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Mescheder Heinrich Gerke ist Ehrenamtlicher beim Weißen Ring

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Von: Daniela Weber

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Heinrich Gerke betreut seit 17 Jahren Kriminalitätsopfer als Ehrenamtlicher beim Weißen Ring. © Daniela Weber

Meschede/Hochsauerland. Heinrich Gerke hat schon viel erlebt und vor allem auch schon viel gehört, viel schlimmes gehört. Denn er ist seit nunmehr 17 Jahren als ehrenamtlicher Berater für den Weißen Ring tätig. Der Weiße Ring ist ein Verein, der Kriminalitätsopfer unterstützt.

Der 69-jährige Mescheder wurde damals unter anderen durch das Fernsehen auf den Weißen Ring aufmerksam: „Ich dachte dann, das wäre was für mich. Ehrenamtlich tätig war ich auch schon vorher und zwar als Vorstand im Sportverein“, erzählt der Berater. Dass er letztlich die Entscheidung gefasst hat, Kriminalitätsopfern ehrenamtlich zur Seite zu stehen, entstand aus Eigeninitiative. Er hat sich bei der Vereinigung vorgestellt und musste dann zunächst an zwei Wochenenden eine kurze Ausbildung durchlaufen. „Dabei ging es dann hauptsächlich um Theorie. Nach den Wochenendschulungen begleiten die Neuen dann erst einmal einen erfahrenen Berater zwei- bis dreimal zu Gesprächen. Erst dann bekommt man eigene Fälle“, schildert Gerke. 

An seinen ersten Fall kann er sich noch genau erinnern: „Ein Aldi-Markt war überfallen worden und der Weiße Ring hat dann die Verkäuferin, die zur Tatzeit im Laden gearbeitet hat, betreut.“ In den vergangenen 17 Jahren hat der Mescheder etwa 160 Fälle persönlich betreut. Dazu kommen noch unzählige Anfragen per Telefon. Grundsätzlich laufen die Beratungen aber persönlich ab. „Ich treffe mich dann mit den Opfern meistens bei ihnen zu Hause oder an einem neutralen Ort.“ Die meisten Kriminalitätsopfer werden durch den Opferschutzbeauftragten der Polizei an den Weißen Ring weitergeleitet, einige melden sich aber auch selbst. „Die erste Kontaktaufnahme läuft telefonisch ab. Da wird dann eigentlich auch schon direkt geklärt, ob es ein Fall für den Weißen Ring ist. Wir betreuen ausschließlich nur Kriminalitätsopfer,“ erklärt der 69-Jährige.

 „Man muss Distanz bewahren“ 

Die Verbrechen unter denen die Menschen zu leiden haben, sind vielfältig. „Am meisten habe ich in meiner Zeit als Berater mit häuslicher Gewalt zu tun gehabt“, blickt Gerke zurück. Aber auch mit Körperverletzung, Mord und Kindesmissbrauch ist er bereits konfrontiert worden: „In einem Jahr hatte ich direkt fünf Fälle von Kindesmissbrauch. Das war schon schwierig für mich“, erinnert sich der Sauerländer. 

Der Übergang zum Alltag sei nach den Beratungsgesprächen nicht immer einfach, so der jahrelange Betreuer. „Man darf die Geschichten aber auch nicht zu sehr an einen heran lassen. Man muss versuchen Distanz zu bewahren “, betont Gerke. Durch seine jahrelange Erfahrung hat er da mittlerweile auch eine gewisse Routine entwickelt. Auch der Rückhalt seiner Familie und seines Bekanntenkreises sei sehr hilfreich: „Meine Familie findet es zum Beispiel gut, dass ich mich ehrenamtlich beim Weißen Ring engagiere. Aber die Familie muss auch dahinter stehen. Im Laufe eines Jahres gibt es zum Beispiel diverse Lehrgänge bundesweit an Wochenenden. Man ist teilweise also sehr eingespannt“, so der Mescheder. Mit seinen 400 Außenstellen und etwa 2300 Ehrenamtlichen bewirkt der Verein sehr viel. 

Auch im Hochsauerlandkreis gibt es eine Außenstelle und zahlreiche Berater: „Meine Kollegin hier aus Meschede habe ich zum Beispiel für den Weißen Ring gewinnen können“, freut sich Gerke. Die Fälle der einzelnen Berater sind allerdings nicht auf ihren Wohnort beschränkt: „Wir unterstützen uns in den einzelnen Städten zum Beispiel gegenseitig“, erzählt Gerke. „Meine Kollegin in Arnsberg hat momentan sehr viele Fälle. Da nimmt man ihr natürlich auch mal welche ab“, ergänzt er. Wie viele Fälle ein Betreuer hat, ist immer unterschiedlich. So hatte Gerke im letzten Jahr im Zeitraum von Januar bis August 15 zu betreuende Kriminalitätsopfer. In diesem Jahr sind es bis zum jetzigen Zeitpunkt erst drei. 

Dass die seit zwei Jahren bestehende Online-Beratung, die zentral von Mainz betrieben wird, mit dem Rückgang zusammenhängt, glaubt Gerke allerdings nicht: „Persönliche Gespräche sind immer besser. Das zeigt mir meine 17-jährige Erfahrung“, so Gerke. Überrascht war Gerke, der in der HSK-Außenstelle als stellvertretender Vorsitzender fungiert, anfangs über die hohe Anzahl an Kriminalfällen im Sauerland. „Okay, ich wusste natürlich, dass das Sauerland kein Ort der Glückseligen ist, aber hier tut sich tatsächlich schon sehr viel. Man denkt bei einigen Fällen: Das kann doch auf dem Land nicht passieren“, schildert der Mescheder. 

Weißer Ring sucht Ehrenamtliche 

Und da sich einiges tut, sucht der Weiße Ring auch stets nach neuen Ehrenamtlichen. „Auch Jugendliche können sich bewerben. Wir haben sogar eine eigene Jugendgruppe“, appelliert Gerke. Die Jugendlichen betreuen zwar noch keine Kriminalitätsopfer selbst, aber helfen an Infoständen, unterstützen die Pressearbeit oder sind für die Pflege der Homepage verantwortlich. „Die Jugendgruppe ist auch sehr aktiv und wirbt für neue Mitglieder. Sie haben beispielsweise Bierdeckel entworfen mit der Aufschrift: ‘nicht ko getropft’“, erzählt Gerke. 

Auch wenn der Nachwuchs aktiv und engagiert ist, sind erfahrene Berater wie Gerke unerlässlich. Daran aufzuhören, denkt der Mescheder aktuell noch nicht wirklich: „Also dieses Jahr werde ich auf jeden Fall noch weiter dabei sein. Dann muss mal natürlich mal gucken. Das hängt ja auch von der eigenen Gesundheit ab“, so der 69-jährige Ehrenamtliche abschließend. 

Wer Beratung sucht oder Interesse hat sich ehrenamtlich zu engagieren, kann sich an die Außenstelle im HSK wenden: ☎ 0 29 81/8 10 54 oder ☎ 0 15 1/55 16 48 05 oder per Mail an wr-hochsauerlandkreis@unity-mail.de

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