Für den guten Zweck

Mit dem „Schummelrad“ nach Berlin: Opa fährt 700 Kilometer zur Einschulung seines Enkels 

Ein unschlagbares Trio: „Opa Jupp“ Josef Liese, sein Enkel Julius und sein „Schummelrad“, das den 69-Jährigen rund 700 Kilometer zur Einschulung seines Enkels nach Berlin/Gatow führen soll.
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Ein unschlagbares Trio: „Opa Jupp“ Josef Liese, sein Enkel Julius und sein „Schummelrad“, das den 69-Jährigen rund 700 Kilometer zur Einschulung seines Enkels nach Berlin/Gatow führen soll.

Zehn Tage, 700 Kilometer und das alles im rüstigen Alter von 69 Jahren – wenn sich der Mescheder Josef Liese am kommenden Dienstag auf seinen Sattel schwingt, dann steht ihm eine abenteuerliche Zeit bevor.

Marsberg/Meschede/Berlin – Denn der gebürtige Marsberger, der seit über 30 Jahren in Meschede lebt und von seinen Enkelkindern liebevoll nur „Opa Jupp“ genannt wird, hat sich vorgenommen, mit dem E-Bike von seiner Heimatstadt aus nach Berlin/Gatow zu radeln, um dort der Einschulung seines Enkels Julius beizuwohnen. Zudem verbindet er seine Reise mit einem guten Zweck.

Dabei hatte Josef Liese während der Corona-Krise im vergangenen Jahr seinem Enkel eigentlich eher beiläufig versprochen, zu dessen Einschulung im kommenden Jahr mit dem Fahrrad anzureisen statt bequem mit dem Auto. Doch Opa Jupp wäre nicht Opa Jupp, wenn er nicht zu seinem Wort stehen würde. „Mit der Reise nach Berlin will ich nicht nur das Versprechen gegenüber meinem Enkelkind einlösen, sondern zusätzlich auch einen guten Zweck damit verbinden“, erläutert der vitale 69-Jährige im Gespräch mit dem SauerlandKurier.

Spenden sammeln für die Anschaffung von Luftfiltern an Grundschule

So soll dem Förderverein der „Freunde der Grundschule am Windmühlenberg“ in Berlin Gatow – der Grundschule seines Enkels – eine Spende zukommen. Denn in der Pandemie ist dieser auf eine solche angewiesen, um die dringend benötigten neuen Luftfilter und entsprechenden Geräte für einen möglichst sicheren und sorgenfreien Schulstart anzuschaffen. „Ich möchte dazu beitragen, dass letztlich alle Kinder in Gatow einen tollen Schulbeginn feiern und künftig unbeschwert zusammen lernen können“, begründet Josef Liese sein ebenso kurioses wie vorbildliches Vorhaben.

Dafür habe er bereits im Vorfeld kräftig die Werbetrommel gerührt und neben lokalen Partnern auch andere Familienangehörigen eingebunden. Selbst die Uroma Gerda (90) aus Landscheid (Eifel/Mosel), sowie die anderen Großeltern aus Landscheid beteiligten sich mit einer Geldspende. „Zum Einschulungstag möchte ich dann dem Förderverein der Grundschule am Windmühlenberg die Spende übergeben“, so Opa Jupp, der bereits von Kindesbeinen an begeisterter Radfahrer ist und in gemeinsamen Urlauben mit seiner Frau durchaus auch schon 400 bis 450 Kilometer im Sattel zurückgelegt hat. Die 700 Kilometer in Richtung Hauptstadt sind aber auch für den Mescheder eine neue Herausforderung. Immer dabei – sein „Schummelrad“, wie der 69-Jährige sein E-Bike liebevoll und augenzwinkernd nennt.

Los geht es am 3. August

„In jungen Jahren wäre ich einfach mit dem Fahrrad losgefahren, aber wenn man so langsam auf die 70 Jahre zugeht, muss so eine Tour im Vorfeld schon gut geplant sein, ganz besonders in Zeiten der Corona-Pandemie. Als durchschnittliche Tagesleistung habe ich mir rund 60 Kilometer vorgenommen, für die gesamte Strecke insgesamt zehn Etappen eingeplant“.

Los geht es am 3. August von Meschede aus ein Stück auf dem Ruhrtal-Radweg, ab Marsberg dann weiter auf den Diemel-Radweg bis nach Bad Karlshafen an der Weser. Von dort weiter auf dem idyllischen Weser Radweg und ab Höxter auf den bekannten Radweg R1 „Deutsche Einheit“ bis nach Berlin, um rechtzeitig an der Einschulungsfeier am 14. August in Berlin teilzunehmen.

Ich hoffe nur, dass die anderen drei Enkelkinder nicht den gleichen Wunsch haben, denn dann müsste ich auch in den Folgejahren noch einmal von Meschede mit dem Rad nach Berlin und zweimal nach Hamburg.

„Opa Jupp“ Josef Liese

Vor Ort trifft er dann auch seine Frau und den Rest der Familie, denn diese sind bereits seit einigen Tagen in Berlin. Josef Liese im Übrigen auch – denn zur unmittelbaren Vorbereitung auf sein Abenteuer hat er sich – ausgerechnet – eine Radtour rund um die Berliner Seen auserkoren.

„Ja, in der Tat – ich fahre dann kurz vor Tourstart von Berlin zurück nach Meschede. um dann ab 3. August mit dem Schummelrad wieder nach Berlin zu fahren. Das ist schon ein wenig schizophren“, räumt der sympathische Sauerländer lachend ein.

Für seinen Enkel Julius nehme er selbst das aber gerne in Kauf. Opa Jupp vor dem Start schmunzelnd: „Ich hoffe nur, dass die anderen drei Enkelkinder nicht den gleichen Wunsch haben, denn dann müsste ich auch in den Folgejahren noch einmal von Meschede mit dem Rad nach Berlin und zweimal nach Hamburg.“

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