Vor Auftritt mit Kosakenchor in Meschede

Dschungelprinz Peter Orloff im Interview: "Freue mich auf die Sauerländer"

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Meschede. Haben Sie Lust auf eine Reise nach Moskau bis an den Baikalsee, von Kiew bis St. Petersburg? Peter Orloff nimmt Sie mit. Denn dort kennt sich der 74-Jährige ebenso gut aus wie im australischen Dschungel(camp). Mit seinen Schwarzmeer-Kosaken, einem Elite-Ensemble mit hochdekorierten Sängern, ist er am kommenden Dienstag, 26. Februar, um 19.30 Uhr im Rahmen der großen Jubiläumstournee „Das Wolgalied – Total emotional!“ zu Gast in der Mescheder Stadthalle. Im Vorfeld sprach Peter Orloff, bekannt geworden mit Schlager-Hits wie „Ein Mädchen für immer“, als Komponist unter anderem von Peter Maffays „Du“ und als Leiter des berühmten Schwarzmeer-Kosakenchors, mit Kurier-Redakteurin Anna Sartorius über seinen allerersten Auftritt, die ganz großen Gefühle, Prüfungen innerhalb und außerhalb des „Dschungelcamps“ und seine Pläne für die Zukunft.

Kurier: Herr Orloff, Sie feiern Ihr 60-jähriges Bühnenjubiläum, auch mit einem Konzert in Meschede. Können Sie sich noch an Ihren allerersten Auftritt erinnern? 

Peter Orloff: Sehr gut sogar, das war 1958. Tags zuvor bin ich nach Hamburg gereist, um dort den Schwarzmeer-Kosakenchor zu treffen. Eigentlich wollte ich schon in Duisburg dabei sein, habe aber die Kirche nicht gefunden (lacht). Auf der Bühne zu stehen war überwältigend, ein bombastisches Erlebnis. Das hatte ich mir als Kind schon gewünscht. 

Kurier: Mit Ihren 14 Jahren waren Sie damals der jüngste Sänger aller Kosakenchöre weltweit. Ihr Vater Nikolai Orloff allerdings war erst einmal nicht begeistert, Sie sollten andere Prioritäten setzen. Wie haben Sie ihn überzeugt? 

Orloff: Wir haben einen Vergleich geschlossen: Ich mache mein Abitur und studiere Jura, dafür darf ich in den Ferien und in der Freizeit mit dem Chor bei Konzerten singen, TV- und Schallplattenaufnahmen machen. Damit waren wir beide zufrieden. 

Kurier: Mittlerweile sind Sie seit über 25 Jahren Ataman, also musikalischer Gesamtleiter, der Schwarzmeer-Kosaken, geben rund 200 Konzerte im Jahr. Was möchten Sie mit Ihrer Musik transportieren? 

Orloff: Positive Emotionen spielen eine große Rolle. Wir möchten die Faszination einer Kultur übertragen, die der deutschen sehr, sehr entspricht. Deutschland und Russland haben seit jeher eine starke emotionale Bindung. Viele Deutsche lieben die russische Kultur, sei es die Musik oder die Literatur. Wir als Chor können auf die besondere Intensität der russischen Liturgie zurückgreifen und präsentieren Werke wie „Schwanensee“, „Das Wolgalied“, „Nessun Dorma“ oder die „Abendglocken“. 

Kurier: Berührt eines dieser Lieder Sie ganz besonders? 

Orloff: Jedes Lied fasziniert mich. Bei uns ist die Zusammenstellung das Entscheidende, nicht die einzelnen Lieder. Das Gesamtkonzept soll begeistern. Wir möchten, dass der Zuhörer aus der Mescheder Stadthalle geht mit der Erinnerung an ein tolles Konzert und vielleicht doch mit dem ein oder anderen Lied, das er neu entdeckt hat. 

"Gefühle können nie kitschig werden"

Kurier: Sie beschreiben den Klang der Kosaken als mystisch, geheimnis- und temperamentvoll, der Titel Ihrer Tour ist „Total Emotional!“. Können diese großen Gefühle nicht schnell kitschig werden? 

Orloff: Gefühle können nie kitschig, nie zuviel werden. Jedes Mal, wenn ich in Bayreuth bin, bin ich geflasht von den Kompositionen Wagners. Und diese erwecken schließlich die ganz großen Gefühle. 

Kurier: Ist der Schlager, mit dem Sie bekannt geworden sind, ein fröhliches Gegenstück zu der eher schweren Musik? 

Orloff: Beide Musikrichtungen, der Schlager und der Kosakenklang, ergänzen sich sehr gut. Sie passen zusammen, beide sind sehr emotional, allerdings in unterschiedlichen Facetten. Zeitweise bin ich beide „Schienen“ gefahren, das hat mir gutgetan. 

Kurier: Stichwort gute Ergänzung. Politisch gibt’s Probleme zwischen Russland und der Ukraine. Im Kosakenchor musizieren Sie gemeinsam. 

