„Schauer kamen im richtigen Moment“

Landwirtschaftsverband zieht eine gemischte Erntebilanz

Landwirtschaftsverband zieht eine gemischte Erntebilanz
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Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband zog auf dem Milchbauernhof Möller-Winterberg in Eversberg eine gemischte Erntebilanz.

Eine gemischte Erntebilanz zog jetzt der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband drei Wochen vor dem Erntedankfest auf dem Milchbauernhof Möller-Winterberg in Meschede-Eversberg. Die Grünlandernte sei super gewesen, die Getreideernte schwierig verlaufen, der Wald vom Borkenkäfer stark in Mitleidenschaft gezogen und die Schweinepreise ein Desaster. Hinsichtlich der Maisernte zeigte sich der Verband optimistisch.

Hochsauerland/Eversberg – „Wir hatten drei sehr trockene Jahre nacheinander, waren froh über den Regen in diesem Sommer. Die Schauer für das Wachstum kamen im richtigen Moment“, so Josef Schreiber, Vorsitzender Landwirtschaftlicher Kreisverband Hochsauerlandkreis.

Durch das späte Frühjahr habe zwar die Vegetation zeitverzögert eingesetzt, trotzdem sei eine gute erste, zweite, dritte und teilweise vierte Grasernte eingefahren worden.

„Wir sind froh die Silos voll zu haben“

„Wir sind froh die Silos voll zu haben. So brauchen wir kein Futter zukaufen. Schon der erste Schnitt, der wichtigste für die Grünlandernte, brachte gutes eiweißhaltiges Gras in die Lager. Das hat uns sehr zufrieden gemacht“, ergänzte Schreiber.

Hinsichtlich der Maisernte erklärte der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Hochsauerlandkreis, dass die Kolben noch in der Reife ständen. Es bedürfe Sonne und Nachfrost für eine gute Ernte Anfang Oktober.

Milchpreis ist um zwei Cent gestiegen

„Seit drei Jahren sollen die Milchpreise steigen. Das Versprechen der Molkereien ist bisher nicht eingetreten. Der Milchpreis ist um zwei Cent gestiegen, das Geld wird für die zusätzlichen Kosten aufgebraucht“, berichtete Schreiber weiter.

Kälbertransporte von weniger als 28 Tagen (vorher 14 Tage), die damit verbundenen Umbauten sowie zusätzliche Umweltauflagen würden den Milchbauern trotz voller Silagelager das Leben schwermachen. Erfreulich sei jedoch, dass Kühe und Färsen derzeit einen guten Preis am Markt erzielen.

Getreideernte war in diesem Jahr spannend

Markus Wegener, Vorsitzender Landwirtschaftlicher Ortsverband Meschede, äußerte sich im Bezug auf die zittrig verlaufene Getreideernte: „Die Getreideernte war in diesem Jahr spannend. Kurze Regenschauer machten das Einbringen zum Glücksspiel. Die Gerste hat kleine Körner, der Weizen ist im Durchschnitt etwas leichter als in den letzten Jahren.“ Die Ernte sei aufgrund des Regens und der kühleren Temperaturen nicht so gut verlaufen; die Qualität sei eher schwach, die Menge jedoch ordentlich. Trotz gestiegenem Getreidepreis würde das Niveau der Getreidebauern aufgrund des Ernteeinbruchs auf einem gleichbleibenden Niveau sein.

Die Situation im Hinblick auf die Schweinehalter stellte Klaus Bauerdick, stellvertretender Kreisverbandsvorsitzender, als gravierend dar: „Die ganze Schweinezucht ist ein Desaster. Durch das Auftreten der afrikanischen Schweinepest ist ein Export nach China nicht mehr so möglich. Das Preisniveau von 1.23 Euro pro Kilogramm ist nicht kostendeckend. Jeder Schweinemäster legt Geld dazu.“

Schweinbauern müssten mindestens 1.50 Euro erhalten

Die Schweinbauern müssten mindestens 1.50 Euro erhalten, damit die Existenz nicht bedroht sei. Viele Mäster würden bei diesen Preisen ans Aufgeben denken. Allein der Ferkelpreis läge mit 25 Euro weit unter Wert.

In seiner Funktion als Vorsitzender der Bezirksgruppe Hochsauerland im Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen stellte Bauerdick weiter deutlich heraus, dass das Waldbild sich in den nächsten Jahren stark ändern werde. Drei Jahre Trockenheit mitsamt Borkenkäfer hätten bis September 2021 insgesamt 17.000 Hektar Wald im Sauerland zerstört.

Der Wald geht kaputt. Da kommen einem die Tränen. Blitzartig hat der Borkenkäfer in den letzten drei Jahren die Fichtenwälder vernichtet. Zahlreichen Familien wird dadurch die Lebensgrundlage entzogen. Das Kapital von Generationen ist verschwunden.

Klaus Bauerdick

„Der Wald geht kaputt. Da kommen einem die Tränen. Blitzartig hat der Borkenkäfer in den letzten drei Jahren die Fichtenwälder vernichtet. Zahlreichen Familien wird dadurch die Lebensgrundlage entzogen. Das Kapital von Generationen ist verschwunden“, so Klaus Bauerdick. „Wir werden unser blaues Wunder erleben. Das Laubholz ist massiv gefährdet. Weltweit treiben die Menschen Raubbau an der Natur.“

Abgebrannte Wälder, der enorme Flächenverbrauch und versiegelte Flächen

Abgebrannte Wälder in Brasilien, der enorme Flächenverbrauch in Deutschland für Straßen, Siedlungen und Industriegelände sowie die versiegelten Flächen, auf denen der Regen im Boden nicht versickern kann, seien ein Garant dafür, dass die Natur sich in einer hohen Geschwindigkeit weiter verändern werde. Der Wiederaufbau des Waldes müsse als ein gesamtgesellschaftliches Problem verstanden und umgesetzt werden.

Trotz aller schwerwiegenden Ereignisse waren sich die Beteiligten jedoch in einem Punkt einig: „Wir sind von den Flutkatastrophen wie im Ahrtal verschont geblieben. Ein weiterer Grund „Danke“ zu Erntedank zu sagen.“

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