Folgen der Trockenheit

Ohne "Milchwagen" keine Dusche: Orte im Sauerland werden mit Trinkwasser beliefert

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Der „Milchwagen“ fährt vor. Der Hochbehälter in Westernbödefeld wird zurzeit regelmäßig per Tankwagen mit frischem Trinkwasser beliefert.

Hochsauerland. Wenn sich der Tankwagen mit der Kuh am Heck auf den Weg nach Westernbödefeld begibt, dann nicht unbedingt, um dort Milch von den heimischen Bauernhöfen abzuholen. Stattdessen ist das Lebensmitteltransportunternehmen Jung aus Kirchhundem-Wirme zurzeit im Einsatz, um den dortigen Hochbehälter „Zur Krummel“ mit frischem Trinkwasser zu versorgen. Die Folgen der langen Trockenheit des Sommers haben nämlich nicht nur zu sichtbar geringen Staupegeln am Henne-, Möhne-, oder Sorpesee geführt, auch die Quellen im HSK produzieren weniger Wasser. Damit die Bewohner weiterhin duschen können, müssen Orte jetzt handeln.

Wassersparen heißt es daher zurzeit vor allem in Orten, die nicht an die städtische Wasserversorgung angeschlossen sind, sondern ihr Trinkwasser direkt aus der Umgebung beziehen und dies in Hochbehältern als Trinkwasser aufbereiten. „Wir weisen darauf hin, dass unnötige Wasserverschwendung vermieden werden sollte, aber dem sind auch Grenzen gesetzt“, erklärte Holger Hoppe, Vorsitzender des Wasserbeschaffungsverbands Westernbödefeld, im Gespräch mit dem SauerlandKurier. 

„Die Bauern brauchen für ihre Tiere jetzt auch mehr, da ihre eigenen Quellen versiegt sind.“ Aus diesem Grund werden sie zurzeit vom Netz des Wasserbeschaffungsverband Westernbödefeld versorgt. Durch die gestiegene Nachfrage stießen die Kapazitäten des Hochbehälters an ihre Grenzen. 

„Es stellte sich um den 3. Oktober herum heraus, dass die Schüttungsmengen der Quellen noch einmal deutlich zurückgegangen sind“, so Hoppe. „Man sieht den Prozess kommen, wenn weniger Wasser reinkommt als wir verbrauchen.“ Jemand vom Wasserbeschaffungsverband entscheidet dann kurzfristig, ob ein Tankwagen kommen muss. 

„Dies wird dann zügig umgesetzt. Die Stadt Schmallenberg lässt den Milchwagen befüllen und der kommt dann zu uns“, so Hoppe weiter. Neben Westernbödefeld wurden im Hochsauerlandkreis auch die Hochbehälter in Schmallenberg-Holthausen und Schmallenberg-Jagdhaus und der Rhein-Weser-Turm im Kreis Olpe von der Firma Jung beliefert. 

"Niedrigster Füllstand seit 2003" 

Einen Grund zur Sorge bei der Trinkwasserversorgung besteht für das Hochsauerland allerdings nicht. Daran ändern auch die sichtbar geringen Pegel von Henne-, Möhne-, oder Sorpesee nichts. „Es war lange Trocken und es ist schon etwas weniger als im Vorjahr“, erklärt Markus Rüdel, Pressesprecher des Ruhrverbandes, in Bezug auf die aktuellen Staumengen in den drei Seen. 

„Wir hatten Anfang Oktober den niedrigsten Füllstand seit 2003 und jetzt liegen wir sicher noch weiter darunter“, erklärt Rüdel. „Der Sorpesee ist zurzeit zu 63,5 Prozent gefüllt. Der Hennesee liegt bei 40,3 Prozent und der Möhnesee bei 44,8 Prozent.“ Einen Grund zur Sorge sieht Rüdel allerdings nicht. 

Es wird eng in der Fahrrinne. Die Folgen der Trockenheit sind auch am Hennesee sichtbar. Der Füllstand des Sees ist der niedrigste seit 2003.

Auch Jörg Fröhling, Pressesprecher der Hochsauerlandwasser GmbH, sieht die Wasserversorgung im Hochsauerland gut aufgestellt: „Das 2016 in Betrieb genommene Wasserwerk Hennesee ist eines der modernsten Wasserwerke in NRW. Diese neue Anlage verschafft der HSW Unabhängigkeit von der Ruhr und erhöht damit die Versorgungssicherheit zum Beispiel bei extrem niedrigen Wasserständen oder bei Wasserqualitätsproblemen in der Ruhr. Insofern hat der trockene Sommer für die HSW bislang auch keine merklichen Probleme für die Trinkwasserversorgung in Meschede, Olsberg und Bestwig mit sich gebracht. Um die Versorgungssicherheit perspektivisch noch weiter zu erhöhen, wird das Wasserwerk Hennesee aktuell zudem mit einer weiteren Pumpe ausgerüstet, um auch bei möglichen noch niedrigeren Wasserständen in der Hennetalsperre ohne technische Probleme Trinkwasser aufbereiten zu können.“

"Versorgung für die nächsten fünf Monate ist gesichert"

Um Trinkwasser zu den höher gelegenen Verbandsmitgliedern des Wasserverbands Hochsauerland pumpen zu können, musste die HSW allerdings sehr kurzfristig Pumpen des Verbundnetzes verstärken oder nachrüsten, so Fröhling. 

Markus Rüdel abschließend: „Die Wasserversorgung für die nächsten fünf Monate ist gesichert. Es ist ja zu erwarten, dass es bis dahin auch wieder Niederschläge gibt.“ 

Wenn es dann mal wieder über einen längeren Zeitraum hinweg regnet, braucht auch sicher der „Milchwagen“ nicht mehr den Weg ins Hochsauerland antreten, um Trinkwasser zu liefern.

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