„Abenteuer Niederlassung“

Meschede und Bestwig wollen Strategie für Fachärzte entwickeln

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Meschede und Bestwig möchten die Orte attraktiv für junge Fachärzte machen.

Meschede/Bestwig. Was können die Stadt Meschede und die Gemeinde Bestwig tun, um auch in der Zukunft eine gute haus- und fachärztliche Versorgung vor Ort zu unterstützen? Im Juli haben die Wirtschaftsförderungen der beiden Kommunen ein Projekt gestartet, um Strategien für die Zukunft der ärztlichen Versorgung zu erarbeiten. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor – ebenso wie erste Ideen.

„Entwicklung einer Strategie zur medizinischen Haus- und Facharztversorgung für das Mittelzentrum Meschede und den angrenzenden Bereich“ ist der Titel des Projekts, mit dem sich die beiden Wirtschaftsförderungen erfolgreich beim Bundesförderprogramm „Land(auf)schwung“ beworben haben. Unterstützt werden sie nun bei der Umsetzung von der Strategieberatung StraKonGroup, die sich auf Konzepte im Gesundheitswesen spezialisiert hat. Um die aktuelle Lage, aber auch Herausforderungen und Wünsche der Mediziner vor Ort zu analysieren, haben die Experten der StraKonGroup seit dem Sommer Interviews mit 18 Medizinern in acht Praxen, einem Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung und einem Vertreter des Klinikums Hochsauerland geführt. 

Ärzte fordern bessere Rahmenbedingungen

Dabei kristallisierten sich zwei zentrale Aussagen heraus: Zum einen erhoffen sich die Ärzte bessere Rahmenbedingungen von der Gesundheitspolitik auf Bundes- und Landesebene. Und zum anderen formulierte die Ärzteschaft die Anregung an die Kommunen, ihre durchaus vorhandenen guten Strukturen besser darzustellen und auch bei der Neuansiedlung Unterstützung anzubieten –zum Beispiel bei der Wohnungssuche oder der Suche nach einem Arbeitsplatz für Partnerin oder Partner. Lebensqualität, Kultur, Bildungsangebot gehören für die Mediziner ebenso zur Standortqualität wie eine gute Erreichbarkeit ihrer Praxen. So könne zum Beispiel eine bessere Anbindung der Ortsteile an die jeweiligen Kernorte über den Nahverkehr eine entscheidende Verbesserung für ältere Patienten bedeuten, die selber nicht mobil sind –hieß es in einer Anregung. 

Zudem wünschen sich viele Ärzte eine stärkere Zusammenarbeit mit dem Klinikum Hochsauerland: „Mit Kooperation kommen wir weiter als mit Konkurrenz.“ Gleichzeitig gelte es, die eigene Praxis attraktiv zu halten, eben nicht nur für Patienten, so Uwe Alter von der StraKonGroup: „Eine moderne Praxis lockt junge Mediziner in die Stadt.“ Und auch, wenn die heimischen Mediziner ganz überwiegend überzeugt vom Modell der Niederlassung sind, die Befragung ergab auch, dass sie die Zukunft in so genannten „Mehrbehandlerpraxen“ sehen: Hier teilen sich verschiedene Ärzte mit unterschiedlichen Fachrichtungen eine Groß-Praxis. 

Gutes Miteinander, starkes Argument 

Ein erster Vorschlag der Strategieberatung: Der Bereich „Gesundheit und Pflege“ könne künftig das kommunale Marketing ergänzen, zum Beispiel in Form einer Kommunikationsplattform zwischen den Gesundheitsberufen, Kommune und Bürgerschaft. Letztlich gehe es darum, eine „Schnittstelle“ zwischen Kommune und Medizinern zu schaffen, fasste Meschedes Bürgermeister Christoph Weber zusammen. Keine einfache Aufgabe, ergänzte Dr. Hans Heiner Decker, Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe: Die Organisationsstrukturen der Mediziner in ihren verschiedenen Bereichen seien sehr komplex. 

Christoph Webers Fazit: „Es geht nicht ohne den Willen, etwas gemeinsam nach vorne zu bringen.“ Wichtig seien zudem Angebote, um jungen Medizinern einen Einstieg in das „Abenteuer Niederlassung“ zu ermöglichen. Ein Modell: Eine so genannte „Stiftungspraxis“, wie sie bereits in Thüringen erfolgreich umgesetzt wird. Hier können Ärzte für ein bis zwei Jahre in Voll- oder Teilzeit als Angestellte in einer voll ausgestatteten Einzel- oder Gemeinschaftspraxis arbeiten und sie bei Interesse anschließend erwerben. Dafür arbeiten Kommunen, Kassenärztliche Vereinigung und die Landesregierung zusammen. Natürlich könne ein solches Modell nicht „1 zu 1“ übertragen werden, so Uwe Alter, das Grundprinzip aber stieß bei den Medizinern durchaus auf Interesse. Auch eine stärkere Vernetzung untereinander sowie mit den Kommunen fand den Rückhalt der Ärzteschaft. 

Hans Heiner Decker: „Ein gutes Miteinander ist ein starkes Argument für Mediziner.“ An diesen Punkten will nun das Strategie-Projekt der beiden Wirtschaftsförderungen weiter ansetzen. Ergebnis wird eine Konzeptstudie mit Handlungsempfehlungen sein, die in den politischen Gremien in Meschede und Bestwig vorgestellt wird.

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