„Sicherheit der Bürger gewährleistet“

Kriminalstatistik 2020: Kreispolizeibehörde HSK zieht Bilanz des Corona-Jahres

Präsentierten eine Kriminalstatistik mit Licht und Schatten: Polizeidirektor Klaus Bunse, Landrat Dr. Karl Schneider und Kriminalrat Thomas Vogt.
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Präsentierten eine Kriminalstatistik mit Licht und Schatten: Polizeidirektor Klaus Bunse, Landrat Dr. Karl Schneider und Kriminalrat Thomas Vogt.

Gleichermaßen Anlass zu Optimismus und Sorge liefert die polizeiliche Kriminalstatistik für 2020: Während die Zahl der Wohnungseinbrüche drastisch zurückgegangen ist und die Fälle häuslicher Gewalt überraschend konstant geblieben sind, lassen der massive Anstieg von Cyber- und Drogenkriminalität sowie Sexualdelikten insbesondere im Bereich der Verbreitung von Kinderpornographie die Alarmglocken bei den Ermittlern schrillen.

Meschede/Hochsauerland – Insgesamt, so wurde bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik im Mescheder Kreishaus deutlich, ist ein leichter Abwärtstrend zu verzeichnen. Im vergangenen Jahr ist die Anzahl der angezeigten Straftaten im Hochsauerlandkreis demnach um 0,51 Prozent auf 12.437 Delikte gesunken (2019 wurden 12.501 Straftaten verübt). Damit gehört der Hochsauerlandkreis weiter zu den sichersten Regionen in Nordrhein-Westfalen. Im Allgemeinen konnten 2020 drei von fünf Straftaten (59,84 Prozent) aufgeklärt werden.
„2020 war ein ungewöhnliches Jahr, auch was die Statistik betrifft. Die Polizei war trotz der Corona-Pandemie gut aufgestellt und jederzeit handlungsfähig. Die Sicherheit der Bürger war gewährleistet“, betonte Landrat Dr. Karl Schneider.

Wohnungseinbrüche

Mit 194 Wohnungseinbrüchen habe man den niedrigsten Stand seit über 20 Jahren erreicht (-21,21 Prozent). Langfristige Strategien, Grenzschließungen im Frühjahr, die die An- und Abreisemöglichkeiten von organisierten Tätern verhinderten, sowie der Lockdown während der Pandemie wurden als Gründe für den Rückgang der Straftaten genannt. Insgesamt reduzierten sich die Fallzahlen 2020 im Bereich Wohnungseinbruch um 52 Fälle.

Die meisten Wohnungseinbrüche waren mit 75 in Arnsberg (Vorjahr 122) aufgrund der Nähe zum Ruhrgebiet und der Autobahnanbindung zu verzeichnen. Der Anstieg in Sundern auf 42 Einbrüche (Vorjahr 16) wurde mit der Tatserie Anfang 2020 in Verbindung gebracht. 2020 führten die Beamten zudem in 57 Fällen Objektberatungen zum Einbruchschutz durch.

Corona-Einsätze

Eine Zahl, die mit besonderer Aufmerksamkeit registriert wurde: Im Kreisgebiet sind 445 polizeiliche Einsätze in Zusammenhang mit Corona durchgeführt worden. 332 Ordnungswidrigkeitenanzeigen und 19 Strafanzeigen wurden dabei polizeilich erfasst.

Häusliche Gewalt

Polizeidirektor Klaus Bunse hat vor diesem Hintergrund eine „veränderte Struktur in der Kriminalität“ festgestellt. Die Zahl der Betrugs- sowie Drogendelikte sei zwar gestiegen, überraschend erfreulich sei allerdings, dass der befürchtete Anstieg häuslicher Gewalt während der Corona-Pandemie im Hochsauerlandkreis ausgeblieben sei. Mit 399 Fällen liegt die Anzahl im Bereich des Vorjahres (401). Bundesweit könne man sogar die zweitbeste Aufklärungsquote verzeichnen.
Der Opferschutzbeauftragte bearbeitete 470 Opferschutzfälle, darunter 399 Fälle häuslicher Gewalt und 40 Fälle sexueller Gewalt.

Tatverdächtige

Alles in allem ermittelte die Kreispolizeibehörde HSK im vergangenen Jahr 5.681 Tatverdächtige. In der Mehrzahl handelte es sich dabei um Männer (76 Prozent). Bei fast jeder vierten Tat war der Täter jünger als 21 Jahre. Acht von zehn Tatverdächtigen hatten einen deutschen Pass.

„Mit einer Aufklärungsquote von fast 60 Prozent liegen wir sieben Prozent über dem Landesdurchschnitt. Damit belegen wir eine Spitzenposition“, erklärte Thomas Vogt, Leiter Direktion Kriminalität und Verkehr.

Cyberkriminalität

Eine deutliche Kriminalitäts-Verschiebung war im Bereich Computerkriminalität festzustellen. Mit 124 Fällen stiegen die angezeigten Delikte um über 175 Prozent. Als Erklärung wurde dafür der Umstand angeführt, dass mangels anderer Tatgelegenheiten die Täter auf diese Betrugsform ausgewichen sind.

Drogendelikte

Im Bereich der Rauschgiftkriminalität war 2020 ein Anstieg auf 1.262 Straftaten zu verzeichnen (Vorjahr 1.074). Thomas Vogt begründete die Zunahme der Drogendelikte damit: „Wer mehr kontrolliert, stellt auch mehr Verstöße fest.“ Durch die Wiedereinführung von Einsatztrupps sowie einer weiteren Verstärkung der Drogenbekämpfung in der Sachbearbeitung seien die Fallzahlen um 17,5 Prozent gestiegen.

„Steigende Fallzahlen sind ein Indiz für verstärkte Aktivitäten. Drogen sind in großem Umfang auf dem Markt. Darum kontrollieren wir verstärkt, arbeiten direktionsübergreifend mit dem Straßenverkehrsamt zusammen und setzen auf Prävention“, verdeutlichte der Kriminalrat.

Gewaltdelikte

Die Zahl der Gewaltdelikte (Tötungsdelikte, Vergewaltigung, Raubdelikte, gefährliche und schwere Körperverletzung) bezifferte sich im vergangenen Jahr auf 439 (2019 442). Ein leichter Anstieg von 2.233 (2019) auf 2.284 (2020) Straftaten war im Bereich Straßenkriminalität verbucht worden. Bei der Erfassung von Diebstählen zeigte sich ein Rückgang zum Vorjahr von 151 Straftaten (- 4,47 Prozent) bei einer gestiegenen Aufklärungsquote von 33,6 Prozent. Der Betrug zum Nachteil älterer Menschen wies einen Rückgang der Fallzahlen von 403 auf 248 Taten auf.

Sexualstraftaten

Wesentlich höher ist indes der Anstieg im Bereich Sexualdelikte zu beziffern. Insgesamt wurden im Jahr 2020 226 Sexualstraftaten verübt (2019 194). Gravierend schlägt dabei die Verbreitung von Kinderpornografie zubuche. Während es 2019 noch 32 Straftaten waren, sind es 2020 bereits 59. Eine besorgniserregende Entwicklung, gegen die Kreispolizei verstärkte Maßnahmen ergreifen wird.

„Wir werden die polizeilichen Aktivitäten verstärken und einen verbesserten Informationsaustausch mit den Jugendämtern anstreben zum Schutz der Kinder. Je mehr investiert wird, desto höher ist die Aufklärungsrate“, machte Thomas Vogt deutlich.

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