„Kirche muss sich erneuern“

Rund 200 Menschen nehmen an Kirchenstreik in Meschede teil

Bei einem alternativen Gottesdienst vor der Kirche Mariä Himmelfahrt waren knapp 200 Menschen anwesend.

Meschede. „Wir Frauen wollen eine echte Erneuerung unserer Kirche. Wir wollen mitgestalten und mitbestimmen“ – so lautete der Aufruf der Initiative Maria 2.0 für den Kirchenstreik, der am Samstag, 18. Mai, endet. Draußen bleiben, keine Kirchen betreten und keine ehrenamtlichen Tätigkeiten ausüben und damit die „Kirche wachküssen“ sind dabei der Kern der Aktion. Auch in Meschede sind seit dem vergangenen Samstag viele Menschen dem Inneren der Gotteshäuser fern geblieben. Angelika Haude, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Mariä Himmelfahrt, schildert im Gespräch mit dem SauerlandKurier ihre Eindrücke und berichtet, ob es aus ihrer Sicht gelungen ist, die „Kirche wachzuküssen“.

Vor der Kirche Mariä Himmelfahrt in Meschede versammelten sich am vergangenen Sonntag knapp 200 Menschen zu einem alternativen Gottesdienst– sie öffneten die Türen des Gotteshauses nicht, blieben draußen. 

„Die Menschen, die dort waren, teilen unsere Sorgen, wie es mit der Kirche weitergeht. Die Kirche muss sich erneuern“, betont Haude. Das sei auch in der anschließenden Diskussion deutlich geworden. „Wir haben viel über die aktuellen Themen gesprochen wie etwa die Missbrauchsfälle und auch die Rolle der Frauen in der Kirche.“ Und genau das sei auch das Ziel gewesen: „Unsere Intention war, dass über diese ganzen Dinge gesprochen wird und somit haben wir unser Ziel natürlich erreicht.“ 

Spagat zwischen alter und neuer Meinung

Haude zeigt sich beeindruckt von der Teilnehmerzahl und von der positiven Resonanz der Anwesenden. „Es waren zum Beispiel auch Teilnehmer aus Warstein, Medebach und Schmallenberg anwesend“, freut sich die 58-Jährige. In diesen Orten habe es in dieser Woche keine Streikaktionen gegeben. „Es waren zwar nicht so viele aus den umliegenden Orten, aber doch einige. Und sie haben gesagt: ,Wir stehen hier für 50 andere‘. Sie haben Präsenz für ihren Ort gezeigt.“

Präsenz gezeigt hätten auch zahlreiche Männer, die den Streik unterstützen wollten. Dabei imponierte ihr vor allem ein Mann. „Der Herr hat nun bereits seit 20 Jahren keine Kirche mehr betreten, weil er von der Kirche enttäuscht und verletzt wurde“, berichtet Haude. 

Trotzdem sei er aber immer noch ein gläubiger Christ. „Er hat mir gesagt, dass er beeindruckt von unserer Aktion sei und dass er für sich vieles mit nach Hause nehme.“ Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Mariä Himmelfahrt zeigt sich zufrieden, dass die Aktion viele Gläubige erreicht hat und betont, dass alle Anwesenden Unterstützer des Streiks gewesen seien. 

„Bei dem Gottesdienst gab es nur positive Äußerungen. Trotzdem gibt es natürlich durchaus auch negative Stimmen von Katholiken, die die Kirche so beibehalten möchten, wie sie ist.“ Das sei aber völlig legitim. 

„Wir leben schließlich in einer Demokratie. Es wird aber auf jeden Fall spannend sein, wie der Spagat zwischen unserer Meinung und der Ansicht der alteingesessenen Katholiken zukünftig gemeistert wird.“

„Ein langer Weg“

Nach Beendigung des Kirchenstreiks planen die Mescheder Frauen nun einen Dialog mit Pfarrer Michael Schmitt, Leiter des Pastoralverbundes Meschede Bestwig. „Wir werden unsere Sorgen äußern und unsere Forderungen stellen“, erklärt Angelika Haude.

Längerfristiges Ziel sei es an die höheren Ebenen in Paderborn heranzutreten. „Das wird natürlich ein langer Weg werden. Aber wir haben nun den ersten Schritt getan und etwas angestoßen und man muss auch immer etwas provozieren.“ 

Ob es einen weiteren Kirchenstreik geben wird, ist aktuell noch nicht klar.

In der nahen Zukunft könne man sicherlich nichts verändern, aber im Laufe der Zeit sei vielleicht durchaus eine Erneuerung der Kirche möglich. „Wir müssen natürlich auch erst einmal die Reaktionen aus Paderborn abwarten.“ 

Man erhoffe sich auf jeden Fall auf lange Sicht, dass es für Missbrauch in der Kirche eine schonungslose Bestrafung geben werde und auch dass das Priestertum der Frauen vorangetrieben werde. 

"Junge Menschen motivieren"

„Wir müssen natürlich auch mal gucken, was wir hier vor Ort schon alles machen können.“ Dabei gehen die Gedanken von Angelika Haude vor allem auch in Richtung der jüngeren Gemeindemitglieder. „Meine Kinder waren früher zum Beispiel auch Messdiener. Nun sagen sie ganz klar: ,Mama ich bin zwar gläubig aber die Kirche bringt mir nichts’.“ 

Abhilfe könnten dabei laut Haude auch die Gemeindereferenten bringen. „Sie haben auch alle eigene Familien und haben ganz andere Möglichkeiten, junge Menschen und junge Familien zu motivieren“, so die 58-Jährige. 

Ob es in naher Zukunft eine ähnliche Aktion geben werde, sei noch nicht klar. In Münster überlege man derzeit, den Streik im nächsten Jahr zu wiederholen. „Wir wollen natürlich nicht, dass das nun alles im Sand verläuft. Wir warten nun erst einmal ab und sind natürlich offen für eine neue Aktion“, so Haude abschließend.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare