Auf dem Pfad der Hoffnung

Martin Hengesbach startet Spendenmarathon von Oslo nach Trondheim

Der Rucksack ist gepackt, die Wanderschuhe eingelaufen und das Blasenpflaster verstaut:  Martin Hengesbach ist bereit für seinen 660 Kilometer langen Spendenmarathon von Oslo nach Trondheim.

Eversberg/Oslo - 660 Kilometer in 14 Tagen, 20.300 Höhenmeter mit einem 13 Kilogramm schweren Rucksack – allein die Zahlen, die den Rahmen des diesjährigen Spendenlaufs von Martin Hengesbach bilden, sind imposant. Noch imposanter aber ist der Hintergrund der Aktion: Mit seinem Gewaltmarsch von Oslo nach Trondheim möchte der Eversberger auf die Krankheit Kinderdemenz (NCL) aufmerksam machen, eine bislang kaum erforschte und unheilbare Stoffwechselkrankheit, die bereits in jungen Jahren unweigerlich zum Tod führt. Dabei ist jede Spende willkommen.

„Wer selbst Vater oder Mutter ist, der weiß: Das Wichtigste ist, dass mein Kind gesund auf die Welt kommt. Umso erschütternder ist es, wenn nach einigen Jahren die Diagnose ,Kinderdemenz‘ gestellt wird. Da bricht für die Familien eine Welt zusammen. Deshalb möchte ich als Vater zweier gesunder Kinder auf dieses Schicksal aufmerksam machen und einen Beitrag im Kampf gegen diese unheilbare Krankheit leisten“, erklärt Martin Hengesbach seine Beweggründe für den Spendenmarathon. 

Die Herausforderung 

Dieser wird ihn gemeinsam mit seinem Laufpartner Stefan Fricke aus Salzkotten ab 2. August auf den Olavsweg von Oslo über Lillehammer und Haverstolen nach Trondheim führen. 660 Kilometer wollen die beiden Abenteurer dabei in 14 Tagen zurücklegen, das bedeutet rund 50 Kilometer pro Tag.

 „Derzeit geht in Norwegen um 3.40 Uhr die Sonne auf, Sonnenuntergang ist erst nach 23 Uhr. Das bedeutet, wir haben lange Tage um weit zu laufen“, berichtet der agile 55-Jährige. Dass die beiden ein gutes Team sind, haben der Sauerländer und der Westfale bereits 2017 bewiesen, als sie in 14 Tagen die Strecke von München nach Venedig (500 Kilometer) bewältigten und dabei insgesamt 7000 Euro für das Kinderhospiz Balthasar in Olpe erwanderten. 

Im Vergleich zu damals warten im gleichen Zeitraum zwar 160 Kilometer mehr, aber, so Martin Hengesbach, werde der Streckenverlauf an sich etwas leichter sein. „Trotz der 20.300 Höhenmeter ist das Streckenprofil einfacher, da es keine Klettersteige oder ähnliches gibt. Die größte Herausforderung wird definitv die Länge.“ Denn eigentlich ist der Olavsweg selbst in 32 Etappen eingeteilt, was bedeutet, dass das Duo täglich rund 2 1/2 Etappen hinter sich bringen muss, um das gemeinsame Ziel in der angegebenen Zeit zu erreichen. Eine Herausforderung „an der Grenze des Machbaren“, weiß auch Martin Hengesbach. 

Die Vorbereitung 

Damit diese Tour nicht zur Tortur wird, hat sich der Eversberger intensiv vorbereitet. Neben kilometerlangen Rucksackwanderungen wurde auch die Himmelstreppe am Hennedamm zum Übungssobjekt umfunktioniert: viermal rauf, viermal runter – und das mitsamt 15 Kilogramm schwerer Bleiweste. Auch durch das harte Trainingsprogramm ist der 1,96 Meter Schlaks nur noch ein Kilogramm von seinem Wunschgewicht 93 Kilogramm entfernt. 

Als Gesundheits- und Ernährungsberater weiß der 55-Jährige zudem sehr genau, worauf es bei der Wanderung ankommt: „Es ist wichtig, gut zu frühstücken. Da das mitten in der Wildnis nicht immer machbar sein wird, haben wir stets unsere Notration im Rucksack – eine Packung Haferflocken, Nüsse und Trockenobst. Tagsüber isst man eigentlich relativ wenig, da trinkt man überwiegend.“

Insgesamt fühlt sich der Eversberger aber bereits knapp 1 1/2 Wochen vor dem Start gut gerüstet für das extreme Abenteuer auf dem Pfad der Hoffnung: „Ich liege voll im Plan und langsam kommt auch die Anspannung. Wir werden pro Tag zehn bis zwölf Stunden unterwegs sein. Aber letztlich ist das reine Kopfsache. Du bist so fokussiert, dass du physische Schmerzen wie Muskelkater oder ähnliches eh nicht spürst. Und Aufgeben gibt es sowieso nicht, schließlich mache ich das alles ja für die gute Sache“. 

