Mescheder Bürgermeisterkandidaten stellen sich Podiumsdiskussion

Ruhige Hand und klare Kante

Die beiden Bürgermeisterkandidaten Christoph Weber (CDU, links im Bild) und Jürgen Lipke (SPD) verdeutlichten ihre Standpunkte am Montag in einem Rededuell in der Stadthalle. Foto: LL

Von der vielerseits beklagten Politikverdrossenheit war am Montagabend in der Stadthalle Meschede nichts zu spüren. Knapp 300 interessierte Besucher verfolgten auf Einladung der Interessengemeinschaft Mescheder Wirtschaft (IMW) mit großer Spannung das erste Rededuell zwischen Jürgen Lipke (SPD) und Christoph Weber (CDU), die beide für das Amt des Bürgermeisters der Kreis- und Hochschulstadt kandidieren.

Vier Wochen vor der Wahl nutzen beide Kandidaten die Gelegenheit, sich und ihr Programm einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Dabei wurde von Anfang an deutlich, dass die Hauptakteure ihre jeweiligen Trumpfkarten gezielt auszuspielen verstanden. Sozialdemokrat Jürgen Lipke betonte bereits in seiner persönlichen Vorstellung, dass er im Amt des Bürgermeisters auf den Dreiklang aus Führungswissen, Verwaltungs-Know-how und langjähriger Politikerfahrung setzen werde. Er warb für ein Bürgerbeteiligungskonzept und mehr Transparenz. „Bei mir kommen alle an einen Tisch und alles auf den Tisch.“

Sein politischer Gegner Christoph Weber kann insbesondere auf die verwaltungswissenschaftliche Komponente nicht in vergleichbarer Form zurückgreifen. Daraus macht der Christdemokrat aber auch gar keinen Hehl. „Das muss kein Nachteil sein“, erklärte der 49-Jährige, der sich selbst freimütig als „politischen Quereinsteiger“ bezeichnet. Er sei vor allem fest in den Wirtschaftsstrukturen verwurzelt und werde das Amt des Bürgermeisters im Falle einer Wahl mit „zutiefst bürgerlichem Verständnis“ bekleiden.

Diese unterschiedlichen Grundhaltungen spiegelten sich auch im Verlaufe der Podiumsdiskussion, die von den beiden Moderatoren Nicola Collas und Patrick Feldmann gewohnt charmant und souverän geleitet wurde, bei den drei Themenblöcken „Wirtschaft/Finanzen“, „Stadtentwicklung/Tourismus“ und „Bildung/Soziales/Sicherheit“ wider.

„Auch mal mehr Geld in die Hand nehmen“

SPD-Kandidat Lipke warb in wirtschaftlicher Hinsicht massiv dafür, junge Leute in der Region zu halten. Dafür wolle er eine sogenannte Gründungsinitiative ins Leben rufen, und im Zusammenspiel mit IHK, HWK, Banken und der Stadt Beratungsangebote und konkrete Hilfen für Gründungswillige zu schaffen. Anders sieht dies wiederum Christoph Weber. Natürlich müsse man sich darum bemühen, junge Erwachsene vom Abwandern abzuhalten, aber, so erklärte der CDU-Politiker, aus seiner eigener Unternehmenserfahrung heraus sei die Gründerwelle mittlerweile abgeebbt. „Hier sehe ich nicht den Boom, der uns massive Arbeitsplatzgewinne beschert“, verdeutlichte Weber. Er wolle in puncto Wirtschaftskraft verstärkt auf die Ausweisung hochwertiger Gewerbeflächen wie etwa Enste-Nord setzen und notfalls „auch mehr Geld in die Hand nehmen“.

Bezüglich der städtischen Finanzlage betonten beide Kandidaten, an dem angestrebten Ziel des ausgeglichenen Haushalts 2022 festhalten zu wollen. Während Jürgen Lipke für den Fall seiner Wahl einen umfassenden „Kassensturz“ ankündigte, hob Christoph Weber besonders partnerschaftliche Finanzierungsmodelle wie bei der geplanten Umgestaltung der Fußgängerzone hervor. Der Unions-Politiker, der im Laufe der Diskussion immer wieder auf seine fünf „Weber-Punkte“ (Familie, Jugend und Bildung; Wirtschaft und Arbeit; Stadt, Land, Fluss; Vielfalt und Generationen; sowie Ehrenamt, Kultur, Sport) verwies, kündigte zudem an, Meschede zu „einer der familienfreundlichsten Städte im HSK“ machen zu wollen. Jürgen Lipke wiederum möchte vor allem die frühkindlichen Betreuungsmöglichkeiten ausbauen.

Beifall und Kritik

Viel Beifall erhielt Christoph Weber für seine massive Kritik an der Schließung der Förderschulen und seine Ankündigung, bis zuletzt für den Erhalt der Grundschulen und des Teilstandortmodells kämpfen zu wollen, „auch wenn man sich mit Düsseldorf anlegen muss“. Jürgen Lipke hingegen punktete beim Publikum mit der Forderung, für Meschede eine Notfallambulanz einzurichten und der Ankündigung, dass die Stadt für das umstrittene Meschede Center unbedingt „einen Plan B“ benötige. Einig waren sich beide Kandidaten wiederum in dem Vorhaben, „Windkraft mit Augenmaß“ betreiben und in der Flüchtlingsfrage schnellstmöglich unbürokratische Hilfe leisten zu wollen. Aber während der CDU-Kandidat, der für eine "offene Willkommenskultur" plädiert, in der Flüchtlingsfrage „eine Chance und enorme finanzielle Belastung“ sieht, stieß sich der Sozialdemokrat an genau dieser Begrifflichkeit. „Der Begriff Chance und Belastung gefällt mir nicht“, widersprach Lipke –  Flüchtlinge seien in allererster Linie "Menschen in Not, die zu uns kommen".

Widerspruch erregte Webers Bemerkung zu Flüchtlingen: „Es ist eine Chance und eine enorme finanzielle Belastung“, sagte er. Weber ist für eine „offenherzige Willkommenskultur“, erwähnte aber eben auch die große Zahl an Wirtschaftsflüchtlingen. „Der Begriff Chance und Belastung gefällt mir nicht“, entgegnete Lipke – er verstehe die Not auch von Wirtschaftsflüchtlingen aus Serbien: „Flüchtlinge sind Menschen in Not, die zu uns kommen. Diese Herausforderung müssen wir aufgreifen.“

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http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-meschede-eslohe-bestwig-und-schmallenberg/viele-gemeinsamkeiten-id11002434.html#plx1108952759

Widerspruch erregte Webers Bemerkung zu Flüchtlingen: „Es ist eine Chance und eine enorme finanzielle Belastung“, sagte er. Weber ist für eine „offenherzige Willkommenskultur“, erwähnte aber eben auch die große Zahl an Wirtschaftsflüchtlingen. „Der Begriff Chance und Belastung gefällt mir nicht“, entgegnete Lipke – er verstehe die Not auch von Wirtschaftsflüchtlingen aus Serbien: „Flüchtlinge sind Menschen in Not, die zu uns kommen. Diese Herausforderung müssen wir aufgreifen.“

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Doch egal, ob man eher ein Anhänger der „Politik der ruhigen Hand“ a la Angela Merkel oder der „klaren Kante“ wie einst Franz Müntefering ist, aufschlussreich für die Wahl am 13. September war dieser Abend allemal – darüber waren sich alle Beteiligten im Anschluss einig.

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