Gutachten bringt Wende

Gericht befindet 76-jährige Stalkerin von Pfarrer für "voll schuldfähig" - Urteil überrascht

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Im Gerichtssaal zeigte sich die 76-Jährige wie schon der Vergangenheit verhüllt mit Schal und Hut.

Meschede/Freienohl - Großes Medieninteresse am Montagmorgen im Amtsgericht Meschede - schließlich wurde dem aufsehenerregenden Prozess um eine 76-Jährige, die dem katholischen Pfarrer Michael Hammerschmidt aus Freienohl seit über 18 Jahren nachstellt, ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Es ging um die Zurechnungs- und damit die Schuldfähigkeit der Angeklagten. Am Ende steht das Urteil: 9 Monate auf Bewährung.

Der Richterspruch ist das erste strafrechtliche Urteil gegen die 76-Jährige, in dem sie als schuldfähig angesehen wird. Bei allen vorherigen Prozessen - selbst vor dem Oberlandesgericht - kamen die Richter stets zu dem Schluss, dass die Stalkerin abgesehen von einer zwischenzeitlichen Unterbringung in der Psychiatrie unzurechnungsfähig und damit schuldunfähig ist. 

Die Wende im heutigen Prozess kam aufgrund eines neuen Gutachtens von Dr. Josef Leßmann, langjähriger Ärztliche Leiter der LWL-Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Warstein und anerkannter Fachmann auf seinem Gebiet, ins Rollen. Leßmann, der seit 2005 bereits sechs Gutachten über die Frau und zahlreiche Tests veranlasst hat, stellte zwar eine leichte Persönlichkeitsstörung, aber keine kognitiven Einschränkungen fest - die Frau sei voll schuldfähig, so sein Fazit, dem sich der zuständige Richter in seinem Urteil anschloss. Die Staatsanwaltschaft hatte unterdessen ein Jahr und sechs Monate "wohlwollend" auf Bewährung gefordert, die Verteidigung hingegen plädierte auf Freispruch. 

Für Pfarrer Michael Hammerschmidt ist das Urteil immerhin ein Teilerfolg. Denn neben den neun Monaten auf Bewährung soll sich die Frau ebenfalls in Therapie begeben und sich dem Pfarrer nicht mehr nähern dürfen. Dennoch bleibt die Dame bis auf Weiteres auf freiem Fuß. Somit bleibt abzuwarten, ob der Pfarrer auch weiterhin damit rechnen muss, mit Anrufen, SMS oder E-Mails seiner Verehrerin bombardiert zu werden oder fast täglich Reizwäsche, Liebesbriefe oder Phallus-Symbole in seinem Vorgarten vorzufinden. 

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