Martin Hengesbach hat die Hoffnung im Gepäck

Spendenmarathon Oslo-Norwegen bringt über 7.000 Euro im Kampf gegen Kinderdemenz

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Endlich am Ziel: Nach 14 Tagen und 660 Kilometern erreichten die Extremwanderer Martin Hengesbach (l.) und Stefan Fricke Trondheim.

Oslo/Trondheim/Eversberg - Fjorde mit atemberaubender Fernsicht, verwunschene Wälder und Hochmoore sowie Seen mit smaragdgrünem Wasser – so malerisch die Kulisse auch war, für den Eversberger Martin Hengesbach und seinen Laufpartner Stefan Fricke bedeutete die eindrucksvolle Natur Norwegens eine echte Herausforderung. In 14 Tagen und nach 660 Kilo- und 20.300 Höhenmetern haben die beiden Abenteurer ihren Spendenmarathon von Oslo nach Trondheim mit Bravour gemeistert – ihr Kampf gegen die Krankheit Kinderdemenz indes geht unvermindert weiter.

Nein, wie jemand, der in den letzten zwei Wochen mit 15 Kilogramm schwerem Rucksack durch die norwegische „Prärie“ gewandert ist und dabei die 32 Etappen des bei Pilgern beliebten Olavsweg in gerade einmal 14 Tagen zurückgelegt hat (das bedeutet zwei bis zweieinhalb Etappen pro Tag), sieht Martin Hengesbach bei seiner Stippsiviste in der KURIER-Redaktion wahrlich nicht aus. Im Gegenteil, der 55-Jährige wirkt frisch, agil und vor allem tiefenentspannt. „Das ist etwas, was mich an den Norwegern am meisten beeindruckt hat – ihre Gelassenheit“, berichtet der Eversberger mit funkelnden Augen. „Deshalb will ich versuchen, ein kleines bisschen von dieser Gelassenheit auch in meinen Alltag zu retten.“

Auf die richtige Vorbereitung kommt es an 

Bisher ist ihm das gelungen – allerdings ist der zweifache Familienvater auch erst seit knapp einer Woche wieder zurück. Körperlich, so Martin Hengesbach, gehe es ihm erstaunlich gut. Er sei zwar muskulär etwas müde, dafür sei die „Birne“ so richtig frei. Umgerechnet fünf Kilogramm hat der 1,96 Meter Schlaks auf seiner Tour abgenommen – dabei zwei Prozent Körperfettmasse verloren und 2,7 Prozent Muskelmasse zugelegt. „Wir waren auf den Punkt topfit. Überhaupt ist die richtige Vorbereitung bei so einer Extrembelastung das A und O“, weiß der Gesundheits- und Ernährungsberater. 

Impressionen vom Spendenmarathon Oslo-Trondheim 

57 Kilometer an einem Tag 

Deshalb hatte er alle Etappen inklusive eventueller Übernachtungsmöglichkeiten im Vorfeld bereits durchgeplant. „Am Ende kommt es aber natürlich doch immer anders“, sagt Hengesbach schmunzelnd. So hatten die beiden Abenteurer beispielsweise bei einer Etappe bereits 46 Kilometer und unzählige Steigungen (teils von 0 auf 1350 Meter) in den Knochen, als sie feststellen mussten, dass die als Übernachtungsziel angedachte Hütte verschlossen war. „Da war es 19 Uhr und wir hatten die Wahl -– entweder Zelt aufbauen oder noch elf Kilometer weiter bis zur nächsten Hütte laufen.“ Sie entschieden sich für Option zwei – und kamen nach dann 57 Kilometern (an einem Tag!) gegen 22 Uhr am nächtlichen Quartier an.

"Es ist alles reine Kopfsache."

Um derartige Strapazen an der Grenze des Machbaren aushalten zu können, kommt es neben mentaler Stärke („Es ist alles reine Kopfsache – Aufgeben kommt sowieso nicht infrage“) auch auf das richtige Material an. Während der Eversberger von Anfang an „auch durch Glück“ auf das richtige Schuhwerk setzte und die gesamten 660 Kilometer ohne Blasen oder andere Malaisen überstand, hat es seinen Kumpel Stefan Fricke gleich nach der ersten Etappe erwischt – Bluterguss unter dem Fuß. „Aber zum Glück ist Stefan ein harter Hund“ – und hat als ehemaliger Fanbetreuer gute Kontakte zum SC Paderborn. Mithilfe des Physiotherapeuten des Bundesligateams bekam Fricke die Probleme in den Griff.

"Gigantisch schön" nennt Martin Hengesbach die eindrucksvolle Landschaft Norwegens.


Nicht die einzige Anekdote, an die sich Martin Hengesbach mit einem leichten Magengrummeln erinnert. Auch die vier Tage Dauerregen („Uns ist stellenweise das Wasser aus den Schuhen geflossen“) – gleichbedeutend mit zwei bis drei Kilogramm schwererem Gepäck – und gefährlich rutschige Steilhänge haben den beiden Wanderern das Leben erschwert. Entschädigt wurden sie hingegen mit der einzigartigen Weite der norwegischen Natur, unzähligen Begegnungen mit besonderen Menschen und Übernachtungen an ungewöhnlichen Orten (unter anderem ein Kinderspielplatz, ein Hühnerbauernhof oder ein historisches Filmset, das zur Pilgerunterkunft umgebaut wurde).

„Wir freuen uns über jede weitere Spende."

Über allem stand für das Duo aber stets der gute Zweck. Schließlich wollen sie mit dem Spendenerlös der Hamburger NCL-Stiftung unter die Arme greifen, die geeignete Medikamente gegen Kinderdemenz, eine unheilbare Stoffwechselkrankheit, die bereits in jungen Jahren unweigerlich zum Tod führt, erforscht. Mit ihrem Outfit und der norwegischen Aufschrift ,Spendenmarathon Oslo-Trondheim‘ sorgten die beiden Abenteurer schnell für Gesprächsstoff und waren in Norwegen bald als die „verrückten Deutschen“ im Sinne der guten Sache bekannt. So konnten auch privat nochmal einige Spenden gesammelt werden, sodass mit den 15 Hauptsponsoren der Tour (fünf davon aus dem HSK) zurzeit rund 7.000 Euro zusammengekommen sind. „Wir freuen uns über jede weitere Spende – also nicht nur wir, sondern vor allem die Kinder und deren Familien“, so Martin Hengesbach.

Weitere Informationen zur Krankheit Kinderdemenz gibt es auf der Homepage der NCL-Stiftung
Die Möglichkeit zur Spende inklusive direktem Link zu einem Paypal-Konto findet sich auf Socialxtremesports

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