsere Branche kommen ja nicht von ungefähr. Man hat sich früher einfach nicht genug um die Auszubildenden gekümmert. Aber mittlerweile hat ein Umdenken eingesetzt.“ Spezielle Trainings, Sprachkurse für Migranten oder Hilfe bei der Wohnungssuche seien nur einige Beispiele, wie man Azubis in der Branche entgegenkomme. Zudem sei die Ausbildung in Deutschland eine der besten weltweit.„Das Umdenken hat schon gute Effekte gezeigt, doch noch stehen wir unten am Berg“, mahnt Behrmann. „Aber wir haben das richtige Schuhwerk für den Aufstieg“, ergänzt Angela Rademacher unverzüglich. Nicht umsonst liege man in den Kreisen HSK und Soest bezüglich des Abschneidens der Azubis stets über dem Landes- und Bundesschnitt. Zudem könne man stolz sein, dass 27 verschiedene Nationalitäten in dieser Region im Gastronomiebereich arbeiten. „Es ist gewachsen“, so Rademacher.

„Gastronomie im Sauerland ist eine geile Nummer.“

Zustimmung erhält sie von Stefan Wiese-Gerlach. Er sieht in diesen gewachsenen Strukturen ein großes Pfund, mit dem man im Sauerland wuchern könne. „Es gibt eine totale Offenheit der Betriebe untereinander. Bereits in den 20er-Jahren hat es diesen Austausch gegeben, damals unter dem Namen ,Die Acht im Sauerland‘. Bis heute gibt es kein Konkurrenzdenken, man hilft sich gegenseitig – auch bei der Vermittlung von Azubis“, weiß Wiese-Gerlach.

Angela Rademacher bringt es schließlich auf den Punkt: „Gastronomie im Sauerland ist eine geile Nummer.“ Genau davon können sich alle Interessierten am Sonntag, 24. November, in Meschede selber ein Bild machen.

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