Mahnmal der Erinnerung

Obelisk am Mescheder Franzosenfriedhof wird restauriert

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Dr. Marcus Weidner (LWL, re.) und Reinhard Paul (Stadt Meschede, li.) machten sich ein Bild von den Arbeiten auf dem Franzosenfriedhof.

Meschede - Fast versteckt stand er bisher umgeben von dichtem Gebüsch im hinteren Teil des Franzosenfriedhofs: Der Obelisk, der an die sowjetischen Kriegstoten erinnert, wird derzeit restauriert. Die Fugen zwischen den einzelnen Elementen werden gefüllt, abgebrochene Stellen ausgebessert. Einzig die Metallfahne an der Spitze, in der die Abkürzung „CCCP“ für „UdSSR“ eingelassen war, bleibt verschwunden. Sie wurde offenbar aus politischen Gründen während des „Kalten Kriegs“ 1964 beseitigt, bevor der Obelisk auf den Mescheder Friedhof versetzt wurde.

Ursprünglich stand der Obelisk, auf dem in kyrillischen Buchstaben, an den Seiten auch auf Englisch und Deutsch, an die sowjetischen Kriegstoten erinnert wird, ab Mai 1945 auf einem Gräberfeld in Suttrop. Dort waren 57 polnische und sowjetische Opfer eines Massakers beerdigt worden, das in der Kriegsendphase 1945 an ihnen verübt worden war. 1964 wurde die Stele umgesetzt auf den Waldfriedhof Fulmecke in der Waldstraße in Meschede.

Im Zuge der Umgestaltung der Kriegsgräberstätte, auf der insgesamt 389 Männer und Frauen begraben sind, werden Schäden an der Stele ausgebessert. Das Grün wurde soweit zurückgeschnitten, dass Besucher des Friedhofs um den Obelisken herum gehen können, um die Inschrift auch auf Deutsch lesen zu können. Wie Reinhard Paul vom Friedhofsamt der Stadt Meschede betont, laufen die Planungen für die komplette Umgestaltung des Franzosenfriedhofs und eine zeitgemäße Erinnerungskultur weiter. Die Sanierung des Obelisken sei ein erster Schritt, finanziert durch Spenden und Mittel des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Erinnerung an das Schicksal der ermordeten Zwangsarbeiter

Der Franzosenfriedhof war einst der Friedhof für im ehemaligen Lager Meschede während des Ersten Weltkriegs verstorbene Kriegsgefangene – zumeist Franzosen, aber auch belgische, italienische, polnische und russische Tote. Nach dem Krieg wurden die meisten west- und südeuropäischen Verstorbenen in ihre Heimatländer oder auf zentrale Grabstätten in Deutschland überführt. Zurück blieben die Gräber von 116 russischen Toten und vermutlich einem Rumänen. In der NS-Zeit wurde der Friedhof wieder geöffnet. Dort fanden polnische und sowjetische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ihre letzte Ruhe, die unter anderem an ihren zum Teil unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen gestorben waren.

Der nun restaurierte Obelisk erinnert an das Schicksal der insgesamt 208 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus Polen und vor allem aus der Sowjetunion, die im März 1945 an drei Stellen im Arnsberger Wald von SS- und Wehrmachtsangehörigen ermordet wurden. Die Leichen aus Eversberg wurden bereits 1947 auf dem Mescheder Friedhof bestattet. 1964 wurden 121 weitere Opfer des Massakers, die zuvor in Warstein und Suttrop bestattet gewesen waren, auf den Waldfriedhof Fulmecke überführt. Zeitgleich kam der Obelisk aus Suttrop nach Meschede. Die auf Anordnung der sowjetischen Militäradministration errichtete dreiseitige Stele zeigt auf jeder Seite den roten Sowjetstern und je einen Text auf Russisch, Englisch und Deutsch: „Hier ruhen russische Bürger, bestialisch ermordet in faschistischer Gefangenschaft. Ewiger Ruhm den gefallenen Helden des Großen Vaterländischen Krieges 1941–1945.“

Stele birgt vermutlich ein Geheimnis

„Dieser Text“, so vermutet der Historiker Dr. Marcus Weidner, Wissenschaftlicher Referent beim LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte in Münster, der sich seit einigen Jahren mit der Geschichte des Massakers und der Erinnerung an die Opfer beschäftigt, „war für die damalige Zeit, die die NS-Verbrechen vergessen oder nicht wahrhaben wollte, zu drastisch. Da man sich die Zerstörung des Obelisken offenbar nicht traute, stellte man ihn am Ende des Friedhofs mit der kyrillischen Seite nach vorn auf, die hier die wenigsten Menschen verstanden.“ Von den 208 Opfern der drei Massaker haben 201 ihre letzte Ruhestätte auf dem Franzosenfriedhof gefunden. „Sieben Leichen liegen noch im Gelände des ehemaligen Friedhofs in Suttrop“, bedauert Dr. Marcus Weidner.

Die Stele birgt vermutlich ein Geheimnis, wie Dr. Marcus Weidner, erzählt: „Angeblich liegt darin eine Flasche mit einem Schriftstück.“ Eine Kopie des Schriftstücks, die der Historiker fand, enthalte eine Vereinbarung zwischen dem damaligen sowjetischen Kommandanten und Gemeindevertretern von Suttrop, wonach der Obelisk fortan an die Verbrechen der NS-Zeit mahnen und die Unterzeichner darauf verpflichten soll, dass sich derartiges nicht wiederholt. Gesehen hat er die Flasche bislang leider nicht, ein Blick ins Innere der Stele ist aus konservatorischen Gründen nicht möglich.

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