Frischzellenkur für Landärzte 

Neue Kampagne soll Mediziner zur Rückkehr ins Sauerland animieren

+
Die drei Medebacher Ärzte Michael Wessing, Tim Henning-Förster und Sven Böttcher stehen im Mittelpunkt der Kampagne „Lebensmodell Landarzt“ des Projektes Heimvorteil HSK der Wirtschaftsförderung Hochsauerland.

Meschede/Hochsauerland. Die neue Kampagne „Lebensmodell Landarzt“ des Projektes Heimvorteil HSK der Wirtschaftsförderung Hochsauerland zielt genau auf diese Problematik ab, den ländlichen Raum für Studenten oder junge Ärzte interessanter zu machen. Mit ihrer multimedialen Kampagne werden Exil-Sauerländer gezielt über Facebook, XING, youtube, der Plattform von Doktor-Job sowie anderen Medien angesprochen, nach ihrem Studium in das Land der tausend Berge zurückzukehren.

„In unserer Kampagne erzählen die drei jungen Ärzte Michael Wessing, Tim Henning-Förster und Sven Böttcher aus Medebach ihre Geschichte unter den Gesichtspunkten, was ihre Heimat für sie so interessant macht und warum sie zurückgekommen sind. Damit wollen wir einen Impuls geben, die gesundheitliche Versorgung auf dem Land zu sichern. Gleichzeitig ist es uns wichtig, das Image des Landarztes in ein anderes Licht zu rücken um damit ehemalige Sauerländer zu bewegen, zurückkehren“, erläutert Projektleiterin Sandra Schmitt von der Wirtschaftsförderung Hochsauerland.

Die Ausgangssituation für das Projekt „Lebensmodell Landarzt“ sieht zusammengefasst wie folgt aus: Jeder dritte Sauerländer zwischen 18 und 25 Jahren verlässt die Heimat um eine Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren. Heimvorteil HSK möchte dieser Landflucht entgegenwirken und vor allem jungen Medizinern die Vorteile des Sauerlandes näherbringen.

Freie Zeiteinteilung für jeden Patienten etwa, mehr Muße für die Familie oder auch eine hervorragende Perspektive als Team etwas aufzubauen sowie viele Freizeitmöglichkeiten im Sauerland- das zumindest beflügelte die drei jungen Ärzte aus Medebach bei dem Projekt „Lebensmodell Landarzt“ mitzuwirken und insgesamt 15 Kurz-Videos zu drehen, um dem Ärztemangel in der ländlichen Region entgegenzuwirken.

„Beruf des Landarztes ist nicht verstaubt“

„Zuerst war mir nicht klar ob ich zurückkehre, da die Ärzte auf dem Land früher Tag und Nacht angerufen wurden. Das Dienstsystem hat sich jedoch fundamental geändert und wurde auf das gesamte Sauerland vergrößert. Das hat den Ausschlag gegeben, in die Praxis meines Vaters in Medebach einzusteigen“, berichtet beispielsweise Tim Henning-Förster, Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirotherapie, manuelle Medizin und Rettungsmedizin, von seinen Beweggründen für eine Rückkehr ins Sauerland.

„Für mich war es ein Prozess. Ich brauchte einen Hausarzt als ich in Frankenberg im Krankenhaus arbeitete. Ich bekam Tim als Hausarzt und der schilderte mir die Vorteile eines Landarztes. Also entschloss ich mich unter Förster senior und junior zu arbeiten und meinen Facharzt zu machen. Hinzu kam noch der Aspekt ein bezahlbares Haus am Waldrand für meine Familie zu haben “, blickte Michael Wessing wiederum auf seine Geschichte zurück.

„Durch die starke Belastung in der Klinik hat man nie Feierabend. Für mich kam das Angebot zur richtigen Zeit, in der Sauerlandpraxis in Medebach zu hospitieren. Die Bedingungen sind ganz anders als erwartet. Da gibt es keine alte Medizin, obwohl das stereotype Denken häufig noch vorherrscht. Der Beruf des Landarztes ist nicht verstaubt. Wir können viele Untersuchungen wie in der Klinik durchführen, und das bei freier Zeiteinteilung“, brachte Sven Böttcher die Vorteile aus seiner Sicht auf den Punkt.

In Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Hochsauerland unterstützt auch Doktor-Job die Kampagne. „Wir haben die gleichen Zielvorstellungen wie das Projekt Heimvorteil HSK. Wir bieten fünf Stipendiate pro Jahr, um junge Mediziner zu animieren sich in der ländlichen Region, als Arzt niederzulassen. Mit 500 Euro monatlich fördern wir Studenten und verpflichten sie gleichzeitig damit, nach der Approbation für die Zeit der Förderung im Sauerland zu arbeiten“ erläuterte Dr. Peter Kleeschulte, Vorsitzender von Doktor-Job, den parallelen Grundgedanken der beiden Initiativen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare