„Du weißt nicht zu was ich fähig bin“

Prozess: Mescheder soll Mädchen mit Nacktfotos zum Sex gezwungen haben

+
Der 19-jährige Angeklagte wurde in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. 

Arnsberg/Meschede. In Handschellen wurde der Angeklagte Matthias F., der sich seit sechs Monaten in Untersuchungshaft in Iserlohn befindet, zum Prozessauftakt am Donnerstagmorgen in den Gerichtssaal am Landgericht Arnsberg geführt. Dem 19-jährigen wird vor der Großen Strafkammer als Jugendkammer zur Last gelegt, im Zeitraum von Ende April bis Anfang September in Meschede in drei Fällen unter Androhung von Gewalt Vergewaltigungen begangen zu haben.

Unter Duldung des Opfers soll er den Beischlaf vollzogen haben, um sich sexuell zu befriedigen. In zwölf weiteren Fällen wurde ihm vorgeworfen, sich Jugendpornografie verschafft und zudem an einem Kind unter 14 Jahren sexuell vergangen zu haben.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigte den Angeklagten weiterhin, gemeinschaftlich mit zwei gesondert Verfolgten Komplizen am 29. Mai 2018 in Arnsberg fünf Diebstähle begangen zu haben, davon zwei besonders schwere Fälle. Es wurden in der besagten Nacht aus mehreren PKWs ein Navigationsgerät, zwei USB-Sticks, zwei Sonnenbrillen sowie aus einem Haus ein Fahrrad und zwei Cityroller gestohlen. Zudem hatte das Diebes-Trio versucht, einen Roller kurzzuschließen, was ihnen jedoch nicht gelang.

Aus Angst auf Geschlechtsverkehr eingelassen

In der Hauptverhandlung warf die Staatsanwaltschaft Markus F. vor, über Instagram mit weiteren jungen Mädchen aus Meschede, Recklinghausen und Bestwig in Kontakt getreten zu sein. Anfangs hieß es, wurde nur „normal geschrieben, danach ging es dann ins Sexuelle über, Fotos und Videos wurden ausgetauscht, über Facetime masturbiert". Der Beschuldigte soll das Mädchen auch zu sexuellen Handlungen genötigt haben: Als das Mädchen den Kontakt mit ihm abbrechen wollte, drohte der mutmaßliche Vergewaltiger laut Staatsanwaltschaft der erst 14-jährigen, dass er ihre Nacktfotos im Internet veröffentliche. Aus Angst davor habe sie sich dann auf weitere sexuelle Handlungen eingelassen.

Nach Verlesen der Anklageschrift ließ sich der Beschuldigte unter Hilfestellung seines Verteidigers ein. Er gab den gemeinschaftlichen Diebstahl unter Alkohol- und Drogeneinfluss zu, bestritt allerdings eine sexuelle Beziehung zu dem minderjährigen Mädchen. Hinsichtlich der Vergewaltigungen bestritt der Angeklagte jegliche Form von Druck ausgeübt zu haben; vielmehr behauptete er, die sexuellen Kontakte nicht durch erpresserische Handlungen ausgeübt zu haben, sondern dass alles auf Freiwilligkeit beruhe. 

"Es gab keine Erpressung."

Matthias F. räumte lediglich ein, seine Opfer im Internet kennengelernt zu haben, mit ihnen im gegenseitigen Einvernehmen Fotos und Videos ausgetauscht zum haben. „Sie kam zu mir, hat meine Katze gestreichelt und dann haben wir uns ausgezogen. Es gab keine Erpressung. Sie kam direkt nach ihrem Urlaub an der Nordsee zu mir, hat mir zuvor freiwillig Videos geschickt“, so der beschuldigte Straftäter.

In einem anderen Fall schilderte F., dass ein Mädchen aus freien Stücken bei allen drei Treffen Geschlechtsverkehr mit ihm vollzogen habe. Die Treffen fanden in Meschede in der Nähe des Schwimmbads, in dem Zuhause des Opfers und unter einer Autobahnbrücke statt. „Der Sex war einvernehmlich. Sie hat bereitwillig mitgemacht und mir die Videos geschickt. Die Details wurden zuvor im Chat besprochen“, erklärte der Angeklagte während der Hauptverhandlung.

Angeklagter verweist auf Gedächtnislücken

Der Vorsitzende Richter Markus Jäger hingegen las Chatverläufe vor, in denen der Angeklagte versuchte, mit der Aussage, die Bilder im Internet zu veröffentlichen, Druck auf die Opfer auszuüben. Auch der Satz „Du weißt nicht zu was ich fähig bin“ wurde verlesen. Zudem soll Matthias F. einem Mädchen gedroht haben, sich vor ihrer Haustür umzubringen, falls sie ihm nicht im 30-Minuten-Takt Aktfotos von sich schicke.

Auf genauere Nachfragen von Richter und Staatsanwaltschaft verwies der Angeklagte, der seit seinem Aufenthalt in der JVA und einem damit verbundenen Klinikaufenthalt täglich 300 Gramm Seroquel (Antidepressiva) zu sich nehmen muss, immer wieder auf große Gedächtnislücken bedingt durch seinen regelmäßigen Drogenkonsum. Zu den Tatzeitpunkten konsumierte der 1999 geborene Mescheder täglich vier bis fünf Gramm Marihuana, mehrere Gramm Amphetamine in der Woche und gelegentlich Ecstasy. 

Zweiter Verhandlungstag am 20. März

Die anschließende Zeugenvernehmung der zum Tatzeitpunkt erst 14-jährigen Zeugin fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit, jedoch nach einem Gespräch mit Richter, Staatsanwaltschaft und den Eltern des Mädchens, im Beisein des Angeklagten statt.

Der zweite Verhandlungstag, an dem weitere Zeugen vernommen werden beginnt am 20. März um 9 Uhr. Das Urteil wird am 3. April erwartet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare