„Man fühlt sich fremd im eigenen Haus“

Präventionswoche: Polizei im HSK klärt über Einbruchsschutz auf

+
Ein Einbruch kann jeden treffen. Im Rahmen der Präventionswoche "Riegel vor" macht die Polizei im Kreis auf Schutzmaßnahmen aufmerksam.

Meschede/Hochsauerland. „Man kann es nicht in Worte fassen“, sagt Gabriele Vielhaber – und atmet tief durch. Ihrem leeren Blick ist anzumerken, dass sie die Ereignisse immer noch berühren. Die Arnsbergerin ist vor einiger Zeit Opfer eines Wohnungseinbruchs geworden. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung zur Präventionswoche „Riegel vor! Sicher ist sicherer“ gab sie am Montag in der Sparkasse Meschede einen Einblick in ihr Seelenleben und informierte über die Konsequenzen, die ihre Familie aus dem Vorfall zog.

Ihr Zuhause, ein Einfamilienhaus, drei Minuten von der Autobahn, etwas abgeschieden in der Nähe eines Feldwegs gelegen – laut Kriminaloberrat Josef Jakobi quasi „prädestiniert“ für einen Einbruch. Und genauso kam es dann auch: Als Gabriele Vielhaber nichtsahnend an jenem Tag nach Hause kam, war nichts mehr so, wie es zuvor gewesen ist. Glassplitter und ein Stein vor der Tür, im Büro lagen die Akten verstreut auf der Erde, die Schränke standen offen und das Schlafzimmer war komplett durchwühlt worden.

"Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn..."

Wollen für das Thema Einbruchsschutz sensibilisieren: Landrat Dr. Karl Schneider, Kriminaloberrat Josef Jakobi, Gabriele Vielhaber und Polizeidirektor Klaus Bunse. 

„Als ich realisiert hatte, was hier passiert war, habe ich die Flucht ergriffen. Ich habe die 110 angerufen, meinen Mann informiert und bin dann zu meiner Nachbarin gelaufen“, erinnert sich die Arnsbergerin. Zunächst habe sie als positiv denkender Mensch versucht, das Ganze mit Galgenhumor zu nehmen. Als sie aber später ein Küchenmesser in einem anderen Zimmer gefunden hatte, dämmerte ihr langsam, wie gefährlich die Situation für sie war. „Dann teilte mir die Spurensicherung mit, dass die Täter noch im Haus waren, als ich zurückgekommen bin. Sie müssen im Obergeschoss, wo sich die Zimmer meiner beiden Söhne befinden, gewesen sein, als ich mich im Untergeschoss aufgehalten habe. Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn...“, berichtet Gabriele Vielhaber sichtlich um Fassung bemüht. Die Momente danach habe sie „wie in Schockstarre“ erlebt.

An Normalität ist nicht zu denken

An Normalität war auch in der folgenden Zeit nicht zu denken. Nachdem klar war, dass Teile des Diebesguts (der Schmuck mit zahlreichen Erinnerungsstücken fehlte komplett, insgesamt entstand ein Sachschaden in Höhe eines mittleren fünfstelligen Betrages) in einem Kopfkissenbezug transportiert worden waren, entsorgte Gabriele Vielhaber die gesamte Bettwäsche. Die Nacht teilte sie sich mit ihrem Mann auf, da beide über Wochen nicht mehr richtig schlafen konnten. „Man kommt einfach nicht mehr zur Ruhe und fühlt sich fremd im eigenen Haus“, erklärt sie.

Kleine Kniffe mit großer Wirkung

Fünf bis sechs Wochen habe es gedauert, bis so etwas wie ein Gefühl von Privatsphäre zurückgekehrt sei. Besonders hilfreich sei dabei die Beratung gewesen, die die Polizei in Person von Thomas Wüllner Einbruchsopfern (und generell allen Interessierten) in der Polizeilichen Beratungsstelle Meschede sowie vor Ort anbietet. Dort gibt es Tipps, wie das eigene Zuhause sicherer gemacht werden kann. Bei den Vielhabers etwa wurden die Fenster gesichert, das Schloss ausgetauscht, Zeitschaltuhren und Außenbeleuchtung installiert. Kleine Kniffe mit großer Wirkung, zumindest für die Opfer selbst. „Seitdem ist das Sicherheitsgefühl zurück und wir können wieder beruhigt schlafen“, so Gabriele Vielhaber.

Zahl der Wohnungseinbrüche im HSK sinkt 

Ihr Beispiel zeigt, dass das Thema Einbruchsschutz auch und gerade im HSK nach wie vor auf der Tagesordnung steht. Auch wenn, und das ist eine erfreuliche Entwicklung, die Zahl der Wohnungseinbrüche im ersten Halbjahr 2017 im HSK um über 45 Prozent auf 145 Einbrüche sank. Zudem scheitern die Täter immer häufiger. Jeder zweite Einbruch blieb in diesem Jahr bisher beim Versuch. „Das ist nicht nur den technischen Sicherheitsmechanismen zu verdanken, sondern auch dem richtigen Verhalten und der Aufmerksamkeit der Nachbarn“, weiß Polizeidirektor Klaus Bunse, der sich angesichts einer steigenden Aufklärungsquote von knapp 25 Prozent „vorsichtig optimistisch“ zeigt. Dennoch seien die Ermittlungen bei einem Einbruch oftmals "aufwändig und schwierig", da es zumeist keinen direkten Kontakt zwischen Täter und Opfer gebe und es sich um "reisende Täter" handle. Auch der Personalabbau bei der Polizei im HSK habe in den letzten Jahren diese Arbeit nicht gerade erleichtert, so Bunse.

"Jeder Einbruch ist einer zu viel."

Für Landrat Dr. Karl Schneider ist die Aufklärungsquote trotz der positiven Tendenz „nach wie vor unbefriedigend.“ Aus diesem Grunde betont der Landrat die Wichtigkeit der alljährlich stattfindenden „Riegel vor“-Präventionswoche. „Jeder Einbruch ist einer zu viel. Deshalb kann man diesem Thema gar nicht genug Aufmerksamkeit widmen. Sichern Sie Ihre Wohnung, seien Sie wachsam und scheuen Sie sich nicht, die 110 zu wählen“, appelliert der Landrat an die Bürger.

Info: Alle Termine und Infos zur Präventionswoche gibt es hier. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare