Speziell für türkische Eltern

Erstmals hat das Team der Frauenberatungsstelle in Meschede in Kooperation mit dem Johanneskindergarten einen Informationsnachmittag zur Präventation von sexuellem Missbrauch für türkische Eltern angeboten: (v.li.) Birgül Özcetin, Barbara Hönsch, Gabriele Kersting und Ursula Kochsiek. Foto: Björn Theis

Präventionsarbeit gegen sexuellen Missbrauch leistet die Frauenberatungsstelle des Frauenzentrums Meschede bereits seit über 15 Jahren. In Kooperation mit dem Familienzentrum Johanneskindergarten in Meschede wurde jetzt erstmals ein Informationsnachmittag für türkisch sprechende Eltern angeboten. Auf andere Einrichtungen soll dieses Angebot bei Interesse nun ausgeweitet werden.

Solche Informationsveranstaltungen haben bereits in verschiedenen Kindergärten stattgefunden. Allerdings wurden dabei nur selten auch türkische Eltern erreicht. "Deshalb kam bei uns der Gedanke auf, die Konzeption so zu gestalten, gezielt Eltern anzusprechen, die nicht gut Deutsch sprechen können", so Gabriele Kersting vom Frauenzentrum.

Die Präsentation wurde zweisprachig angeboten, als Übersetzerin unterstützte Birgül Özcetin das Team des Frauenzentrums, die auch ein wichtiges Bindeglied zu den türkischen Müttern darstellte. Kersting: "Wir haben die Schwelle bewusst niedrig gehalten und bereits die Einladung in türkischer Sprache verschickt, damit es nicht daran schon scheitert."

An der Premiere im Johannes-Kindergarten nahmen acht türkische Mütter teil. Bewusst sollen die Veranstaltungen auch künftig im kleinen Rahmen stattfinden. "Ein geschützter Raum ist wichtig, damit die Eltern sich trauen, über das Thema zu sprechen", erklärte Barbara Hönsch vom Frauenzentrum.

Für die Initiatoren war es spannend zu sehen, wie die türkischen Eltern mit dem Thema Missbrauch und Sexualerziehung umgehen. Birgül Özcetin hatte sich eigens um Aufklärungsmaterial aus ihrem Heimatland bemüht. "Die türkischen Eltern haben sehr offen über die Themen gesprochen. Es war eine engagierte Diskussion", so der Eindruck von Ursula Kochsiek vom Familienzentrum Johanneskindergarten.

Im Laufe der Gespräche wurden die unterschiedlichen Wahrnehmungen zwischen den Kulturkreisen deutlich. "Küssen und Umarmen sind in der Türkei eine selbtverständliche Sache", so Kosiek. Folglich ist auch die Hemmschwelle "Nein" zu sagen eine andere.

Einen weiteren Unterschied hat Gabriele Kersting festgestellt: "Viele der türkischen Eltern waren der Ansicht, dass es sich bei sexuellem Missbrauch überwiegend um Fremdtäter handelt. Fakt ist, dass die Täter in der Regel aus dem nahen sozialen Umfeld der Mädchen und Jungen stammen." Nach der gelungenen Premiere im Johanneskindergarten hoffen die Beteiligten des Frauenzentrums nun, mit dem Projekt auch türkische Eltern von anderen Einrichtungen für das Thema sexueller Missbrauch sensibilisieren zu können.

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