Studie zum kirchlichen Familienbild übertrifft alle Erwartungen

Stimmen, die Gehör finden

Auch in einer Gemeinde in und um San Salvador füllten die Gläubigen mit großem Interesse den Fragebogen aus. Foto: privat

Damit haben sie in ihren kühnsten Träumen nicht gerechnet: Als sich die Antfelderin Anna Roth und der Mescheder Tobias Roth im August 2014 auf den Weg machten, im Rahmen eines „Semester at Sea“-Studienprogramms in insgesamt zwölf Ländern einen eigens konzipierten Fragebogen zu den Themen „Partnerschaftsethik und Familienbilder von Katholiken“ zu verteilen (SauerlandKurier berichtete), hatten sie „auf einige hundert“ Rückmeldungen gehofft. Es wurden sage und schreibe 12.400 – aus 42 unterschiedlichen Ländern. Das öffentliche (und auch mediale) Interesse an den Resultaten ist so immens, dass die Studenten die Ergebnisse in dieser Woche auf einer Pressekonferenz in Berlin vorstellten.

Damit haben sie in ihren kühnsten Träumen nicht gerechnet: Als sich die Antfelderin Anna Roth und der Mescheder Tobias Roth im August 2014 auf den Weg machten, im Rahmen eines „Semester at Sea“-Studienprogramms in insgesamt zwölf Ländern einen eigens konzipierten Fragebogen zu den Themen „Partnerschaftsethik und Familienbilder von Katholiken“ zu verteilen (SauerlandKurier berichtete), hatten sie „auf einige hundert“ Rückmeldungen gehofft. Es wurden sage und schreibe 12.400 – aus 42 unterschiedlichen Ländern. Das öffentliche (und auch mediale) Interesse an den Resultaten ist so immens, dass die Studenten die Ergebnisse kürzlich auf einer Pressekonferenz in Berlin vorstellten.

„Wir sind völlig überwältigt von dieser riesigen Resonanz“, berichtet eine um Fassung bemühte Anna Roth. Ihr Mann Tobias ergänzt: „So richtig kann man das noch gar nicht realisieren.“

Was die beiden Studenten der WWU Münster und ihre Kommilitonin Sarah Delere von der FU Berlin so verblüfft, ist die extrem breitgefächerte Rezeption ihrer Studie in den Medien. Und zwar nicht nur, in den der Kirche nahestehenden Medien, sondern auch in der säkularen (weltlichen) Presse. Einem Beitrag in der Tagesschau am vergangenen Mittwoch folgten eine Geschichte auf der Titelseite der Süddeutschen, auch Spiegel Online, Die Welt oder Radio Vatikan berichteten ausführlich über die Ergebnisse des außergewöhnlichen Forschungsprojektes.

Zudem haben die drei Stipendiaten einen umfassenden Beitrag in der renommierten Fachzeitschrift „Stimmen der Zeit“ verfassen dürfen – ein Privileg, das vorwiegend nur studierten Theologen und anderen Experten zuteil wird.

Studie soll auf Synode in Rom Thema sein

Neben dem extrem großen Medieninteresse freuen sich die jungen Wissenschaftler aber vor allem darüber, dass ihre Studie auch im kirchlichen Umfeld Gehör findet. Nach einem ausführlichen Gespräch sicherte Bischof Franz-Josef Bode zu, die Ergebnisse der Studie im Herbst in die Familiensynode in Rom einbringen zu wollen. „Wir freuen uns, dass wir auf diese Weise die Stimmen der Gläubigen weiterleiten können“, erklärt Sarah Delere. Sie war dafür verantwortlich, während Annas und Tobias Auslandssemester von Berlin aus die Arbeit zu koordinieren und den beiden Sauerländern Kontaktpersonen in den unterschiedlichen Ländern zu vermitteln.

„Das Teamwork hat insgesamt herausragend funktioniert. Anders hätten wir die zahlreichen Herausforderungen auch gar nicht meistern können“, blickt Tobias Roth auf ereignisreiche und anstrengende Monate zurück.

