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Warnstreik bei der Brauerei Veltins: Rund 120 Mitarbeiter auf der Straße

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Von: Claudia Metten

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Nach der erfolglosen ersten Tarifrunde streikten am Mittwoch zwei Stunden lang rund 120 Mitarbeiter der Veltins Brauerei in Grevenstein.
Nach der erfolglosen ersten Tarifrunde streikten am Mittwoch zwei Stunden lang rund 120 Mitarbeiter der Veltins Brauerei in Grevenstein. © claudia metten

Der Bierkonsum im Hochsauerlandkreis ist hoch: Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Südwestfalen (NGG Südwestfalen) ließen sich im vergangenen Jahr die über 16-Jährigen in NRW im Schnitt 143 Liter Bier pro Kopf schmecken. Auch die Beschäftigten der Brauerei Veltins in Grevenstein wollen nun einen „Schluck aus der Pulle“ und fordern daher mehr Lohn und zwar 430 Euro pro Monat. Bei einem Warnstreik am vergangenen Mittwoch machten sie ihre Forderungen deutlich.

Grevenstein – „Wir hatten in der ersten Tarifverhandlung 430 Euro für Arbeitnehmer und 150 Euro für Auszubildende gefordert. Doch die Arbeitgeber machten kein Angebot“, betonte Isabell Mura, Geschäftsführerin der NGG Südwestfalen.

Unterstützung von anderen Brauereien

Nach der erfolglosen ersten Tarifrunde streikten am Mittwoch zwei Stunden lang rund 120 Mitarbeiter der Veltins Brauerei mit gelber Warnweste und Trillerpfeifen. Am kommenden Montag, 13. März, erwarten Angestellte und Gewerkschaft gleichermaßen ein verhandelbares Angebot vom Arbeitgeber. Ansonsten heißt es: „Es wird nachgelegt und der Streik wird ausgedehnt.“ Um sich solidarisch zu zeigen, waren zum ersten Warnstreik in der Brauereigeschichte, zahlreiche Mitarbeiter von der Warsteiner, Krombacher, DAB und Diebels Brauerei nach Grevenstein gekommen. Thomas Engelsiepen aus Issum vom Niederrhein: „Wir sind nach Grevenstein gekommen, weil wir in der Tarifkommission für das gleiche streiken. Gemeinsam unterstützen wir Brauer unsere Kollegen von der Veltins Brauerei.“

Das sagt die NGG

Betriebsrat, Mitarbeiter sowie Isabell Mura stellten klar heraus, dass sie nicht zwei Stunden zum Spaß vor der Veltins Brauerei ständen. Ihr Ziel sei es, sich nicht abspeisen zu lassen, da „der Einkaufswagen inzwischen nur noch halb so voll ist aufgrund der hohen Inflation von zehn Prozent“. „Die Arbeitgeber müssen Rücksicht auf die Arbeitnehmer nehmen und mehr Geld bezahlen. Sie sollen etwas Verhandelbares auf den Tisch legen“, so Mura weiter. Man habe während der Pandemie schließlich genug Rücksicht genommen und auf Lohnerhöhungen verzichtet, obwohl 2022 das umsatzstärkste Jahr der Veltins Brauerei gewesen sei. Veltins habe ein Absatzplus von 8,4 Prozent und ein Umsatzplus von 15,7 Prozent eingefahren, 57 Millionen Euro mehr als 2021 erwirtschaftet. Veltins sei gestärkt aus der Krise herausgegangen.

Wir streiken hier, weil wir hinter unserem Betriebsrat stehen. Wir wollen unsere Forderungen durchsetzen, das haben wir verdient.

Martin Schröder aus Arnsberg

Mura wirft den Sauer- und Siegerländer Brauereien darum vor, die Beschäftigten „weit unter der Inflationsmarke abspeisen zu wollen“. Das ließen sich die Belegschaften der Brauereien allerdings nicht länger gefallen. „Wir streiken hier, weil wir hinter unserem Betriebsrat stehen. Wir wollen unsere Forderungen durchsetzen, das haben wir verdient“, so Martin Schröder aus Arnsberg.

Das sagt Veltins

Auch die Brauerei Veltins meldete sich in einer Stellungnahme zu Wort: „Die Brauerei C. & A. Veltins, Meschede-Grevenstein, hält den von der NGG initiierten Warnstreik für das falsche Signal, um zu einem einvernehmlichen Interessensausgleich zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite zu kommen. Dabei herrsche auf beiden Seiten Einigkeit darüber, dass die Mitarbeiter angesichts der Inflation Lohnsteigerungen erreichen müssen. Es ist in der Tarifgeschichte der Sauerländer und Siegerländer Tarifgemeinschaft ein einmaliger Vorgang, dass die Gewerkschaft bereits vor der zweiten Verhandlungsrunde das zweifellos legitime Mittel des Warnstreiks anwendet, um ihrer Forderung Ausdruck zu verleihen. In ihrer streikbegleitenden Argumentation scheint die NGG Realitäten im Status des NRW-Biermarktes schlichtweg zu übergehen. Tatsächlich ist der Absatz der NRW-Brauereien 2022 zwar gewachsen, befindet sich aber immer noch unter Vor-Pandemieniveau.“

Die Brauerei C. & A. Veltins, Meschede-Grevenstein, hält den von der NGG initiierten Warnstreik für das falsche Signal, um zu einem einvernehmlichen Interessensausgleich zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite zu kommen. 

Brauerei Veltins

In ihrem Streikaufruf habe die NGG außer Acht gelassen, dass die heimischen Brauer allein im letzten Jahr Millionen Euro Mehrausgaben leisten mussten, die nicht von Preiserhöhungen aufgefangen werden konnten und seither die Unternehmen dramatisch belasten. „Jetzt spielt Augenmaß eine große Rolle“, heißt es weiter. Die Traditionsbrauerei geht davon aus, dass auch die zweite Verhandlungsrunde in der Tarifkommission der Sauerländer und Siegerländer Brauereien in konstruktiver Atmosphäre stattfinden wird.

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