„Es wird Großbritannien härter treffen“

In Meschede wird über Für und Wider von hartem und weichem Brexit diskutiert

Gaben eine Brexit-Prognose ab: Prof. Heinz-Dieter Smeets, Jürgen Lipke, Seb Dance und Birgit Sippel. Foto: Sonntag
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Gaben eine Brexit-Prognose ab: Prof. Heinz-Dieter Smeets, Jürgen Lipke, Seb Dance und Birgit Sippel. 

Meschede/Hochsauerland. Auf Initiative der heimischen Europaabgeordneten Birgit Sippel hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung jetzt ins Kreishaus Meschede zu einer Veranstaltung unter dem Titel „Harter oder weicher Brexit? Das ist hier die Frage...“ eingeladen.

Etwa 50 Teilnehmer aus dem HSK, aber vereinzelt auch aus dem Märkischen Kreis und dem Kreis Soest verfolgten interessiert die Ausführungen der Redner. Die Moderation an diesem Abend übernahm Jürgen Lipke, der sich freute – als interessierter Mescheder und überzeugter Europäer – die Podiumsgäste begrüßen zu dürfen.

Neben Prof. Dr. Heinz-Dieter Smeets von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf machten insbesondere die Äußerungen des britische Europaabgeordneten Seb Dance aus London die Situation sehr lebendig deutlich. „Der Austritt Großbritanniens aus der EU wird Deutschland schmerzen, aber Großbritannien selbst wird es viel härter treffen“, mit diesen Worten leitete Seb Dance den Diskussionsabend ein. „Schätzungsweise wird der Rückgang des Bruttoinlandsproduktes bei etwa drei Prozent liegen und damit nochmals deutlich höher als in der Finanzkrise 2008“, so die Prognose des Londoners, die von Prof. Dr. Smeets geteilt wurde.

Brüssel als Sündenbock

Wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass der Brexit Realität wurde, erklärte der britische Europaabgeordnete dadurch, dass Brüssel immer an allem die Schuld gegeben wurde, was in Großbritannien falsch gelaufen sei. Alles Gute hätte man auf das nationale Parlament zurückgeführt und besonders die Social Media Plattformen verbreiteten oftmals Lügen, wodurch die Menschen beeinflusst wurden.

Seb Dance hofft darauf, dass die Menschen in UK ihre Meinung ändern würden und der Brexit noch gestoppt werden könne, denn langsam könnte man feststellen, dass die Briten merken, was ein Ausscheiden aus der EU für weitreichende Konsequenzen hätte. „Durch das Brexit-Votum ist deutlich geworden, wie beeinflussbar Menschen sind und wie wenige Menschen über das Schicksal vieler bestimmen können“, erläutert Birgit Sippel, „daher ist es umso wichtiger, dass das parlamentarische demokratische System ernster genommen wird und Politiker ruhig kritisch betrachtet werden dürfen“.

"Zeichen für einen weichen Brexit sehe ich nicht"

Prof. Dr. Smeets prognostizierte aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht ebenfalls einen Brexit, der Großbritanniens Wirtschaft hart treffen wird und wies auch auf die Möglichkeit hin, dass die zwei Jahre des Austrittsverfahrens verlängert werden könnten, sollten sich die Briten nicht bis 2019 einig sein.

„Die Zeichen für einen weichen Brexit sehe ich nicht, denn dann könnten die Briten auch gleich in der EU bleiben“, stellte Smeets klar. Genau könne man die Folgen des Brexits aber nicht voraussagen, da ein solcher Austrittsprozess noch nie zuvor stattgefunden hat, erläuterte Smeets weiter. In der anschließenden regen Diskussion positionierten sich die Teilnehmer mit ihren Sichtweisen und Erfahrungen, stellten aber auch sehr spezifische Fragen. So interessierte vor allem, ob es weitere Länder geben wird, die aus der EU austreten wollen, wie das Miteinander von Staaten und Bürgern verbessert und neu gestärkt werden kann sowie die generelle Frage nach einer neuen Besinnung auf die Stärken parlamentarischer Demokratien. Durch die Diskussion wurde deutlich, dass der Brexit oberflächlich betrachtet nur schwer verständlich ist und erst durch Einblick in nationale parteipolitische Fehlstrategien erklärbar wird. „In den vergangenen Jahren hat man Großbritannien oftmals die Möglichkeit gegeben, manche EU-Entscheidungen nicht mitzugehen – rückblickend betrachtet ein Fehler, der letztlich den Brexit mit unterstützt hat“, stellte Birgit Sippel abschließend fest.

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