„Innovative Schritte wagen“

Stadt wird Vorreiter bei Photovoltaik: Verträge mit Solarfirma unterschrieben

Meschede Stromerzeugung
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Freuen sich, dass Meschede eine Vorreiterfunktion in der Eigenproduktion von Energie einnehmen kann: (v.li.): David Holdenried, Bürgermeister Christoph Weber, Fachbereichsleiter Heinz Hiegemann und Cedric Nunes.

Meschede – Die Diskussionen laufen seit Mai 2019, jetzt wurden die Verträge unterzeichnet: Die Stadt Meschede hat mit dem Unternehmen Solar the World (STW) drei Verträge über die Nutzung städtischer Dachflächen für Photovoltaikanlagen geschlossen.

Die Stadt verpachtet die Dachflächen an STW. STW baut die Anlagen und verpachtet diese zur Stromerzeugung an die Stadt. Der dritte Vertrag betrifft die technische Betriebsführung der Anlagen durch STW-development.

„Strombedarf teilweise mit Photovoltaikanlagen decken“

Ziel der Stadt Meschede sei es, so betont Bürgermeister Christoph Weber, „aus Klima- und Umweltschutzgründen sowie zur Senkung der Stromkosten unseren Strombedarf zumindest teilweise mit Photovoltaikanlagen zu decken“. Um das Thema möglichst breit aufstellen zu können, analysierte die Verwaltung der Stadt Meschede zunächst, auf welchen Dachflächen die Solarnutzung möglich wäre. 36.490 Quadratmeter Dachfläche auf städtischen Gebäuden werden derzeit unter die Lupe genommen: Dachlasten, Statik und Bauzustand sind nur einige der Kriterien. Anschließend wurden in einem Bewerbungsverfahren interessierte Nutzer und Firmen zur Abgabe eines Angebotes über die Nutzung/Anpachtung der Flächen aufgefordert. Der Firma gab der Stadt den Zuschlag.

Das Unternehmen aus Grünwald ist Photovoltaikanlagenentwickler, realisiert Projekte für private Hausbesitzer, Gewerbetreibende und Kommunen. Drei der fünf Gesellschafter haben sogar einen Draht ins Sauerland: Cedric Nunes, David Holdenried und Daniel Schulz-Vernholz sind in Meschede aufgewachsen. Solar the World wird die Photovoltaikanlagen nebst Nebenanlagen wie Verkabelung, Wechselrichter und Steuerung auf geeigneten Dachflächen städtischer Gebäude errichten. Wert: rund 2,2 Millionen Euro.

Die Stadt Meschede pachtet die Anlagen dann von der STW zur Erzeugung von Strom für die Eigenversorgung des Gebäudes. Die Stadt Meschede zahlt für ihren Strom-Eigenverbrauch aus der Anlage ein Pachtentgelt in Höhe eines Kilowattstunden-Preises, der vertraglich festgelegt dauerhaft zwei Cent pro Kilowattstunde unterhalb der des sonstigen Energieversorgers liegt. Zusätzlich erhält die STW die Einspeisevergütung des Netzbetreibers (EEG-Vergütung) als Pachtentgelt. Im Ergebnis zahlt die Stadt somit zukünftig zwei Cent weniger je produzierter und eigenverbrauchter Kilowattstunde aus der PV-Anlage.

Bürgermeister macht Vorteile aus

Außerdem überträgt die Stadt die technische Betriebsführung der Photovoltaik-Anlage auf die STW-development. Die STW-development wird die Anlagen in technischer Hinsicht führen. Damit möchte die Stadt Meschede die eigene Verwaltung von technischen Arbeiten entlasten, die regelmäßig beim Betrieb der PV-Anlagen anfallen. Die Kosten dafür decken sich mit dem von STW zu zahlenden Entgelt für die Nutzung der Dachflächen.

Nach Ablauf der Vertragslaufzeit (15 bis 20 Jahre) gehen die Anlagen ohne weitere Abschlagzahlungen in das Eigentum der Stadt zur Eigennutzung über. Sie werden dann voraussichtlich noch mindestens 20 weitere Jahre genutzt werden können. Das Einsparpotential ab dem Eigentumsübergang würde bei Annahme der heutigen Strompreise bei etwa 1,8 Millionen Euro für 20 Jahre liegen.

Für Bürgermeister Christoph Weber liegen die Vorteile auf der Hand: „Die Stadt wird durch dieses Modell in die Lage versetzt, ohne eigene Investitionen und Finanzierungskosten zukünftig eine große Menge an CO²-neutralem Strom auf den Dachflächen ihrer Immobilien zu erzeugen und für den Eigenbedarf zu nutzen.“ Heinz Hiegemann, Leiter des Fachbereichs Infrastruktur, ergänzt: „Die CO²-Bilanz und die Energieausweise der Gebäude verändern sich deutlich zum Positiven.“ Er betont: „Man muss den Fokus nach vorn richten und auch Mal innovative Schritte wagen.“

Meschede als potentieller Vorreiter

Die Stadt Meschede könne damit Vorreiter für andere Kommunen werden. Alle Beteiligten betonen: „Durch die Nutzung der eigenen Dachflächen zur Erzeugung von Strom kann die Kreis- und Hochschulstadt Meschede sowohl eine Vorreiterfunktion in der Eigenproduktion von Energie einnehmen als auch einen eigenen Beitrag zur Reduktion schädlicher Emissionen leisten.“ Nach den überschlägigen Berechnungen der Firma STW können in der Lebenszeit der Anlagen etwa 37.000 Tonnen CO² vermieden werden.

Beginnen wird das Unternehmen mit dem ersten Projekt Mitte September auf der Schule unter dem Regenbogen – dort wird nicht das gesamte Dach genutzt, die begrünten Dächer bleiben erhalten. Bis Mitte 2022 sollen alle nutzbaren Flächen an den 19 Standorten mit Photovoltaikanlagen ausgestattet sein.

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