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„Steigender Trend“: Corona-Spaziergänge finden vermehrt im Hochsauerlandkreis statt

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Von: Daniela Weber, Claudia Metten

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Corona Meschede
Die sogenannten Corona-Spaziergänge finden vermehrt auch im Hochsauerlandkreis statt - wie hier in der Kreis- und Hochschulstadt Meschede, wo am vergangenen Mittwoch rund 230 Teilnehmer verzeichnet wurden. © Claudia Metten

Menschen, die durch die Innenstädte ziehen, um gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung zu protestieren – mittlerweile ein gewohntes Bild in ganz Deutschland. Ausschreitungen, Festnahmen und sogar verletzte Polizisten sind dabei keine Ausnahmen. Auch im Hochsauerland kam es in der Vergangenheit immer mal wieder zu sogenannten Corona-Spaziergängen. So auch am Mittwoch in Meschede. 

Hochsauerland/Meschede - Gegen 18 Uhr war der Platz vor der St. Walburga Kirche in der Mescheder Innenstadt trotz Regenschauer und eisigen Temperaturen mit Menschen gefüllt. Viele von ihnen hielten brennende Kerzen in ihren Händen, kaum ein Laut war zu hören. Von dem zentralen Punkt in der Kreis- und Hochschulstadt setzte sich der Zug – wie auch in den Wochen zuvor – in Bewegung. Laut Polizei, die „mit ausreichend Polizeikräften vor Ort waren“, nahmen rund 230 Teilnehmern an dem Protestzug teil.

Meschede Corona
Der Corona-Spaziergang in Meschede startete an der St. Walburga Kirche. © Claudia Metten

Unter ihnen junge und alte Menschen, Familien mit Kindern, Studierte, Geimpfte und Nicht-Geimpfte, Geboosterte, verschiedenste Nationalitäten, Menschen mit Behinderungen, Corona-Gegner und Kritiker der Corona-Maßnahmen. Was sie alle eint, ist ihre „Frustration mit den Maßnahmen der Politik“, wie einige befragte Teilnehmer im Gespräch mit dem SauerlandKurier mitteilten.

Teilnehmer aus verschiedenen Städten

„Ich bin auf diesem Spaziergang dabei, aus Solidarität und um für die Normalität einzutreten, die im Grundgesetz verankert ist“, erklärte Dirk Drees, der bereits gegen das Coronavirus geimpft ist. Durch Nachfragen hat der SauerlandKurier erfahren, dass nicht nur Mescheder sondern auch Menschen aus Arnsberg, Neheim, Olsberg, Winterberg und anderen Orten im HSK nach Meschede gekommen waren, um an der Versammlung teilzunehmen.

Meschede Corona
Auch die Polizei war in Meschede „mit ausreichend Polizeikräften“ vor Ort. © Claudia Metten

Auf ihrem Spaziergang durch die Einkaufsstraße, am Herum entlang und über die Arnsberger Straße zurück zur St. Walburga-Kirche wollten die Menschen ihren Unmut zum Ausdruck bringen. „Ich bin das erste Mal dabei, weil der Spaziergang eine gute Sache ist. Die Leute müssen aufwachen, denn es läuft bei uns einiges nicht mehr so, wie es sein müsste“, betonte Thomas Busse aus Meschede.

Keine Gegenproteste in Meschede

Während es ihm und vielen anderen Spaziergängern um das „Wachrütteln“ ging, brachten auch einige Teilnehmer ihren Ärger über die 2G-Plus-Regel im Sport zum Ausdruck. „Wir werden an der Nase herumgeführt. Wir sind doppelt geimpft, geboostert und dürfen trotzdem nur mit einem zusätzlichen negativen Antigen-Test ins Fitnessstudio, in die Sauna oder in die Sporthalle.“

Corona Meschede
Die „Spaziergänger“ liefen - viele mit Kerzen in der Hand - die Fußgängerzone der Kreis- und Hochschulstadt entlang. © Claudia Metten

Von Ausgrenzung, Bestrafung, fehlender Gleichberechtigung von Nicht-Geimpften oder auch von widersprüchlichen Maßnahmen der Politik war während des rund 45-minütigen Spaziergangsimmer wieder die Rede. Laut Polizei verlief der Corona-Spaziergang in Meschede friedlich, Zwischenfälle am Rande habe es nicht gegeben – und auch keine Gegenproteste.

„Die Durchführung einer nicht angemeldeten Versammlung als Veranstalter oder Leiter ist nicht erlaubt, deswegen prüfen wir in solchen Fällen grundsätzlich die Einleitung eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens und haben dann solche Verfahren auch eingeleitet.“

Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis

Auch wenn es auf den Mescheder Straßen ruhig blieb, weist die Polizei daraufhin, dass solche Protestmärsche nicht legal sind. Denn sie sind nicht angemeldet: „Die Durchführung einer nicht angemeldeten Versammlung als Veranstalter oder Leiter ist nicht erlaubt, deswegen prüfen wir in solchen Fällen grundsätzlich die Einleitung eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens und haben dann solche Verfahren auch eingeleitet.“

Protestzüge bislang friedlich

Nicht nur in Meschede haben sich in der Vergangenheit Menschen zu unangemeldeten Corona-Spaziergängen zusammengefunden, sondern auch in anderen Städten im Hochsauerlandkreis. Die Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis spricht auf Nachfrage von einem „steigenden Trend“. „Wir hatten seit dem 11. Dezember auch im HSK Versammlungen in Form von ,Corona-Spaziergänge’. Diese fanden in Arnsberg , Brilon, Meschede, Schmallenberg, Sundern und Winterberg statt. Die Teilnehmerzahl reichte von 20 bis zu 270 Personen“.

Meschede Corona
Während des rund 45-minütigen Spaziergangs gingen die Teilnehmer auch am heruM entlang. © Claudia Metten

Ausschreitungen oder Randale wie in vielen anderen deutschen Städten gab es im Hochsauerlandkreis bislang noch nicht, die bisherigen Proteste sind allesamt „friedlich und störungsfrei“ verlaufen. Die Kreispolizeibehörde rechnet auch in den kommenden Tagen mit weiteren Protestzügen gegen die Corona-Maßnahmen.

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