„Zeichen für erfolgreiche Arbeit“

Kriminalstatistik 2018 im HSK: Mehr Delikte - aber höhere Aufklärungsquote

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Polizeidirektor Klaus Bunse, Landrat Dr. Karl Schneider und der Erste Kriminalhauptkommissar Ulrich Steinrücke (v.l.) stellten im Kreishaus in Meschede die aktuelle Kriminalstatistik 2018 vor.

Hochsauerland. Der Abwärtstrend ist gestoppt – erstmals seit 2013 ist die Anzahl der angezeigten Straftaten im HSK wieder gestiegen. Mit 12.908 Fällen weist die Kriminalstatistik 2018 im Vergleich zum Vorjahr 648 Delikte mehr auf. Welche vielfältigen Gründe dahinter stecken, erläuterten die Vertreter der Kreispolizeibehörde am Donnerstag im Kreishaus in Meschede.

Eine Zunahme der Fallzahlen ist vor allem bei den schweren Körperverletzungen zu verzeichnen. So wurden 2018 etwa 31,63 Prozent mehr schwere und gefährliche Körperverletzungen verübt als im Vorjahr. „Das sind natürlich alamierende Zahlen“, warnte Polizeidirektor Klaus Bunse. Einen Brennpunkt konnte die Kreispolizeibehörde allerdings nicht ausmachen. 

Ein Grund für die höheren Fallzahlen hingegen liegt auf der Hand: „Das Anzeigenverhalten hat sich eindeutig geändert. Menschen fühlen sich heutzutage eher bereit, Anzeige zu erstatten als früher“, so Ulrich Steinrücke, Erster Kriminalhauptkommissar. Das gelte unter anderem auch für häusliche Gewalt. „Auch Schulen holen uns mittlerweile mit ins Boot, wenn Fälle von Gewalt an Mitschülern festgestellt werden“, betonte Steinrücke. Da seien Schulen deutlich konsequenter geworden. 

Im Jahr 2018 wurden auch zwei vollendete sowie drei versuchte Tötungsdelikte ermittelt. Im Februar vergangenen Jahres tötete ein 38-jähriger Hüstener seine Mutter. Er wurde aufgrund von psychischer Erkrankungen für schuldunfähig erklärt. Im April erstach ein 82-jähriger Mann seine 81-jährige pflegebedürftige Ehefrau. Bei den versuchten Tötungsdelikten handelte es sich allesamt um Messerstechereien. „Bei Gewalttaten ist das Tatmittel oft ein Messer“, so Steinrücke. 

„Noch nie so viele Drogen wie zurzeit“

Aufgefallen sei bei den zahlreichen Gewaltdelikten auch, dass diese häufig unter Drogen- oder Alkoholeinfluss verübt worden seien. So stelle die Rauschgiftkriminalität mit einer Steigerung von 681 auf 818 Delikten, was einem Anstieg von 16,7 Prozent entspricht, ein immenses Problem im Hochsauerland dar. „Wir hatten tatsächlich noch nie so viele Drogen auf dem Markt wie zurzeit“, bedauerte Steinrücke. 

Die Gründe dafür sind vielfältig. So sei es heutzutage mithilfe von Anleitungen, die im Internet zu finden sind, deutlich einfacher, synthetische Drogen selber zu produzieren. Aber auch verdeckte Ermittlungen haben viele Fälle von Rauschgiftkriminalität offenbart. 

„Wir haben in den vergangenen Monaten vermehrt auf Schwerpunktkontrollen gesetzt. Damit wollten wir vor allem Einbrecherbanden aufspüren. Dass wir dabei auch einige Drogendelikte aufgedeckt haben, war eher ein Nebenprodukt. Die steigenden Fallzahlen sind also nicht nur negativ zu betrachten, sie sind auch ein Zeichen für unsere erfolgreiche Arbeit“, betonte Steinrücke. 

Die Kontrollen wurden vor allem aufgrund hoher Einbruchszahlen in der Weihnachtszeit im Raum Arnsberg eingeführt. Tatverdächtige konnten noch nicht ermittelt werden. „Es gibt aber gute Hinweise und in den vergangenen zwei Wochen gab es auch keine weiteren Taten mehr, die Serie scheint vorbei zu sein.“ Auch in der kommenden Zeit sei nicht mit weiteren Fällen zu rechnen, zeigte sich Klaus Bunse optimistisch. 

Nur 104 Wohnungseinbrüche erfolgreich

Generell seien die Zahlen bei den Wohnungseinbrüchen in 2018 aber sehr erfreulich. Seit 2015 haben sich die Fälle mehr als halbiert und von den 219 in der Kriminalstatistik 2018 aufgelisteten Einbruchsdelikten waren auch tatsächlich nur 104 erfolgreich. „Oft sind Einbrecher schon an den Sicherheitsvorkehrungen gescheitert oder wurden auf frischer Tat ertappt“, so Bunse. 

Das sei vor allem auch ein Erfolg der guten Präventionsarbeit der Kreispolizeibehörde. „Darauf sind wir auch wirklich sehr stolz“, freute sich der Polizeidirektor. Auf Vorbeugung möchte die Behörde auch in Zukunft weiterhin setzen. „Wir möchten den Bürgern vermitteln, dass sie auf ihre Mitmenschen achten sollen und sich auch nicht scheuen müssen, den Polizeinotruf zu wählen – bitte keine falsche Rücksichtnahme“, lautete der einhellige Appell. 

Auch bei Betrugsfällen ruft die Kreispolizeibehörde die Bürger im Hochsauerland zu Wachsamkeit auf. Statistisch gesehen gab es im Jahr 2018 zwar eine Verringerung der Delikte, das liege aber auch daran, dass Taten die aus dem Ausland verübt wurden, nicht mit in die Statistik einfließen. „Es gibt immer noch zahlreiche, vor allem häufig ältere Menschen, die um hohe fünfstellige Beträge gebracht wurden“, bedauerte der Polizeidirektor. Die Täter agierten dabei extrem skrupellos, indem sie sich als falsche Polizisten oder Enkel ausgaben. „Die Polizei ruft niemanden an, Vermögen bereit zustellen“, betonte Bunse.

Verjüngung der Polizei im HSK

Besonders erfreulich sei die Aufklärungsarbeit. So ist die Aufklärungsquote das dritte Jahr in Folge gestiegen. Sie liegt nun bei 61 Prozent. In diesem Zusammenhang lobte Landrat Dr. Karl Schneider noch einmal die „hervorragende Arbeit“ der Polizei und wies außerdem auf den aktuellen Verjüngungsprozess bei der Polizei im Hochsauerland hin. „Wir bilden aktuell viele junge, engagierte junge Menschen aus. Diese werden uns ab 2022 auf jeden Fall verstärken.“ 

Aktuell sind im Hochsauerland 360 Polizisten tätig. „Sie können wieder mehr auf die Straßen, weil sie von der Büroarbeit durch Verwaltungsangestellte unterstützt werden“, freute sich Schneider über diese positive Entwicklung. Trotz des Anstiegs der angezeigten Straftaten sind die Vertreter der Kreispolizeibehörde aber nicht gänzlich negativ gestimmt. 

„Wir kommen ja von einem sehr niedrigen Niveau. Wir sehen den aktuellen Anstieg daher insgesamt nun noch nicht so dramatisch“, hieß es abschließend

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