Ausgangspunkt für das Forschungsprojekt der jungen Studenten waren zwei kirchliche Umfragephasen, in denen Papst Franziskus unter dem Motto „Frag die Gläubigen“ Themen wie Ehe- und Familienpastoral eruieren ließ. Auf dieser Grundlage haben die Nachwuchsakademiker einen eigenen Fragebogen erstellt, der mit sozialwissenschaftlichen Methoden arbeitet und eine alltagsnähere Sprache verwendet; zudem konnte jeder online daran teilnehmen.

Zahlreiche Rückmeldungen aus dem Sauerland

„Zahlreiche engagierte Einzelpersonen in Gemeinden und Verbänden haben sich für die Verbreitung unseres Fragebogens stark gemacht. Deshalb sind wir allen für die Unterstützung sehr dankbar“, so Tobias Roth. Vor allem dieser Einsatz habe es möglich gemacht, eine derartig weitreichende Resonanz zu erreichen. „Als wir dann die 10.000er Marke an Rückmeldungen geknackt haben, war mir plötzlich klar, dass es wirklich eine Chance gibt, dass die Stimmen gehört werden“, ergänzt Anna Roth.

Immer wieder habe auch die Offenheit der Menschen zur weiteren Verbreitung beigetragen. Anna Roth erinnert sich beispielsweise an die Veranstaltung „Weihnachten im Stall“ in Remblinghausen, wo sie spontan die Möglichkeit erhielten, den anwesenden Gläubigen die Idee des Fragebogens zu erläutern. Überhaupt seien sehr viele Rückmeldungen aus dem Sauerland eingegangen, betonen die beiden 24-Jährigen.

Die Ergebnisse sind dabei sehr vielschichtig. Wesentliche Erkenntnisse der nicht repräsentativen Umfrage, an der sich vor allem kirchlich aktive Katholiken beteiligten (knapp 80 Prozent besuchen mehr als einmal im Monat einen Gottesdienst), sind sicherlich, dass mehr als 95 Prozent der deutschen Katholiken eine christliche Erziehung von Kindern wichtig ist. Rund 80 Prozent befürworten ein sogenanntes „probeweises“ Zusammenleben vor der Ehe. Etwa 70 Prozent plädieren zudem für eine Anerkennung und Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Mehr als 85 Prozent befürworten eine Abschaffung des verpflichtenden Zölibats.

Drei große Trends feststellbar

„Insgesamt lassen sich drei große Trends herausstellen“, erklären Anna und Tobias Roth. „Erstens werden die umstrittenen Themen des Fragebogens nicht allein in Westeuropa diskutiert. Debatten gibt es ebenso in Asien oder Lateinamerika. Zweitens gibt es keinen Generationenkonflikt. Nur beim ,Zusammenleben auf Probe´ vor der Ehe und bei der Frage nach der Anerkennung, Segnung oder kirchlichen Heirat von Homosexuellen unterscheiden sich die Meinungen. Drittens gibt es eine starke Forderung nach Gradualität. Demnach wünschen sich viele Katholiken, dass in der Kirche mit der Spannung zwischen den von ihnen geteilten Ehe- und Familienidealen einerseits und der Lebensrealität andererseits aufrichtig und menschlich umgegangen wird.“

Inwieweit die Kirche oder die Wissenschaft auf die Ergebnisse der Studie zurückgreifen werden, wissen die drei Initiatoren nicht. Sie werden sich nun erst einmal wieder ihrem jeweiligen Studium widmen.

Denn „Gläubigen eine Stimme geben“, wie der SauerlandKurier in seiner Ausgabe am 15. Februar beim ersten Bericht über die Studie titelte, dieses Ziel haben die drei Studenten mit ihrem außergewöhnlichen Forschungsprojekt schon jetzt in jedem Fall erreicht. Und um „eine Erfahrung fürs Leben“ sind sie auch reicher, betont Tobias Roth.

Der Beitrag der drei Studenten ist im Internet nachzulesen in der Fachzeitschrift „Stimmen der Zeit"

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