„Ein bittersüßes Gefühl“

Luke Campbell aus Meschede ist Deutscher Meister über 400 Meter Hürden

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Der Moment des Triumphs: Luke Campbell sichert sich in Erfurt den Deutschen Meistertitel über 400 Meter Hürden.

Meschede/Erfurt. Es war dieser eine kleine Moment, der Luke Campbell nicht über das ganze Gesicht strahlen lässt. Ein winziger Schrittfehler vor der achten Hürde brachte den gebürtigen Mescheder im Finale über 400 Meter Hürden bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Erfurt am Sonntag kurz aus dem Rhythmus, sodass er die Norm für die WM in London um gerade einmal fünf Hundertstel verpasste. Zufrieden ist der neue Deutsche Meister natürlich dennoch – und auch ein wenig stolz.

„Ein Stück weit ist es momentan noch ein bittersüßes Gefühl. Mit dem Deutschen Meistertitel habe ich mein großes Ziel erreicht, aber so dicht an der Quali für die WM gewesen zu sein, ist schon ein bisschen ärgerlich. Aber wenn ich später irgendwann auf die Saison zurückblicke, dann überwiegt ganz sicher der Stolz“, so der 22-Jährige, der seine Konkurrenz im Finale mit 49,40 Sekunden um fast eine Sekunde degradierte – in der Leichtathletik sind das Welten. Die WM-Norm (49,35 Sekunden) ist also mehr als in Sichtweite – nur gehen dem Ausnahmetalent langsam die Wettbewerbe aus. Spätestens ab Ende Juli, so erzählt Luke im Gespräch mit dem SauerlandKurier, bereitet sich die Konkurrenz auf die WM in London (5. bis 13. August) vor. Vermutlich nur noch einmal wird er deshalb die Chance haben, doch noch auf den WM-Zug aufzuspringen – und damit eine bereits jetzt sensationellen Saison zu krönen. „Ich spüre, dass ich noch ein gutes Rennen in mir habe“, erklärt er zuversichtlich.

Ausnahmetalent auf dem College entdeckt

Im Titelsammeln selbst hat der junge Mann, der 1996 im Alter von gerade einmal zwei Jahren von Meschede aus mit seiner Mutter Anne zu seinem Vater nach Maryland an die amerikanische Ostküste zog, bereits reichlich Erfahrung. Insgesamt elf Meistertitel über 60-, 110 und 400-Meter-Hürden sowie mit der 4x400-Meter Staffel errang Luke während seiner Studienzeit am College von Salisbury. Zurück in Deutschland nahm er seit Mai überaus erfolgreich an Wettbewerben in Jena (Platz 1), München (geteilter 1. Platz), Regensburg (Platz 2) und bei der Süddeutschen Meisterschaft in Wetzlar (ebenfalls Zweiter) teil.

Die Familie macht ihn stark: Luke Campbell (3.v.l.) kann sich immer auf die Unterstützung von Mutter Anne (2.v.l.) und Onkel Andreas Thiele (r.) verlassen.

Das ist umso erstaunlicher, da sich Luke erst im zehnten Schuljahr auf der High School (mit etwa 18 Jahren) auf den technisch anspruchsvollen Hürdenlauf spezialisierte. „Vorher hat er auch gerne und gut Basketball und Fußball gespielt. Aber sein Hochschultrainer hat sein Talent als Hürdenläufer gleich erkannt“, berichtet Anne Campbell. „Und ich habe dann auch schnell gemerkt, dass der Coach wohl nicht ganz so falsch liegt“, ergänzt Luke schmunzelnd. Zwei bis drei Stunden täglich schuftet der gebürtige Mescheder im Training. Dabei stehen nicht nur Technik- und Ausdauerübungen (Luke: „Die zweite Hälfte eines Rennens ist wirklich hart – da spürt man die Müdigkeit“) auf dem Programm sondern auch Sprint- und Krafttraining, beispielsweise Gewichtheben.

Auf die Ernährung muss der Modellathlet natürlich besonders achten – jedes Gramm zu viel kann einen entscheidenden Nachteil mit sich bringen. Ab und zu könne er sich einen Besuch bei McDonald´s dennoch nicht verkneifen – „um nicht komplett verrückt zu werden“, räumt der 22-Jährige augenzwinkernd ein.

„Ich wollte immer in meine Heimat zurück“

Stolz zeigt Luke Campbell im heimischen Meschede seine Medaille von der Deutschen Meisterschaft. 

Dass er diesen Besuch seit kurzem wieder in seiner deutschen Heimat erledigen kann, hat Luke neben seinem Talent und der doppelten Staatsbürgerschaft vor allem der starken Familienbande zu verdanken. Onkel Andreas Thiele wohnt in Meschede und der Kontakt ist nie abgerissen. „Viele Jahre lang sind wir in den Sommerferien immer in Meschede gewesen und haben seinen Onkel besucht“, erinnert sich Anne Campbell. Im April hat sich dann die Tür für eine dauerhafte Rückkehr geöffnet. „Ich wollte immer in meine deutsche Heimat zurück. Nach Abschluss meines Studiums der Sportwissenschaften und Physiologie hat sich nun die ideale Gelegenheit ergeben, nach Frankfurt zur Eintracht zu wechseln“, erklärt Luke Campbell. 

Dort wird er unter anderem vom ehemaligen Olympiasieger über 400 Meter Hürden (1980), Volker Beck, trainiert. Der sieht den jungen Mescheder noch lange nicht am Ende seines Weges – eine Zeit um 48 oder sogar 47 Sekunden traue er seinem Schützling durchaus zu. Damit würde Luke in die absolute Weltspitze vorstoßen. Doch das ist Zukunftsmusik. Zunächst einmal steht eine ganz andere Herausforderung an – das Erlernen seiner eigentlichen Muttersprache. Zurzeit kommuniziert Luke noch oftmals auf Englisch. Das soll sich schnellstmöglich ändern. „Sprache ist ja die Basis, um überhaupt anzukommen und sich zurecht zu finden.“ Und wer den Ehrgeiz und die Disziplin des 22-Jährigen auf der Tartanbahn kennt, der kann sich sicher sein, dass Luke Campbell auch diese Hürde in Rekordzeit überwinden wird.

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