Ohne Lenkhilfe nach Norderney

Bierkutscher der ersten Stunde, Roland Schedek, mit dem Museums-Lkw der Brauerei Veltins. Zu Beginn der 1950er-Jahre ging der Wahl-Grevensteiner mit einem Nachfolge-Typ auf Liefertour.

Er war einer der ersten in der Geschichte der sauerländischen Brauerei Veltins. Als 20. Mitarbeiter wurde Roland Schedek am 1. Dezember 1952 vom damaligen Braumeister persönlich als "Bierkutscher" eingestellt. Kurz darauf lernte er dann auch Clemens Veltins kennen und durfte für ihn viele Chauffeurdienste übernehmen.

Der Lohn war für damalige Verhältnisse nicht schlecht: "1,79 Mark plus 5 Mark Weihnachtsgeld bekamen wir, das war mehr als ich gewohnt war", erzählt der gebürtige Braunauer. Schedek wurde am 9. März 1934 im Sudetenland geboren, was damals noch zur Tschechoslowakei gehörte. In Nachkriegszeiten packte ihn jedoch die Abenteuerlust und so verschlug es ihn zusammen mit seinem guten Freund Hans Wiegand ins Sauerland. Hier wollten die beiden eigentlich erst einmal nur Geld verdienen. Dass er für immer bleiben würde, hätte Schedek damals nie gedacht.

Als die Wirtschaftswunderjahre noch in den Kinderschuhen steckten, war er als gelernter Schlosser bei der Brauerei Veltins gern gesehen. Damals war alles anders - und vor allem mühseliger. Das Bier musste noch eigenhändig in riesigen 50 oder 100 Liter fassenden Holzfässern von der Brauerei zu den Gastronomen der Region und in den Ferngebieten geliefert werden. Während Veltins Pilsener heute von Getränkefachgroßhändlern vertrieben wird, mussten Schedek und seine Kollegen das Bier selbst auf die Wagen bugsieren und die Wirte damit beliefern.

Abenteuerliche Touren

Dann ging es zu den verschiedensten Kunden. Diese Touren mit dem alten Mercedes waren oft "abenteuerliche Reisen, bei denen wir bei Wind und Wetter auch mal bis nach Norderney liefern mussten", erzählt Roland Schedek schmunzelnd. Dann wurde mit dem umgerüsteten Feuerwehrwagen durchgefahren, am Zielort eine kleine Bierpause eingelegt und danach ging es auch schon wieder zurück ins Sauerland. Hier musste das damals noch selbst kassierte Geld der Kunden abends abgeliefert werden.

Auch die Touren innerhalb des Sauerlands und dem Ruhrgebiet waren nicht weniger spektakulär. "In jedem Wirtshaus bekam man ein Bier und wenn man dann abends 20 Kunden beliefert hatte, naja - dann hatte man auch eine ähnliche Anzahl Bier getrunken", lacht Schedek. Damals, so erzählt er weiter, habe das aber noch niemanden interessiert, "das war eben so." Roland Schedek arbeitete an sieben Tagen der Woche als Fahrer und Chauffeur der Familie Veltins. "Ich war ein Allrounder, ich reparierte Fässer und fuhr anschließend zu den Kunden", so Schedek weiter. Der Wahl-Grevensteiner lernte die Arbeit in der Brauerei kennen und lieben und war bis 1997 für sie im Dienst.

Harte aber spannende Arbeit

Heute hat Schedeks Sohn Martin seine Aufgabe als Fahrer übernommen. Und auch seine Frau arbeitete schon in der Flaschenabfüllung des Unternehmens. Rückblickend erinnert sich Schedek gern an die Zeit als Bierkutscher zurück. "Die Arbeit war zwar körperlich sehr anstrengend, hat aber auch unheimlich viel Spaß gemacht."

Den Bierkutschern wurde in der Brauerei nicht so schnell langweilig, denn der in den Nachkriegsjahren eigens von Clemens Veltins errichtete Fuhrpark mit dem urigen Mercedes war ein Highlight für sich. Diesen durfte auch Roland Schedek eigenhändig fahren. "Ohne Lenk- und Bremshilfe hatte man abends auch schnell mal Muskelkater vom Fahren." Neben der Belieferung der Kundschaft, standen aber auch Abholfahrten einer Malzmühle oder eines Warmwassertanks auf dem Fahrtenplan.

Den persönlichen und warmherzigen Kontakt zur Familie Veltins ruft Roland Schedek sich immer wieder gern ins Gedächtnis. Schedek war seinerzeit schnell angekommen in Grevenstein. Der Mann mit dem freundlichen und eher untypischen Dialekt ist froh, dass er vor so vielen Jahren hierher gekommen ist, eine Familie gründen konnte und 45 Jahre lang in der Brauerei in Lohn und Brot stand.

So beschreibt er heute die Arbeit in der Brauerei: "familiär, kollegial und bestimmt nicht so hektisch wie heute. So war das damals - 1952".

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