„Dreiste Unverschämtheit“

Mehrere Hundert Metaller beteiligen sich an Warnstreik

Bei der Kundgebung auf dem Mescheder Stiftsplatz untermalten die streikenden Metaller ihre Forderungen auch optisch und akustisch. Foto: Jana Sudhoff

Meschede. Eine neue Phase in der Tarifrunde zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber wurde auch in Meschede eingeläutet. Bei Martinrea Honsel gab es am Mittwochmorgen zum Auftakt des Warnstreiks eine Runde Wecker. „Ein Symbol, dass die Arbeitgeber von ihren Träumen aufgeweckt werden“, sagte Verena Ridder, Betriebsratsvorsitzende. Um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen, waren anschließend rund 300 Honselaner mit Plakaten und Fahnen durch die Mescheder Innenstadt gezogen.

„Das war ein beeindruckendes Bild“, freute sich Wolfgang Werth, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Arnsberg, bei der Kundgebung auf dem Mescheder Stiftsplatz. Bereits am Dienstag habe man in ganz NRW die 100.000er Marke geknackt. „Das zeigt, dass wir für die Auseinandersetzung gewappnet sind“, so Werth, der in seiner Rede ausführte, warum er die Forderungen nach sechs Prozent mehr Geld und die Möglichkeit auf eine Reduzierung der Arbeitszeit für gerechtfertigt halte. „Das Leben ist kein Tempomat“, sagte Wolfgang Werth. Man könne auch im Berufsleben nicht immer Gas geben, führte der Gewerkschafter unter anderem aus, dass es Zeiten gebe – wie Pflegefälle in der Familie, Kinderbetreuung, gesundheitliche Probleme –, in denen die Beschäftigten Arbeitszeiten in Anspruch nehmen möchten, „die zu unserem Leben passen“, ohne danach in der Teilzeitfalle hängen zu bleiben.

In das gleiche Horn stieß Lea Stuhldreier als Jugendvertreterin der Honselaner. „Es könnte eine Zeit kommen, in der mich meine Eltern brauchen. Deshalb ist es wichtig, heute den Grundstein dafür zu legen.“ Als Sprecherin der Auszubildenden und Dual-Studierenden sei sie besonders stolz auf die Forderung der Jugend nach „einem freien Tag vor jedem Teil der Prüfung.“ Und in Zeiten von vollen Auftragsbüchern sollte „auch für Azubis mehr Geld drin sein“, betonte sie.

„Auf die Honselaner ist seit Jahren Verlass“

Unisono bezeichneten die Redner die von den Arbeitgebern angebotenen zwei Prozent Gehaltserhöhung als „dreiste Unverschämtheit“. Den Vorwurf der Arbeitgeber, die Forderung nach sechs Prozent sei maßlos, entkräftete Werth mit einem Verweis auf die boomende Wirtschaft. „Lohnerhöhungen haben da noch nie geschadet. Jeden Euro, den wir im Portemonnaie haben, können wir auch mehr ausgeben. Sechs Prozent das ist drin, das haben wir uns erarbeitet“, so Werth weiter.

„Ich erwarte mindestens vier Prozent“, sagte Martina Dravenau (Betriebsratsmitglied bei Honsel). „Sonst gehen wir nochmal raus.“ Viel Zuspruch erfahre sie jetzt schon aus ihrem Bekanntenkreis. „Die halten unsere Forderungen mehr als gerechtfertigt.“ Vor allem die mögliche Verkürzung auf 28 Stunden hält sie selbst, auch weil es zeitlich begrenzt ist, für eine super Idee.

„Die Arbeitgeber können sich bei der Flexibilität nicht nur die Rosinen herauspicken, sie müssen auch was zurückgegeben“, unterstrich auch Verena Ridder derweil am Mikrofon auf der Bühne. Bekommen möchten die Metaller eine „Lösung für das gesamte Forderungspaket“, wie Wolfgang Werth betonte,

Der Erste Bevollmächtigte zeigte sich derweil schon einmal sehr zufrieden mit der Resonanz beim Warnstreik. „Auf die Honselaner ist seit Jahrzehnten Verlass.“ Insgesamt hätten sich mehr als 600 Honsel-Beschäftigte an dem Warnstreik beteiligt. Bereits die Honsel-Nachtschicht habe um 4 Uhr morgens das Licht gelöscht und auch die Spätschicht würde sich an dem Warnstreik beteiligen. Abordnungen zum Mescheder Stiftsplatz hatten auch die Bestwiger Unternehmen Tital und Busch geschickt. „In beiden Betrieben rechne ich auch mit mehr als 800 Beteiligten“, bilanzierte Werth.

Streik der IG Metall in Meschede

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