„Es gibt keinen Plan(eten) B“

Mescheder Schüler demonstrieren lautstark gegen den Klimawandel

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„Fridays for Future“ – weltweit gehen Schüler auf die Straße statt in die Schule und demonstrieren gegen den Klimawandel. Nun streiken auch Mescheder Schüler.

Meschede. Allmählich wird die Schar immer größer, bunte Plakate ragen in die Höhe, Trillerpfeifen ertönen, Gesänge werden angestimmt: „Fehlstunden verkraften wir, Klimawandel nicht“ hallt durch Meschede, immer wieder und immer wieder, lautstark und energisch. Die „Fridays for Future“-Demonstrationen von Schülern auf der ganzen Welt sind in Meschede angekommen. Etwa 130 Schüler des Gymnasiums der Stadt Meschede und des Gymnasiums der Benediktiner marschieren durch die Stadt, vom Kreishaus durch die Innenstadt bis zum Rathaus, mit nur einem Ziel: Sie wollen zeigen, dass ihnen ihre Zukunft nicht egal ist.

„Wir wollen dem Sauerland zeigen, dass auch wir vom Klimawandel betroffen sind und etwas tun müssen. Wir wollen eine gute Zukunft für unsere Nachkommen“, betont Mareen Klute, Schülerin des Gymnasiums der Stadt Meschede und Organisatorin der Demonstration. 

Für die 18-Jährige und viele ihrer Mitstreiter ist die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg ein Vorbild und ein Antrieb, auch hier in Meschede auf die Straßen zu gehen. „Greta hat damit angefangen. Ich bewundere ihren Mut. Zu zeigen, dass die junge Generation Angst vor der Zukunft hat, ist ein starkes Statement“, so die Zwölftklässlerin. 

"Planet Erde zuerst"

Der Gymnasiastin sei ein bewusster Umgang mit der Umwelt bereits in die Wiege gelegt. Klutes Eltern unterstützen das Engagement ihrer Tochter, Mutter Elke ist sogar mit dabei beim Zug durch die Kreisstadt. „Ich finde das total klasse. Meine Generation macht viel zu wenig für den Klimaschutz. Ich finde es wichtig, dass die jungen Leute nun auf die Straße gehen und demonstrieren“, so die 45-Jährige. 

Auch bei der Schulleitung und den Lehrern fand die Idee Anklang. „Wir haben die Schulleitungen beider Schulen informiert und uns wurde versichert, dass wir abgesehen von unentschuldigten Fehlstunden keine weiteren Konsequenzen zu befürchten haben. Einige Lehrer haben uns auch ermutigt, zu demonstrieren“, erklärt Mareen Klute, die zusammen mit Marcel Marcon, Gymnasium der Stadt Meschede und Chris Hoffmann, Gymnasium der Benediktiner, Mitschüler per WhatsApp mobilisiert hat. 

Von Politikverdrossenheit keine Spur: etwa 130 Schüler der beiden Mescheder Gymnasien ziehen durch die Stadt.

Dem Aufruf der drei engagierten Schüler sind viele gefolgt. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut“ skandieren die jungen Menschen, während sie durch Meschede ziehen, begleitet von der Polizei. Viele Passanten verfolgen den Demonstrationszug durch die Hochschulstadt. Die Schüler sind laut aber friedlich, angetrieben von Marcel Macron, der immer wieder die Gesänge anstimmt.

Das Ziel der Jugendlichen ist das Rathaus: Die etwa 130 Gymnasiasten reihen sich vor dem Haupteingang auf, strecken ihre Plakate in die Luft und skandieren ihre Slogans, immer wieder und immer wieder, lauter und lauter. „There is no Plan(et) B“ („Es gibt keinen Plan(eten) B“), „Macht eure Hausaufgaben, dann machen wir unsere“, „Planet Earth first“ („Planet Erde zuerst“) und „Die Dinos dachten auch sie hätten noch Zeit“ sind nur einige der Slogans, die die Plakate der Demonstranten zieren. Einige Schüler haben sogar Eisbären auf Plakate gezeichnet mit dem Appell „Save me“ („Rette mich“). Die Gymnasiasten wollen erreichen, dass Bürgermeister Christoph Weber herauskommt, der aber laut Verwaltung nicht vor Ort ist. 

"Teil von etwas ganz Großem"

Der 19-jährige Marcon ist begeistert von der Masse an Menschen, die etwas bewegen wollen und mit zum Rathaus marschiert sind. „Wir haben vorab 100 Teilnehmer bei der Polizei angemeldet. Aber es sind auf jeden Fall mehr. Man hat das Gefühl, Teil von etwas ganz Großem zu sein.“ Der Zwölftklässler sei vor allem dankbar, dass es möglich gewesen sei, Schüler beider Gymnasien für eine gemeinsame Sache zu gewinnen. „Zwischen unseren Schulen herrscht ja eine gewisse Rivalität. Es ist toll, dass für den Klimaschutz alle zusammenhalten.“

Traurig sei er allerdings über negative Kommentare, die im Vorfeld auf der Facebook-Seite des SauerlandKurier zu lesen waren: „Als Schüler würde ich auch mitgehen. Das macht mehr Spaß als Unterricht. Und das alles unter dem heiligen Schein ,Wir tun was für die Umwelt’“, kritisiert eine Userin. „Schulpflicht? Können die das nicht in ihrer Freizeit machen?“, echauffiert sich ein anderer Facebook-Nutzer. „Ein Streik während der Schulzeit tut der Politik einfach viel mehr weh“, so der Schüler. Er bedauere, dass ältere Menschen oft sagten, dass Jugendliche nur mit ihren Handys beschäftigt seien und sich für Politik nicht interessierten. „Wenn man dann mal auf die Straße geht, dann ist das auch nicht richtig.“

Klimastreik in Meschede

Von Politikverdrossenheit ist bei den Teilnehmern des Klimastreiks keine Spur. Dass das aber nicht bei allen jungen Menschen so ist, weiß Marcel Macron allerdings als aktives Jusos-Mitglied sehr wohl. „Viele interessiert Politik und Klimawandel einfach nicht, damit muss man leben. Wir wollen daher auch niemanden zwingen, etwas für die Umwelt zu tun. Wir wollen lieber überzeugen.“ 

Und das wollen sie höchstwahrscheinlich auch weiterhin in Form von Streiks, friedlich und lautstark. Bereits für kommenden Freitag wird eine neue Demonstration in Erwägung gezogen. „Da ist Zeugnisausgabe und daher nach der zweiten Schulstunde schulfrei. Wir würden also nach dem Unterricht auf die Straße gehen. Vielleicht beruhigt das ja einige Gemüter.“

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