„Wir müssen als Vorbild fungieren“

Politiker stellen sich Interviewfragen von Menschen mit Behinderung

Die Teilhabeberater der EUTB Anna-Lena Houska, Zorica Stiewe und Benjamin Wulf nahmen Dietmar Schwalm ins Kreuzverhör.
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Die Teilhabeberater der EUTB Anna-Lena Houska, Zorica Stiewe und Benjamin Wulf nahmen Dietmar Schwalm ins Kreuzverhör.

Meschede – Was machen die Parteien im Hochsauerlandkreis eigentlich für Menschen mit Behinderung? Diese Frage stellte sich die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) anlässlich der bevorstehenden Kommunalwahl und lud Politiker der im Kreistag vertretenen Parteien zum Interview ein.

Am vergangenen Donnerstag sollten FDP und Linke den Auftakt machen. Bedauerlicherweise musste Friedhelm Walter (FDP) den Termin kurzfristig absagen. Die Teilhabeberater der EUTB hoffen nun, dass die FDP zum zweiten Termin, am 11. August, kommt.

So machte Dietmar Schwalm (Linke) den Anfang und stellt sich den Fragen der Teilhabeberater Anna-Lena Houska, Zorica Stiewe und Benjamin Wulf. Die drei sind Peer-Berater der EUTB. Das bedeutet, sie haben selber eine Beeinträchtigung und beraten gemeinsam mit den Fachberatern Menschen mit Behinderung. Sie können, anders als die Fachberater, aus ihren eigenen Erfahrungen als Mensch mit Behinderung heraus beraten. 

Wulf stellte zwei Fragen zur Barrierefreiheit. Zunächst fragte er, warum im Kreis so wenig leichte Sprache eingesetzt wird, die es Menschen mit geistigen Handicap einfacher macht, Inhalte zu verstehen. „Hier muss ich selbstkritisch sein, da müssen wir als Fraktion Die Linke auch mehr machen,“ erklärte Schwalm. „Leichte Sprache hilft den Menschen, wenn man Inklusion auf alle Menschen bezieht, nicht nur Menschen mit Behinderung“. 

„Warum setzt sich die Politik speziell im Hochsauerlandkreis so wenig für Barrierefreiheit ein?“, schob Wulf hinterher. „Ich finde es diskriminierend nicht überall hin zu kommen“, antwortete Schwalm bezogen auf die Kreisverwaltung ergänzte aber, dass es oft mit den Kosten begründet werde und ergänzte auf den Sozialraum bezogen, die Menschen mit Behinderung müssen sich melden, wenn beispielsweise eine Baustelle nicht Rollstuhlgerecht eingerichtet sei. 

Houska fragte Schwalm, warum es Menschen mit Behinderung so schwer gemacht wird auf dem ersten Arbeitsmarkt einen Job zu finden. Sie selber sei Heilpädagogin, bekomme aber wegen ihrer Behinderung keinen Job. Schwalm, hauptberuflich Schwerbehindertenvertreter bei der Kreisverwaltung in Soest, zeigte sein Unverständnis. 

„Leider werden noch zu oft Gründe gefunden Menschen mit Behinderung nicht einzustellen“. Er habe zu Beginn seiner Tätigkeit den Fall erlebt, dass ein Autist wegen mangelnder Teamfähigkeit nicht eingestellt wurde, obwohl er für die Tätigkeit mit Zahlen im Fachbereich ideal gewesen wäre. „Ich habe daraus gelernt. Leider ist die Gesellschaft noch nicht so weit die Stärken der Menschen mit Behinderung zu erkennen.“ Schwalm versprach, er wolle sich im Kreistag dafür einsetzten, dass die Kreisverwaltung zehn Prozent Menschen mit Behinderung beschäftigt. „Hier müssen wir als Vorbild fungieren, dann können wir auch gegenüber der Wirtschaft glaubhaft argumentieren.“ Er sprach sich für mehr Förderung und Praktika aus, damit Menschen mit geistiger Beeinträchtigung in der Verwaltung eine Perspektive bekommen. 

Beim Medikamentenmangel wünscht sich Schwalm „mehr Staat“ bei der Verteilung und Produktion von Medikamenten. Auch müssten Menschen die mit Menschen arbeiten die Möglichkeiten haben sich regelmäßig testen zu lassen, erklärte er mit Blick auf die Frage, warum Menschen der Risikogruppe und Betreuungspersonal der Eingliederungshilfe nicht getestet werden, Reiserückkehrer aus Risikogebieten aber kostenlose Tests bekommen.

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