„Ein globales Phänomen“ 

Ranga Yogeshwar und Roboter Pepper begeistern bei Wirtschaftsforum

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Moderator und Referent Ranga Yogeshwar (Mitte) umrahmt von den Sparkassen-Vorständen Alexander Wilke und Peter Schulte (l.) sowie und den beiden Bürgermeistern Christoph Weber (Meschede) und Stephan Kersting (rechts). 

Meschede. „Wo sind denn die ganzen Offiziellen? Man kann sich einfach nicht auf die Zweibeiner verlassen“, säuselte der kleine fahrende Roboter mit Herz auf der großen Bühne in der Mescheder Stadthalle. Sparkassendirektor Peter Schulte ergriff auf dem 25. Sparkassenwirtschaftsforum das Wort und stellte nach der offiziellen Begrüßung Pepper, den kleinen sechsjährigen Roboter vor.

„Das war ein ungewöhnlicher Empfang. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass uns ein humanoider Berater begrüßt und vielleicht sogar berät. Können sie sich vorstellen, dass Alexa sie morgens weckt und frisch gemahlenen Kaffee ans Bett bringt? Was ist aber, wenn Alexa ihnen statt des vorprogrammierten Kaffees gesunden Kamillentee bringt, weil sie nachts ihre Blutwerte kontrolliert hat und die nicht in Ordnung waren?“

In der bis auf den letzten Platz belegten Stadthalle referierte anschließend der ebenso berühmte wie beliebte Elementarteilchenphysiker und Moderator Ranga Yogeshwar zum Thema „Künstliche Intelligenz: Mensch und Maschine – Wer programmiert wen?“.

„Künstliche Intelligenz wird unser Leben fundamental verändern."

„Das ist ein Thema, das uns alle angeht. Es gibt nur diese Erde und keine andere. Auf ihr gibt es Leben, Klimaveränderungen, Vulkanausbrüche und vieles mehr, wodurch neue Arten entstanden sind. Wir sind das Produkt der Veränderungen. Sind wir möglicherweise ein Auslaufmodell? Wir Menschen verändern den Planeten dramatisch“, so der Luxemburger Wissenschaftler, der nächste Woche Dienstag seine letzte Wissenschaftsshow „Quarks“ moderiert. Digitale Geräte wie Laptop, Tablet, Smartphone und Co. haben starken Einfluss auf unser Verhalten, sie beeinflussen unser Denken und Fühlen, so Yogeshwar. Die Smartphones von heute hätten dabei mehr Speicherkapazität als ein ganzes Rechenzentrum vor 20 Jahren.

„Das ist ein globales Phänomen. Das erst elf Jahre alte Smartphone wird wie eine Hostie für Selfies hochgehoben. Wir werden dadurch gleichzeitig zum Sender und Empfänger in den sozialen Netzwerken.“

Pepper ist der kleine fahrende Roboter mit Herz.

In seinem Vortrag ging der beliebte Quarks-Moderator auf die rasante technische Entwicklung ein, prognostizierte, dass die Maschinen beginnen, uns zu programmieren und wir bald nicht mehr zwischen ihrer und menschlicher Intelligenz unterscheiden können. Schon jetzt gebe es in bestimmten Bereichen Deep-Learning-Systeme, die dem Menschen bei manchen Entscheidungen überlegen seien wie beispielsweise in der Medizin. „Künstliche Intelligenz wird unser Leben fundamental verändern. Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter nutzen das aus. Sie verbinden Algorithmen und beeinflussen so die Meinungsbildung der User. Falsche Informationen verbreiten sich schneller als korrekte Nachrichten“, so Ranga Yogeshwar.

„Fortschritt heißt: Ich will, nicht ich muss.“

Laut dem Physiker wird sich das gesamte Verhalten der Menschheit durch solche Entwicklungen immer weiter verändern; aus Massenmedien werden die Medien der Masse. Fake-News, etwa von US-Präsident Donald Trump, führen zu unterschiedlichen Wahrheiten.

In seinem Vortrag warf Yogeshwar deshalb auch wichtige Fragen in den Raum: Dürfen wir uns austauschen lassen durch Maschinen? Sind wir noch in der Lage die Stimme am Telefon einem Mensch oder einer Maschine zuzuordnen? Kann man den Bildern und Videos noch trauen? Was ist mit moralischen Prinzipien? Wollen wir eine digitale Zukunft per Mausklick? „Die digitale Entwicklung muss zivilisiert werden. Fortschritt heißt: Ich will, nicht ich muss. Es ist wichtig über die Sache zu reden. Wir können die Gegenwart gestalten, wir haben die Chance und die Verantwortung. Es gibt mehr als Businessmodelle aus Kalifornien“, lautete das Fazit des Elementarteilchenphysikers am Ende seines fesselnden, einstündigen Vortrags.

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