Kolumne im SauerlandKurier

Polizei warnt vor Handy am Steuer: „Lenk dich nicht App!"

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Bei vier Unfällen im HSK war das Smartphone nachgewiesen ursächlich - die Dunkelziffer ist aber viel höher.

Hochsauerland - „Lenk dich nicht app!“ – mit diesem Spruch macht die Polizei NRW seit 2017 auf die Gefahren durch Ablenkung im Straßenverkehr aufmerksam. Auch in der monatlichen Polizeikolumne im SauerlandKurier wurde schon mehrmals auf die Kampagne aufmerksam gemacht. Das Thema ist wichtig! So stellen Verkehrsforscher leider fest, dass die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland, die jahrelang rückläufig war, seit kurzem wieder ansteigt. Sie führen das auf die Ablenkung durch das Handy zurück.

Auch im Sauerland wurden 2018 fast 1.500 Handy-Verstöße geahndet. Die Strafen wurden zuletzt auf 100 Euro und einen Punkt in Flensburg erhöht. Bei Gefährdung oder einem Unfall droht sogar ein Fahrverbot. Bei vier Unfällen im HSK stellte die Polizei im letzten Jahr fest, dass die Verkehrsteilnehmer durch ein Smartphone abgelenkt waren. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher. So konnten bei fast 1.300 Verkehrsunfällen im Jahr 2018 im HSK keine eindeutigen Unfallursachen, wie beispielsweise zu hohe Geschwindigkeiten oder Fehler beim Überholen festgestellt werden. Bei vielen dieser Unfälle spielt daher vermutlich die Ablenkung die entscheidende Rolle. Deshalb stellt die Polizei auch immer häufiger die Smartphones der Unfallbeteiligten sicher.

Aber nicht nur Handys lenken ab. Wer kennt nicht die Bilder von abgelenkten Fahrern? Die Einstellung des Navigationsgeräts während der Fahrt, der Blick in die Zeitung oder das Auspacken der Pausenbrote sind verantwortungslos und gefährlich. Wer bei Tempo 50 nur zwei Sekunden seinen Blick von der Straße wendet, fährt 30 Meter blind. Autofahren ist anspruchsvoll und bedarf der ständigen Kontrolle und Konzentration. Mit einem Gewicht von mindestens einer Tonne, wird das Auto beim Unfall zum unkontrollierbaren Geschoss. 

Was wie in diesem Comic zum Lachen aussieht, kann im Straßenverkehr oft tödlicher Ernst sein (für Vollbild oben rechts klicken).

"Kein Chat ist ein Menschenleben wert!"

Wissenschaftler sagen zudem, dass das Telefonieren so gefährlich ist wie das Fahren mit 0,8 Promille Alkohol im Blut: Also volle Konzentration – „Lenk dich nicht App!“ Wer noch keine Freisprecheinrichtung besitzt, sollte sich schnellstmöglich um eine kümmern. In den meisten Autos ist die Freisprechanlage bereits serienmäßig enthalten. Aber auch eine Nachrüstung ist möglich. Die Geräte sind bereits ab etwa 50 Euro erhältlich. Das ist immerhin nur halb so teuer wie das Bußgeld.

Aber nicht nur Autofahrer lassen sich ablenken. Zunehmend kann man Fußgänger oder Radfahrer mit dem Handy in der Hand beobachten. Als schwächere Verkehrsteilnehmer setzen sie sich einer großen Gefahr aus. Im Internet oder in den sozialen Medien finden sich etliche Videos, bei denen Fußgänger gegen Laternen oder Stühle laufen, andere Personen anrempeln oder gar in Brunnen fallen. Das mag zum Lachen sein, ist im Straßenverkehr aber oft tödlich. 

Unser Smartphone genießt einen hohen persönlichen Stellenwert. Wir teilen unsere Aktivitäten, hören die aktuellste Musik, organisieren unseren Tagesablauf und bleiben immer auf dem neuesten Stand. Die sozialen Medien haben einen festen und wichtigen Platz in unserer Gesellschaft. Jedoch darf dieser Platz nicht im Straßenverkehr sein. Keine Mail, kein Chat ist ein Menschenleben wert! Deshalb: Lenk dich nicht App!

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