"Eine totale Bereicherung"

Polizeianwärterinnen aus den Niederlanden auf Schnupperkurs im HSK

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Viele Türen geöffnet: Martin Fricke, Aniek Schilstra (l.) sowie Hubert Sapp und Maaike Timmer (r.) sind von dem gegenseitigen Erfahrungsaustausch begeistert.

Meschede/Hochsauerland. Da staunte der Gast aus den Niederlanden kürzlich nicht schlecht, als er bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle mitten im Hochsauerland von zwei jungen Damen in seiner Landessprache befragt wurde. Und auch Aniek Schilstra, 18 Jahre aus Friesland, und Maaike Timmer, ebenfalls 18 aus Texel, werden diese kuriose Begegnung mit ihrem Landsmann in Erinnerung behalten. Die beiden Polizeianwärterinnen befinden sich im Rahmen eines Praktikums seit drei Wochen im Hochsauerlandkreis und haben sich in dieser kurzen Zeit bereits in die Herzen ihrer deutschen Kollegen gearbeitet.

„Sowohl von ihrer Persönlichkeit als auch vom Erfahrungsaustausch her sind die beiden für uns eine totale Bereicherung“, gibt Hubert Sapp, Leiter der Polizeiwache Meschede, demnach auch unumwunden zu. Das Kompliment erhält er sogleich zurück. „Bevor ich hierher kam, habe ich gedacht, deutsche Polizisten seien alle alt und es ginge irgendwie steif zu. Zum Glück wurde ich schnell eines Besseren belehrt“, entgegnet Aniek Schilstra mit einem gewinnbringenden Lächeln. Ihre Kollegin Maaike Timmer ergänzt: „Ich hätte nicht erwartet, dass wir hier schon so vielschichtige Einblicke in die Polizeiarbeit gewinnen können. Das war auf jeden Fall viel besser als erwartet.“ 

Streifendienst, Leitstelle und Vollstreckung von Haftbefehlen

Worte, die Hubert Sapp und Martin Fricke, Leiter der Fortbildungsstelle, sicherlich gerne hören. Denn genau das war das Ziel, mit dem man die beiden Niederländerinnen auf Empfehlung der Kollegen der Kreispolizeibehörde Olpe nach Meschede holte. Dort gebe es bereits seit über zehn Jahren den Austausch mit den Niederlanden und aufgrund der positiven Erfahrungen und mangelnden Kapazitäten vor Ort habe man sich auch im HSK auf das Experiment eingelassen, berichtet Fricke. Mit vollem Erfolg, wie sich jetzt zeigt. „Der Vorteil, die beiden jungen Damen jeweils einer Dienstgruppe der Polizeiwache in Meschede zuzuordnen, liegt vor allem darin, dass wir ihnen hier ein möglichst breites Spektrum der Polizeiarbeit zeigen konnten“, erklärt Hubert Sapp. So wurden sie nicht nur auf Streife geschickt, sondern durften auch die Einsatzkoordination in der Leitstelle erleben und den Bezirksdienst sowohl bei der Verkehrserziehung in Schulen und Kindergärten als auch bei der Vollstreckung von Haftbefehlen begleiten. Zudem haben die beiden aufgeweckten Praktikantinnen am Schießtraining teilgenommen. 

"Polizei in Deutschland ist strenger, wird aber mehr respektiert."

Aber auch die Kollegen vor Ort konnten von den beiden jungen Niederländerinnen einiges über die Polizeiarbeit in ihrem Heimatland lernen. So gibt es in Holland neben der Nationalpolizei noch die lokale Polizei, für die sich Aniek und Maaike im Rahmen einer dreijährigen Ausbildung zurzeit qualifizieren. Beim größten Unterschied zwischen Deutschland und den Niederlanden sind sich die beiden jungen Frauen, die während ihres vierwöchigen Praktikums in einer Ferienwohnung in Wennemen untergebracht sind, aber schnell einig: „Die Polizei in Deutschland ist strenger und wird von den Bürgern mehr respektiert.“ Ein Grund, vor allem für Aniek nach der Ausbildung nach Deutschland zurückkehren zu wollen – gerne auch ins Sauerland. „Ich mag das Ländliche und Beschauliche und die Kollegen hier.“ Während im Praktikum noch etwaige Verständigungsschwierigkeiten einfach charmant weggelächelt wurden, möchte sie dann auf jeden Fall auch Deutsch lernen. Maaike dagegen zieht es eher als Motorrad- oder Fahrradpolizistin nach Rotterdam oder Amsterdam. 

Das Problem mit dem Druck auf den Ohren...

Das aber ist Zukunftsmusik. In der kommenden Woche geht es zunächst noch für drei Tage auf die Polizeiwache Winterberg, ehe das Praktikum am 2. Februar endet. Dort werden die sympathischen Damen sicherlich nicht nur weiteren Landsleuten begegnen, sondern auch mit einem ganz anderen Problem konfrontiert: „Dieses Auf- und Abfahren über die Berge kennen wir bei uns ja nicht. Da bekommt man schonmal Druck auf den Ohren.“ Sofern das die einzige negative Erfahrung bleibt, die die beiden mit zurück in die Heimat nehmen, werden es wohl beide Seiten verschmerzen können.

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