"Krokodile warten da"

Großer Jubel bei den Erstklässlern mit ihrer Lehrerin Annette Hülshoff: Sie sind unter den ersten drei im bundesweiten Schulwettbewerb. Foto: Kristin Sens

22 Erstklässler der Gemeinschaftsgrundschule Am Hagen in Hoppecke haben mit ihrer Lehrerin Annette Hülshoff am Schulwettbewerb des Bundespräsidenten teilgenommen und dabei einen der ersten drei Plätze erzielt. Eine Delegation aus zwei Lehrern und zwei Schülern fährt Anfang Juni nach Berlin zur Preisverleihung im Schloss Bellevue. 512 Gruppen mit rund 30.000 Schülern hatten ihre Arbeiten eingereicht.

"Was siehst du, was ich nicht sehe? - Perspektive wechseln!" lautete das Thema des Wettbewerbs zur Entwicklungspolitik. Wie sehen wir Menschen auf der anderen Seite der Erde - und wie sehen sie uns? Diese Fragen sind eine Herausforderung für Erstklässler. Kinder in diesem Alter schauen aber auch genau hin. Deswegen erkannten sie schnell die Unterschiede. So manchen ersten Eindruck, etwa dass den Schülern auf dem Schulweg täglich Krokodile begegnen, musste die Pädagogin aber korrigieren.

Bei einer Fortbildung wurde sie auf den Wettbewerb aufmerksam, der seit 2003 alle zwei Jahre stattfindet. Gemeinsam mit Kollegen einer Schule in Thüngersheim bei Würzburg, einer Schule in Walpertskirchen bei München und einer Berliner Schule beschloss sie, teilzunehmen. Viel Korrespondenz ging hin und her, bis sie sich auf ein Konzept geeinigt hatten. Anknüpfend an den kindlichen Erfahrungshorizont erarbeiteten sie mit ihren Klassen ihre Schulwege und verglichen sie. Auf einer nächsten Ebene schickten sie ihre Resultate - Bilder und Wegkarten - zu einer Schule nach Uganda. Auch von dort bekamen sie Bilder zurück. "Krokodile warten da" oder "Die Häuser sind ja rund" waren die ersten Erfahrungen der Erstklässler mit einer für sie fremden Welt.

Hoppecker als einzige Erstklässler dabei

Die Hoppecker waren übrigens die einzige erste Klasse, die anderen Schüler waren Dritt- und Viertklässler.

Die Kommentare der Schüler wurden unter den Schulen ausgetauscht und in Collagen verarbeitet. Die kondensierten Erfahrungen wurden laminiert und als Würfel verarbeitet. Auf fünf Seiten der Cuben sind jeweils die Schulwege der Schulen dargestellt, auf der sechsten Seite ein einheitliches Logo gestaltet. Jede der Schulen fertigte fünf Würfel an und einen sechsten mit Kommentaren, die im März an die Jury in Berlin geschickt wurden. Dazu entwickelten die Kinder Spielideen für die Würfel.

Insgesamt werden 19 Hauptpreise im Wert von 49.000 Euro in fünf alters- und schulspezifischen Kategorien vergeben. Erst bei der Preisverleihung im Schloss Bellevue wird die Hoppecker Delegation erfahren, welcher der drei Plätze es sein wird. "Das ist ja wie bei der Oscar-Verleihung", kommentierte ein Schüler aufgeregt. Gewonnen haben sie schon jetzt: Allein die dreitägige Fahrt nach Berlin, inklusive Besichtigungsprogramm, ist schon ein Erlebnis. Das halbe Jahr, in dem sich die Kinder intensiv mit anderen Welten beschäftigt haben, wird sie zudem nachhaltig prägen.

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