HSK mit Vorreiterrolle in Südwestfalen

Mobile Retter sollen Überlebenschancen bei Herz-Kreislauf-Stillstand verbessern

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Im Beisein Vertretern des Mobile Retter e.V. und der Hilfsorganisationen und Rettungseinheiten des HSK gab Landrat Dr. Karl Schneider am Dienstag den Startschuss für das "Mobile Retter"-System im HSK.

Meschede/Hochsauerland - Die Zahlen sind alarmierend: Etwa 100.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich einen Herz-Kreislauf-Stillstand, 75.000 werden reanimiert, allerdings nur 5.000 davon erfolgreich. Ein Grund: Mit einer durchschnittlichen Eintreffzeit von neun Minuten kann der Rettungsdienst die Wiederbelebungsmaßnahmen häufig nicht mehr rechtzeitig einleiten. Genau hier setzt das System der „Mobilen Retter“ an. Der Hochsauerlandkreis möchte dabei eine Vorreiterrolle für ganz Südwestfalen übernehmen.

Es war ein symbolträchtiger Akt, den Dr. Karl Schneider am Dienstagmorgen in der Fahrzeughalle des Zentrums für Feuerschutz und Rettungswesen in Meschede-Enste vollführte. Mit der Betätigung des roten Knopfes gab der Landrat den Startschuss für die Live-Schaltung eines neuen Alarmierungssystems, was als zusätzliche Hilfe zur bisherigen Rettungskette ab sofort im Hochsauerlandkreis in Betrieb genommen wird. 

„Jede Sekunde zählt, denn es kann jeden Treffen“ lautet dabei das Motto der App „Mobile Retter“, die bisher in 22 Kreisen und kreisfreien Städten deutschlandweit zur Anwendung kommt. „Als erster Kreis in Südwestfalen nimmt der Hochsauerlandkreis das System Mobile Retter mit dem heutigen Tage in Betrieb. Damit sorgen wir für eine sinnvolle medizinische Ergänzung des bisherigen Rettungsdienstes“, betonte Dr. Karl Schneider.

Die entscheidenden fünf Minuten

Mobile Retter ist ein Smartphone-basiertes Alarmierungssystem für qualifizierte Ersthelfer. Ehrenamtliche, qualifizierte Retter werden über die Mobile Retter-App alarmiert und können als Ergänzung zur Rettungskette bei einem Notfall in ihrer Nähe schnell Erste Hilfe leisten. Entwickelt wurde das System Anfang 2014 von der gemeinnützigen Initiative Mobile Retter e.V., die seit 2019 mit der renommierten Björn-Steiger-Stiftung kooperieren. Geschäftsführer Stefan Prasse erklärte: „Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand gibt es einen Zeitraum von drei bis fünf Minuten, bis irreversible Hirnschäden entstehen. Im Durchschnitt benötigt der Rettungsdienst neun Minuten, bis er am Ort des Geschehens eintrifft. Bei den bisher absolvierten über 7.200 Einsätzen der über 17.000 bundesweit registrierten Mobilen Retter haben wir eine durchschnittliche Eintreffzeit von 4:33 Minuten. Damit kann noch im kritischen Bereich eine qualifizierte Erstversorgung geleistet werden.“ Bis zu 10.000 Menschenleben könne man in Deutschland mit einer derartigen flächendeckenden medizinischen Erstversorgung retten, so Prasse. Bisher sei man noch darauf angewiesen, dass bei einem internistischen Notfall zufällig ein qualifizierter Ersthelfer vor Ort sei. „Mit dem System helfen wir sozusagen diesem Zufall auf die Sprünge.“

GPS-Ortung ermöglicht schnelles Eingreifen

Denn die GPS-Komponente des eigenen Smartphones ortet diejenigen Ersthelfer, die sich in unmittelbarer Nähe zum Notfall befinden. Diese (im Normalfall fünf, zwei von ihnen erhalten den Einsatzauftrag) werden dann vom Disponenten in der Rettungsleitstelle im Falle eines Herz-Kreislaufstillstands oder eine Bewusstlosigkeit ebenso alarmiert wie der „normale“ Rettungsdienst. Nimmt der Mobile Retter die Anfrage auf seinem Smartphone an, bekommt er Details wie Ort, Wegbeschreibung und Art des Notfalls übermittelt. Vor Ort kann er mit adäquaten Erste-Hilfe-Maßnahmen die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken. Schließlich handele es sich, so betonte auch Mobile Retter-Geschäftsführer Stefan Prasse, bei der App um eine „effektive Ergänzung“, keinesfalls um einen Ersatz der bisherigen Rettungskette. Auch die im HSK bewährten „First Responder“, die mittlerweile mit Defibrillatoren ausgestattet ebenfalls als Ersthelfer am Einsatzort eintreffen, sollen von den Mobilen Rettern unterstützt werden.

