Ehemalige Veramed-Klinik "versehrt"

Kunstausstellung belebt „Geisterklinik“ in Meschede kurzzeitig wieder

+
Mit kleinen Skulpturen, Graffitis oder Glaskörperateliers wurde die Veramed-Klinik „wiederbelebt“.

Meschede/Hochsauerland - In einer fast gespenstischen Atmosphäre wurde die ehemalige Veramed-Klinik in Meschede-Beringhausen von der Kulturregion „aufruhr – das andere Ruhrgebiet“ am Samstag und Sonntag mit der Ausstellung „Versehrt“ künstlerisch wiederbelebt. Im Rahmen des NRW-weiten Projektes „Stadtbesetzung“ stellten insgesamt 16 Künstler aus der heimischen Region sowie Schüler des Gymnasiums der Stadt Meschede ihre Arbeiten aus.

Geisterhaft lugt das große, ursprünglich strahlend weiße Gebäude inmitten des Waldes hervor. Algen und Moos verleihen der Fassade von Weitem einen fast gruseligen Anstrich. Fetzen von Putz und Farbe blättern ab, die Angeln der morschen Holzfenster, die seit Jahren vor sich hin modern, knirschen im Wind. Manche der Scheiben existieren nur noch in Form von tausenden Splitterteilchen die sich wie ein Mosaik im Sonnenlicht spiegeln. 

Beim Betreten des alten Bauwerks kriecht eine spürbare Kälte die Beine hinauf, ein moderiger Geruch liegt in der Luft und versetzt dem Atem kleine Nadelstiche. Die Zeitzeichen der Geschichte sind hier förmlich zu spüren. „‚aufruhr – das andere Ruhrgebiet‘ verbindet Kunst, Kultur und Natur an der oberen Ruhr mit dem Ziel, die Kulturlandschaft zu verstärken und zu vernetzen um sie somit bekannter zu machen“, erklärte Meschedes Bürgermeister Christoph Weber nach der Begrüßung der Gäste.

Zerbrochene Fensterscheiben, bröckelnde Fassade – die Veramed-Klinik hat von außen etwas Geisterhaftes.

In seiner Eröffnungsrede hob er das Thema „Expedition“ der „Stadtbesetzung“ hervor, offerierte, dass es darum geht urbane und ländliche Räume neu wahrzunehmen und mit künstlerischen Mitteln andersartig zu entdecken. „Die verlassene Beringhauser Klinik wird mit der Ausstellung ,Versehrt‘ künstlerisch wiederbelebt. Die Expeditionsreise führt sie an diesen besonderen, versehrten Ort.“

1902 bis 1904 vom Berliner Architekten als Auguste-Viktoria-Knappschaftsheilstätte erbaut, wurde die Klinik im Juli 1988 von der Veramed-Gesellschaft übernommen, die sich auf die Nachsorge von Krebspatienten spezialisierte. Vor zehn Jahren wurde der Betrieb jedoch eingestellt; fortan steht die Klinik leer, zeigt seitdem ein Vielfaches an optischen Verfallserscheinungen.

"Leicht bedrohliche Stimmung"

„Das ist ein spannender Kontrast und wie gemacht für eine Expedition ihm Rahmen der ,Stadtbesetzung‘, so Weber. „Aktuell steht das Gebäude kurz vor der Aufnahme in die Liste der Baudenkmäler in NRW.“ Ähnlich fasziniert betrachtete auch der stellvertretende Bürgermeister von Arnsberg, Peter Blume, die Atmosphäre: „Nahezu verlassen mit einer emotional beeindruckenden Wirkung besticht das Gebäude mit seiner Ausstellung. Die leicht bedrohliche Stimmung fasst an, nimmt uns mit in eine Welt, beeinflusst und rüttelt auf.“

Beginnend mit einem Picknick zur Stärkung und anschließendem filmischen Einstieg präsentierten die Kunstexpertinnen Anne Wiegel und Kathrin Ueberholz nach den Eröffnungsreden schließlich den begeisterten Besuchern die Ausstellung „Versehrt“, in der die Künstler ihre Werke gekonnt in Szene setzten. Das Portfolio reichte dabei von Acrylbildern platziert an kaputten Wänden zwischen Graffitis und bröckelnder Wandfarbe über ein Glaskörperatelier, wo Organe in Reagenzgläsern eingelegt waren, bis hin zu Natur- und Landschaftsfotografie. Soundplaces mit Geräuschen aus der Natur, Energiebilder kombiniert mit grafischen Arbeiten, „klagende“ Pflanzenbilder sowie die „Opteopathische Operation“ des Künstlers Ruppe Koselleck ergänzten die einzigartige Ausstellung „Versehrt“ an einem längst verloren geglaubten Ort („Lost Place“).

Beteiligte Künstler: 

Neben Ruppe Koselleck mit seiner Performance, bei der seine gemischten Farben via Wahrnehmung auf die Netzhaut und Gesundheit der Gäste wirken sollten, unterstrichen folgende Künstler aus den aufruhr-Städten Arnsberg, Bestwig, Brilon und Meschede die Ausstellung: Simone Bannach, Norbert Baumeister, Siegfried Deventer, Uta Guhlow, Susanne Klinke, Chistian Klute, Matthias Krispien, Ralf Litera, Renate Meinardus, Angela Ortkemper-Wagner, Klaus Rahmann, Hildegard Scheffer, Ralf Ströcker, Lisa Schwermer-Funke und Heike Wiegand-Baumeister.

„Versehrt“-Ausstellung in der ehemaligen Veramed-Klinik

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare