"Auf dem richtigen Weg, aber mit Luft nach oben"

Passanten bewerten Attraktivität der Mescheder Innenstadt mit Note 2,9

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Meschede muss an einigen Stellen noch attraktiver werden, um noch mehr Besucher in die Innenstadt locken zu können. 

Meschede. Überwiegend zufriedene Gesichter gab es am Montagmorgen bei der Präsentation der Ergebnisse einer Passantebefragung zum Thema „Vitale Innenstädte“ im Mescheder Rathaus. Mit einer Bewertung der Gesamtattraktivität von 2,9 schnitt die Kreis- und Hochschulstadt exakt mit der gleichen Note ab wie bei der ersten Umfrage 2014. Was zunächst lediglich nach Stagnation klingt, erscheint bei einer detaillierten Betrachtung in anderem Licht. Deshalb zeigten sich alle Verantwortlichen auch grundsätzlich optimistisch. Fazit: Die Tendenz stimmt.

„Auch wenn die Gesamtbewertung der Kunden mit ,befriedigend‘ auf dem Niveau der Befragung von 2014 liegt, so kann man doch feststellen, dass die befragten Passanten in der Stadt durchaus signifikante Verbesserungen im Einzelhandelsangebot sowie bei bestimmten Angeboten der Gastronomie spüren“, fasste Thomas Frye von der IHK Arnsberg, die die Befragung bereits zum dritten Mal gemeinsam mit dem IfH Köln durchgeführt hat, die Ergebnisse zusammen. Dies sei vor allem vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass die Umfrage an zwei Tagen im September 2018 stattgefunden habe und somit noch vor der offiziellen Eröffnung des „heruM“.

So haben beispielsweise das Angebot der Drogeriekette Müller oder der schwedischen Modekette H&M im heruM noch keine Rolle bei der Bewertung des örtlichen Einzelhandels vor Ort finden können. Zweifellos ein Grund dafür, warum sich die befragten Passanten mehr Auswahl und Vielfalt in den Bereichen Bekleidung und Unterhaltungselektronik wünschen. Positiv dagegen fällt bereits zum damaligen Zeitpunkt die Bewertung der Lebensmittel- (2,3) und Drogerieversorgung (2,1) sowie des Buchhandels (2,5) und der Optiker (2,2) aus. Defizite werden wiederum in der Innenstadt in erster Linie bei Sport/Spiel (3,7) sowie Büro/Schreibwaren (3,9) gesehen.

"Meschede ist eine Einkaufs- und Pendlerstadt"

Auch hier dürfe man den Zeitpunkt der Befragung aber nicht außer Acht lassen, erklärte Christina Wolff als Geschäftsführerin von Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung: „Mit Bürobedarf Meyer und Spielwaren König haben zum damaligen Zeitpunkt genau in diesen Segmenten zwei Traditionsgeschäfte schließen müssen. Das hat sich sicherlich nicht gerade positiv auf die Stimmung ausgewirkt.“ Generell sei der Ist-Zustand der Stadt mit Abschluss gewerblicher (Neueröffnung des heruM), kultureller (Wiedereröffnung der Stadthalle) und infrastruktureller Maßnahmen (neue Park-and-Ride-Anlage an der Lagerstraße) zweifellos ein anderer als im September 2018 zum Zeitpunkt der Meinungserhebung. Dennoch: „Die Befragung liefert für uns sehr interessante Ergebnisse und sozusagen Basiswerte für Maßnahmen, die schon durchgeführt wurden oder gerade aktuell vonstatten gehen“, so Wolff. Wenn beispielsweise knapp 60 Prozent der Befragten angeben, wegen des Einkaufsbummels nach Meschede gekommen zu sein und ebenso viele mit Pkw oder Motorrad angereist sind, dann lasse das folgenden Schluss zu: „Meschede ist eine Einkaufs- und Pendlerstadt.“

"Wir kennen unsere Baustellen"

Diese Erkenntnis dürfte auch André Wiese als Vorsitzender der Werbegemeinschaft Meschede aktiv freuen. Auch er spürt die positive Sogwirkung, die das heruM auf die gesamte Innenstadt hat, sich aber in der vorliegenden Befragung noch nicht wiederfindet. Sei es, durch Rückmeldungen von Einzelhändlern und Gewerbetreibenden in unmittelbarer Nähe des Henne-Ruhr-Markts oder durch geplante Neueröffnungen wie etwa die des renommierten Dessousherstellers Hunkemöller in der Ruhrstraße. „Ich freu mich jetzt schon auf den diesjährigen Sommer, wenn der Winziger Platz nach elf Jahren Stillstand endlich wieder mit neuem Leben gefüllt wird. Das war schon ein hartes Brot für alle Beteiligten“, warf Wiese einen kurzen kritischen Blick zurück und einen optimistischen voraus. Aber der Werbegemeinschaftsvorsitzende weiß auch um die bestehenden Problemzonen. Im Hinblick auf Leerstandsmanagement, Kernöffnungszeiten, Gutscheinkarte und Digitalisierung verdeutlichte er: „Wir kennen unsere Baustellen und müssen versuchen, alle Kräfte zu bündeln.“ Geht es nach dem Wunsch aller Beteiligten, so könnte zu diesen Kräften künftig auch ein Citymanager gehören.

Eigener Citymanager für Meschede?

Zumindest ist dieser Posten Teil eines Antrags auf Städtebauförderung, den die Stadt Meschede Ende des Monats bei der Bezirksregierung einreichen will. Dies erklärte Stephan Rach vom Fachbereich Planung und Bauordnung der Stadt Meschede im Rahmen des Pressegesprächs am Montag. Angesiedelt sein soll er beim Stadtmarketing und der Wirtschaftsförderung. Seine Hauptaufgabe: 1-zu-1-Betreuung von Eigentümern und Interessenten in Bezug auf Sanierungsmöglichkeiten, Bauberatung oder beispielsweise der Zusammenlegung von Verkaufsflächen. Denn, so der Stadtplaner: „Es gibt schon noch an einigen Stellen Luft nach oben. Die Entwicklungen von Ruhrpromenade und Winziger Platz in allen Ehren, aber das zentrale Rückgrat der Einkaufswelt in Meschede ist nun einmal die Ruhrstraße.“ Nachdem bereits Sanierungsmaßnahmen am Von-Stephan-Platz erfolgt seien, werde man noch in diesem Jahr eine konkrete Gestaltungsplanung für den Kaiser-Otto-Platz in Angriff nehmen, sodass der Kernbereich der Innenstadt spätestens 2020/21 in neuem Glanz erstrahlt. Spätestens dann sollen auch die durchschnittlichen Werte in Bezug auf das Allgemeine Ambiente (3,0) der Vergangenheit angehören.

Sehen Meschede - trotz einiger „Baustellen“ – auf einem sehr guten Weg: (von links) Wergebemeinschaftvorsitzender André Wiese, Stadtplaner Stephan Rach, Wirtschaftsfördererin Christina Wolff und Thomas Frye von der IHK. 

Ein Blick auf die Online-Affinität der Kunden wiederum zeigt Chancen und Risiken gleichermaßen. Während mehr als 40 Prozent sich vor dem Besuch online über Angebot oder Öffnungszeiten von Geschäften in der Innenstadt informieren, sind es umgekehrt wiederum nur knapp 15 Prozent, die sich im Geschäft vor Ort informieren, um dann doch online zu bestellen. „Dieser sogenannte ,Beratungsklau‘ ist also nicht so gravierend, wie gemeinhin angenommen wird“, so Thomas Frye. Dennoch würden die Zahlen eindrucksvoll zeigen, wie wichtig es für die lokalen Händler ist, auch online präsent zu sein. „Das werden wir unseren Mitgliedern auch nochmal mit auf den Weg geben“, begrüßte André Wiese aus Sicht der Werbegemeinschaft die Feststellung. Rund 60 von knapp 90 „Schaufensterbetrieben“ seien mittlerweile aber immerhin im Internet präsent.

Während Thomas Frye aufgrund der zunehmenden Attraktivierung der Städte Neheim, Winterberg und Brilon abschließend noch vor einer „Zangenentwicklung“ in Meschede warnt, zieht Christina Wolff insgesamt ein positives Fazit: „Es ist erfreulich festzustellen, dass wir als handelnde Akteure einen ähnlichen Blick auf die Stadt haben wie die Kunden selbst und die Prozesse gleichermaßen wahrnehmen. Die Tendenz ist positiv, Meschede ist auf einem sehr guten Weg“

Die Befragung

  • Die Passantenbefragung wird seit 2014 bereits zum dritten Mal vom IfH Köln in Kooperation mit IHKs und lokalen Partnern durchgeführt.
  • An einem Donnerstag und einem Samstag im September wurden deutschlandweit im vergangenen Jahr rund 110 Passanten zeitgleich befragt.
  • Zu den 116 Teilnehmerstädten bundesweit gehörten aus dem Bezirk der IHK Arnsberg dieses Mal die Citys von Lippstadt und Arnsberg-Neheim (jeweils zum dritten Mal dabei), Meschede (Teilnahme bereits 2014, 2016 bewusst ausgesetzt) sowie Bad Sassendorf und Sundern (erstmals dabei).
  • Die Teilnehmerstädte sind dabei in fünf verschiedene Größen eingeteilt. Meschede zählt zur Kategorie der Städte mit bis zu 50.000 Einwohnern.

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