System lebt von ehrenamtlichen Ersthelfern

Das System lebt von ehrenamtlichen Ersthelfern, die sich dafür registrieren. Wichtig ist, dass eine medizinische Vorbildung vorliegen muss, „Die Einsätze können selbst für ,Profi-Ersthelfer‘ sehr belastend sein, zudem geht es um eine adäquate psychosoziale Einsatznachsorge“, erklärte Stefan Prasse die Einschränkung. Grundsätzlich können sich nun alle Angehörigen von Hilfsorganisationen, Ärzte, Rettungsdienstmitarbeiter, Feuerwehrleute, Gesundheits- und Krankenpfleger oder Einsatzersthelfer (Alpha/Bravo) Mobiler Retter werden. Einfach die App herunterladen, registrieren und für ein etwa dreistündiges Training anmelden, dass ortsnah in Zusammenarbeit mit den lokalen Einsatzkräften angeboten wird. Im Oktober wird dies zu folgenden Zeiten angeboten: 

  • Samstag, 12.Oktober, 9.30 Uhr, Malteser Hilfsdienst e.V., Ruhrstraße 74, 59821 Arnsberg 
  • Montag, 14.Oktober, 18 Uhr, DRK Meschede, Kolpingstraße 11, 59872 Meschede 
  • Mittwoch, 16.Oktober, 18 Uhr, DRK Unterkunft Marsberg, Brombergweg 27a, 34431 Marsberg 
  • Mittwoch, 16.Oktober, 19.30 Uhr, ASB Auf der Heide 6, Sundern-Hellefeld 
  • Montag, 21.Oktober, 19 Uhr, Bergwacht Winterberg, Schulstraße 10, 59955 Winterberg 
  • Donnerstag, 24.Oktober, 18 Uhr, DRK Brilon, Freiladestraße 3, 59929 Brilon

Im Anschluss daran ist der Mobile Retter alarmierungsbereit.

Die bisherige Rettungskette wird durch die Mobilen Retter effektiv ergänzt.

Mit 270 alarmierbaren Mobilen Rettern startet das Projekt im HSK, 400 haben sich insgesamt bereits registriert, 130 müssen aber noch das Training absolvieren. „Nachholbedarf gibt es noch in den ländlichen Bereichen“, ordnet Frank Wegener, Projektleiter Mobile Retter für den HSK, die aktuellen Zahlen ein. Über 500 alarmierbare Ersthelfer, also zwischen 2 und 3 Prozent der Einwohner des HSK, seien das zunächst gesteckte Ziel.

"Starke Überlebenskette bilden"

„Ich glaube, wir werden auch die 1.000 relativ problemfrei erreichen“, zeigt sich Karsten Müller, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes überzeugt. Er selbst spricht von etwa 200 Fällen von Herz-Kreislauf-Stillstand, die im HSK jährlich vorkommen. Mit Hilfe der Mobilen Retter erhofft er sich, dass die aktuelle Rettungskette zu „einer starken Überlebenskette“ werde. „Ich bin überzeugt davon, dass wir die Überlebenswahrscheinlichkeit und Überlebensqualität verbessern können.“

Davon zeigt sich auch Lothar Wrede, Präsident des DRK Kreisverbandes Altkreis-Meschede überzeugt: Die Ausbildung von ehrenamtlichen Kräften in der Herz-Lungen-Wiederbelebung mit dem Ziel Menschenleben zu retten, sei eine „Kernaufgabe“ des DRK. Deshalb habe man bereits in der Aufbauphase aus Überzeugung über 100 mobile Retter geschult.

Das „Retten“ stehe im Motto „Retten - Löschen - Bergen -Schützen“ auch für die Feuerwehr ganz oben, erklärte wiederum Michael Stratmann, Geschäftsführer des Feuerwehrverbandes. „Was liegt da näher, als die Initiative Mobile Retter zu unterstützen?“ 

Weitere qualifizierte Ersthelfer gesucht

Einen flammenden Appell richtete Volker Wachholz, selbst Mobiler Retter, an die Öffentlichkeit: „Wir versuchen hier, mit technischen Hilfsmitteln ein gesellschaftliches Problem zu lösen. Was gibt es für ein wichtigeres Ziel, als Menschen in Not zu helfen? Es könnte jeden meiner Nachbarn zuhause treffen, ohne dass ich davon erfahre und helfen könnte, obwohl ich mich in unmittelbarer Nähe befinde. Deshalb kann ich nur jeden ermutigen, sich als Mobiler Retter unter den gegebenen Voraussetzungen registrieren zu lassen.“

Eine Botschaft, der sich Landrat Dr. Karl Schneider nur anschließen konnte: „Ich danke allen mobilen Rettern, die sich schon haben schulen lassen und hoffe auf viele weitere qualifizierte Ersthelfer.“

Alle Infos und Hintergründe gibt es auf der Homepage des HSK und bei den Mobilen Rettern.

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