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„Nur noch Haut und Knochen“: Drei Kaninchen ausgesetzt, eines hat nicht überlebt

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Von: Daniela Weber

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Kaninchen Schmallenberg
Ein Fund, der traurig macht: Eine Frau hat zwischen Bad Fredeburg und Ebbinghof insgesamt drei unterernährte Kaninchen gefunden. © Privat

„Sie waren nur noch Haut und Knochen“ – so beschreibt Nicole Hielscher von der Wildtierhilfe Sauerland mit trauriger Stimme drei Kaninchen, die am Dienstag zwischen Bad Fredeburg und Ebbinghof gefunden wurden. Eines der kleinen Schlappohren ist mittlerweile verstorben.

Meschede/Schmallenberg - Die kleinen Schlappohren waren mit einer großen Menge Trockenfutter ausgesetzt worden. In einem „katastrophalen Zustand“ – unterernährt, verdreckt mit Kot und Urin und krustigen Läufen – fand eine Frau die vermutlich erst wenige Monate alten Tiere und kontaktierte daraufhin die Wildtierhilfe Sauerland.

Meschede Tierheim
Eines der beiden überlebenden Kaninchen: Die Tierpfleger im Tierheim Meschede versuchen derzeit die Tiere aufzupäppeln. © Tierheim Meschede

Die Frau war mit ihrem Hund spazieren, der die Langohren witterte und eines der Tiere „apportierte“. Das Kaninchen starb trotz schneller Handlung der Finderin und sofortigem Einsatz beim Tierarzt später im Tierheim Meschede, wo die Tiere jetzt untergebracht sind.

Finderin schildert Fund der Kaninchen

So schildert die Finderin den Fund am Ende ihrer Gassirunde: „Mein 14-Jähriger Golden Retriever ist dann ins Gebüsch abgebogen und hat instinktiv oder rassetypisch eines der Kaninchen apportiert, nicht gerissen. Dadurch erst haben meine Freundin und ich die anderen Kaninchen und diesen frischen Futterberg entdeckt.“

Dass es eines der Tiere nicht geschafft hat, tut mir in der Seele weh. Noch mehr, die Vorstellung, wie viele solcher armen Geschöpfe in irgendwelchen Haushalten dahin vegetieren und leiden müssen, sei es durch Unwissenheit oder mangelnde Empathie.

Finderin der Kaninchen

Die Freundin habe zunächst den Tierschutzverein Schmallenberg kontaktiert, der die beiden dann an die Wildtierhilfe Sauerland verwiesen habe. „Alle drei Kaninchen wurden mithilfe einer weiteren Freundin in Wäschekorb und Decken eingepackt und das völlig unter Schock stehende, vom Hund gepackte Tier wurde direkt durch eine weitere Freundin zum Tierarzt gebracht. Sie hat dann auch die anfallenden Kosten beim Tierarzt in Höhe von 50 Euro übernommen.“

Die Finderin dankt allen beteiligten Helfern für die schnelle Notversorgung und bedauert, dass eines der Kaninchen es nicht geschafft hat. „Dass es eines der Tiere nicht geschafft hat, tut mir in der Seele weh. Noch mehr, die Vorstellung, wie viele solcher armen Geschöpfe in irgendwelchen Haushalten dahin vegetieren und leiden müssen, sei es durch Unwissenheit oder mangelnde Empathie.“

Die Finderin macht sich Vorwürfe. Aber das muss sie nicht. Weder sie noch den Hund trifft irgendeine Schuld. Denn es ist fraglich, ob das Kaninchen überhaupt überlebt hätte. Sie und ihr Hund haben den anderen beiden Kaninchen das Leben gerettet. Hätte der Hund sie nicht gefunden, hätte der Fuchs sich über die Tiere hergemacht.

Nicole Hielscher, Wildtierhilfe Sauerland

Die Wildtierhilfe Sauerland hat eine wichtige Botschaft für die Finderin: „Die Finderin macht sich Vorwürfe. Aber das muss sie nicht. Weder sie noch den Hund trifft irgendeine Schuld. Denn es ist fraglich, ob das Kaninchen überhaupt überlebt hätte. Sie und ihr Hund haben den anderen beiden Kaninchen das Leben gerettet. Hätte der Hund sie nicht gefunden, hätte der Fuchs sich über die Tiere hergemacht“, betont Nicole Hielscher mit Nachdruck.

Kein Verständnis für Besitzer

Eigentlich kümmert sich die Wildtierhilfe Sauerland - wie der Name schon sagt - nur um Wildtiere. Dementsprechend musste Nicole Hielscher zunächst schauen, wie sie den Kaninchen überhaupt helfen kann. „Ich habe der Finderin gesagt, dass ich erst einmal beim Tierheim Meschede nachfragen muss, ob dort noch Kaninchen aufgenommen werden können. Zum Glück hat das geklappt.“

Als Hielscher die kleinen Tierchen zum ersten Mal sah, blutete ihr Herz. „Ich verstehe nicht, wie man Tiere so behandeln kann. Futter scheint ja auch genug vorhanden gewesen zu sein, schließlich wurden die Kaninchen ja mit einer großen Menge Trockenfutter ausgesetzt.“ Die Tierliebhaberin ist nun zuversichtlich, dass die beiden überlebenden Tiere im Mescheder Tierheim wieder zu Kräften kommen.

Aufpäppeln im Tierheim Meschede

Im Tierheim Meschede päppeln die Tierpfleger die beiden verbliebenen Kaninchen nun mit Saaten, Nüsschen und viel Liebe auf. „Es geht darum, dass die Kaninchen an Gewicht zulegen und ihre Wunden versorgt werden“, erklärt Emily Thies, tiermedizinische
Fachangestellte im Team des Tierheims, die davon ausgeht, dass die kleinen Schlappohren „über den Berg“ sind. Ziel sei es, bald ein neues, schönes und sicheres Zuhause für die kleinen Tiere zu finden.

Tierheim Meschede
Die Tierpfleger im Tierheim sind entsetzt: Die Kaninchen weisen zahlreiche Wunden am Körper auf. © Tierheim Meschede

Das Tierheim Meschede freut sich über Unterstützung, um die Kosten für die Verpflegung der Tiere zu sichern: „ Sie müssen erstmal aufgepäppelt werden und dann geimpft und kastriert. Wir sind bei den Arztkosten für jede Unterstützung sehr dankbar“, so Thies abschließend.

Kontakt Tierheim Meschede

Wer das Tierheim Meschede unterstützen möchte, kann sich per Telefon unter Tel. 0291 / 1776 oder per Email an
tierheim@tierschutzverein-hsk.de an das Tierheim wenden. Weitere Informationen gibt es unter https://www.tierschutzverein-hsk.de/.

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