Orloff (lacht): Unter meiner Führung klappt das mit den Nationen. 

Kurier: Klingt, als hätte Ihnen auch eine Karriere in der Politik gut gestanden. 

Orloff: Tatsächlich habe ich mir mal überlegt, in die Politik einzusteigen. Doch man hat ja nur ein Leben, das man sich gut einteilen muss. Daher mache ich lieber das, worin ich wirklich gut bin. Im Chor jedenfalls sind die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine kein Thema. Meine Familie und ich sind das beste Beispiel, dass es funktionieren kann: Mein Vater entstammt einem alten russischen Adelsgeschlecht und ist in der Ukraine geboren. 


Kurier: Sie wirken stets optimistisch, stets positiv – auch bei Ihrem Aufenthalt im diesjährigen RTL-Dschungelcamp. Wie haben Sie bei den teils schwierigen Persönlichkeiten die Ruhe bewahrt? 

Orloff: Dass die Fetzen zwischen einigen so geflogen sind, habe ich im Dschungel gar nicht realisiert. Mit den einzelnen Personen bin ich sehr, sehr gut klargekommen. Allerdings habe ich bisher nur Ausschnitte der Folgen gesehen. Seitdem ich wieder in Deutschland bin, stehe ich jeden Abend auf der Bühne, gebe Interviews usw. Was ich gelernt habe: Der Dschungel befindet sich außerhalb des Camps, im wirklichen Leben. Der australische Busch war für mich ein Abenteuerurlaub. Ich habe meine Grenzen ausgelotet und erweitert und bereue keine Minute. Anfänglich gab es viele kritische Stimmen, nach meinem Auszug nur noch überwältigende Zustimmung. 

Kurier: Das lag vielleicht daran, dass Sie, so sagen Sie selbst, immer authentisch waren. Als „gute Seele des Camps“ haben Sie Ihren Mitcampern gut zugeredet. Hat Dschungelkönigin Evelyn mittlerweile ein Buch gelesen, das Sie ihr empfohlen haben? 

Orloff (lacht): Vor ein paar Tagen haben wir uns noch gesehen, da erzählte sie, dass sie angefangen hat zu lesen. Außerdem möchte sie ein Buch mitnehmen in den Urlaub. 

"Ich habe soviel Energie, die muss ja irgendwo hin"

Kurier: In den Dschungelprüfungen mussten Sie in schwindelerregender Höhe balancieren, mit Krokodilen, Schlangen und Spinnen klarkommen: Welche Prüfungen hielt das Leben, der echte Dschungel, für Sie bereit? 

Orloff: Ich wurde oft geprüft im Leben, habe jedoch alles gut überstanden, nicht zuletzt einen schweren Autounfall. Ich sehe es so: Es gibt nur Lösungen, nur das Bewältigen der Prüfungen. Aufgeben ist keine Option. 

Kurier: Und Sie möchten etwas zurückgeben. Unter anderem spenden Sie einen Teil Ihrer Dschungelcamp-Gage. 

Orloff: Das stimmt. 40.000 Euro sind bestimmt für die Organisation „Fly & Help“, in dessen Kuratorium ich bin. Ab März soll in Argentinien eine Schule für Indianerkinderchen, die Guarani-Kinder in Yviraity, gebaut werden. Eine andere Schule in Malawi für 240 Mädchen ist auch schon in Arbeit, hierfür habe ich im vergangenen Jahr Spenden gesammelt. Und eine dritte ist auch in Planung, für die wir wieder sammeln möchten. Damit wollen wir versuchen, die Welt zumindest ein bisschen besser zu machen. 

Kurier: Sie engagieren sich ehrenamtlich, sind Sänger, Komponist, Produzent, Schauspieler, Dschungelprinz: Gibt es etwas, das Sie nicht können? 

Orloff (lacht): Ohja, ich kann vieles nicht. Zur Hausarbeit bin ich zum Beispiel nicht wirklich geeignet. Was ich kann, kann ich gut. Aber was ich nicht kann, kann ich überzeugend nicht. 

Kurier: Demnächst sind Sie sogar Buchautor. 

Orloff: Die Zukunft hält viel bereit, viele Konzerte, ein Buchprojekt ist in Planung ebenso wie TV-Projekte. Aber nun freue ich mich erst einmal auf das Konzert in Meschede und auf Gespräche mit den Sauerländern – die ich übrigens schon beim Skifahren in Winterberg oder in der Aslan-Klinik in Olsberg kennengelernt habe. Ich habe soviel Energie, die muss ja irgendwo hin (lacht).

Das Konzert in Meschede 

Jetzt heißt es ranhalten, denn es gibt nur noch einige wenige Tickets für das Konzert an allen bekannten Vorverkaufsstellen, unter der Hotline 01 80/6 05 04 00 sowie in der SauerlandKurier-Geschäftsstelle in Meschede.



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