Der gute Zweck 

Denn trotz der Schwere der Aufgabe ist Martin Hengesbach durchaus bewusst, dass diese zweiwöchigen Strapazen nichts sind im Vergleich zu der quälenden Dauerbelastung und erschöpfenden Anstrengung, die Familien mit NCL-erkrankten Kindern erdulden müssen. „Mit unserer Aktion möchten wir die Betroffenen auf genau diesem Weg unterstützen und die Krankheit Kinderdemenz mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken“, erklärt der zweifache Familienvater.

Er selbst ist durch einen Fernsehbeitrag mit Schauspieler Jan Josef Liefers auf die seltene Krankheit aufmerksam geworden und möchte mit seiner Aktion der NCL-Stiftung in Hamburg unter die Arme greifen, die die bisher noch unheilbare Krankheit für die Kinder und ihre Familien ertragbar zu machen versucht. 

„Mit rund 700 Fällen sind bislang nicht so viele Kinder von dieser Krankheit betroffen, dass die Industrie einen Profit daraus ziehen kann. Daher ist die Stiftung für jeden Euro zur Erforschung geeigneter Medikamente dankbar. Zurzeit gibt es 14 bekannte Ausprägungen der Kinderdemenz – alle mit tödlichem Verlauf. Für lediglich zwei ist es bisher gelungen, Medikamente zu entwickeln, die das Fortschreiten der Krankheit zumindest verzögern können.“ 

Besonders heimtückisch sei, dass es keine Vorzeichen für NCL gebe. „Man denkt, man hätte ein gesundes Kind, ehe es meist im Einschulungsalter mit einer Sehschwäche losgeht“, erklärt Hengesbach. Der tödliche Verlauf sei dann vorgezeichnet: Nach rascher Erblindung folgen geistiger Abbau (Demenz), Sprach- und Beweglichkeitsverlust sowie kardiologische Probleme. Noch vor dem 20. Lebensjahr verliert der NCL-Patient die Kontrolle über seine Körperfunktionen, muss künstlich ernährt werden und ist ein 24-Stunden Pflegefall. Wenige Jahre später verstirbt er.

Die Sponsorensuche

 „Deshalb macht es mich auch fassungslos und traurig, wenn bei Gesprächen mit interessierten Sponsoren argumentiert wird, dass bei dem Thema die Regionalität fehle. Es geht hier um Kinder“, bringt der Eversberger sein Unverständnis zum Ausdruck. 700 Kinder seien zum Sterben verurteilt, 700 Familien leiden, wenn keine Medikamente gefunden werden. In jeder Region der Republik seien Kinder betroffen. „Es gibt keine Patientenübersicht, die die Regionalität definiert, da die Eltern die todbringende Krankheit verständlicherweise nicht öffentlich machen wollen. Aber es kann auch ein Einschlag in der eigenen Familie sein.“ Mit zehn bis zwölf festen Sponsoren rechnet Martin Hengesbach (zum Vergleich: Bei seiner letzten Tour waren es 18). 

Besonders erfreut zeigt er sich über die Unterstützung durch die Restaurantkette “Food-Rebell“, die in der Zeit des Marathons pro verkauftem Gericht einen Euro für die gute Sache zur Verfügung stellen wird. Auch einige heimische Unternehmen haben sich großzügig engagiert. Mit Tagesschau-Moderator und Hobbytriathlet Thorsten Schröder als Schirmherr wurde zudem ein prominenter Fürsprecher gewinnen. Darüberhinaus hofft der Extremwanderer vor Ort noch auf die eine oder andere Spende: „Dafür haben wir extra ,Spendenmarathon Oslo-Trondheim‘ in Norwegisch auf unsere Trikots drucken lassen. Denn jeder Cent zählt.“ 

Die Community 

Um letztlich auf eine ähnliche Summe wie nach der München-Venedig-Tour zu kommen (7.000 Euro), setzt Martin Hengesbach auch auf die Hilfsbereitschaft der Sauerländer. Auf der Homepage www.socialxtremesport.com findet sich bereits jetzt der Link zu einem Paypal-Konto für private Spender. Zudem werden ab Anfang August täglich mehrfach Videos und Statusmeldungen über die Social Media Kanäle wie Facebook und Instagram sowie über einen eigenen YouTube-Kanal (ihr-food-coach Martin Hengesbach) eingestellt, sodass jeder ganz bequem vom heimischen PC aus verfolgen kann, wie es den beiden Abenteurern gerade geht. Betreut und gepflegt werden die sozialen Medien in dieser Zeit von Hengesbachs Kindern Max und Carolin. 

Er sagt: „Wir haben das große Glück, Eltern von zwei gesunden Kindern zu sein. Alleine schon aus dieser Dankbarkeit heraus ist es mir wichtig, denjenigen zu helfen, denen das leider nicht vergönnt ist. Unterstützen auch Sie mich dabei – man wird für jeden Schritt belohnt.“

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