Er schlug während des Rettungseinsatzes zu

Tödlicher Badeunfall am Hennesee: Dreister Dieb erhält Bewährungsstrafe

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Bei dem tragischen Unfall am Badesee kam ein 14-jähriger Junge ums Leben. Der Dieb nutzte die Situation schamlos aus.

Meschede. Eine Tat, die auch im Nachhinein immer noch für Kopfschütteln und Fassungslosigkeit sorgt, wurde am heutigen Donnerstag vor dem Amtsgericht Meschede verhandelt. Wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall sowie in vier anderen einfachen Fällen wurde ein Mönchengladbacher zu acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Der 44-jährige Angeklagte Jens E. hatte bei dem Badeunfall mit tödlichem Ausgang im Juli vergangenen Jahres am Mescheder Hennesee die Notsituation schamlos ausgenutzt, indem er die Ablenkung der Badegäste für seinen Beutezug missbrauchte. Abgesehen hatte er es ausschließlich auf deren gebrauchte Turnschuhe.

Oberstaatsanwalt Thomas Poggel legte dem Straftäter zur Last, am 26. Juli 2018 fremde bewegliche Sachen entwendet zu haben, wobei er einen Unglücksfall ausnutzte, bei dem ein 14-jähriger Libyer nach der Rettungsaktion verstarb. Beim Diebesgut handelte es sich um gebrauchte Adidas- und Nike-Turnschuh im Gesamtwert von 305 Euro. Besonders schwer zum Tragen kam ein Fall, da der Täter eine Person beklaute, die sich aktiv am Rettungseinsatz des Jungen beteiligte.

Angeklagter leidet unter "sexueller Desorientierung"

Der Angeklagte gab die Taten vor Gericht zu. Sein Anwalt erläuterte die Handlungen wie folgt: „Die Diebstähle tun ihm leid. Er hat die gebrauchten Turnschuhe an sich genommen, wollte sie aber nicht verkaufen. Mein Mandant leidet unter einer sexuellen Desorientierung. Das war die Triebfeder, diesen Mist zu bauen. Die gebrauchten Turnschuhe dienten ihm lediglich als Fetisch. Er ist in seinem Suchtverhalten rückfällig geworden.“

Eine Langzeittherapie im Zeitraum von 2007 bis 2009 sowie die aktuelle Situation haben dazu geführt, dass sich der Angeklagte erneut um einen Therapieplatz bemüht. Laut Verteidigung hat es in der Vergangenheit keine Kurzschlusshandlungen gegeben, der Straftäter hat bis dato über das Internet bestellt.

Zeuge während aktiver Rettungsaktion bestohlen

Der 22-jährige Zeuge, der bestohlen wurde, während er aktiv an der Rettungsaktion des Jungen beteiligt war, schildert die damalige Situation wie folgt: „Ich war mit fünf Freunden am Hennesee. Gegen Mittag ging der kleine Junge unter. Wir sind sofort aufgesprungen und ins Wasser abgetaucht. Nach circa 17 Minuten haben wir den Jungen unter Wasser gefunden und gemeinsam mit allen Kräften versucht hochzuziehen. Von dem Diebstahl habe ich gar nichts mitbekommen.“ 

Der geständige Angeklagte leidet unter einer sexuellen Störung. Für ihn seien getragene Turnschuhe ein Fetisch, berichtet sein Verteidiger.

Weitere Zeugen bestätigten den Tumult am Strand und erklärten, dass Feuerwehr, DLRG sowie Polizei an der Rettungsaktion beteiligt waren und der Dieb die Situation ausgenutzt habe. Eine anschließende Durchsuchung seines PKW hatte ergeben, dass sich im Kofferraum eine Tüte mit drei Paar Turnschuhen befand. Der Angeklagte selbst trug zur Tatzeit geklaute Turnschuhe eines Zeugen, dessen Socken bewahrte er in seinem Rucksack auf. 

Nach Absprache zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Richteramt forderte Oberstaatsanwalt Poggel acht Monate auf Bewährung sowie eine Zahlung von 1.800 Euro an den DLRG. 

"Die Turnschuhe sind sein Fetisch."

Der Verteidiger des Angeklagten wies zudem auf eine gute Sozialprognose hin: „E. hat die Situation ausgenutzt nach dem Motto ,Gelegenheit macht Diebe´, aber mit dem Hintergrund, dass die Turnschuhe sein Fetisch sind. Er kümmert sich um seine Therapie. Der DLRG ist eine gute Idee aber 1.800 Euro sind zu hoch.“ 

Richter Dr. Sebastian Siepe schloss sich der Forderung der Staatsanwaltschaft an und verurteilte den Mönchengladbacher, der über vier Einträge im Bundeszentralregister verfügt aufgrund von Diebstahl, Einbruch und Körperverletzung, zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten. 

Das milde Urteil sei damit zu begründen, dass der 44-Jährige Mann einer schweren sexuellen Störung unterliege und einwilligte, sich einer freiwilligen Therapie zu unterziehen. Die Therapie darf er ohne ärztliche Zustimmung nicht abbrechen. Zudem hat er 1.200 Euro an den DLRG zu zahlen. Der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahren.

Das war damals geschehen

Am 26. Juli war es am Hennesee zu einem Badeunfall gekommen: Ein 14-Jähriger war nach dem Sprung von einer Badeinsel nicht mehr aufgetaucht. Seine Begleiter hielten ihn daraufhin noch kurzzeitig über Wasser, bevor er unterging. Die alarmierte Feuerwehr rette den Jugendlichen schließlich und brachte ihn an Land. Reanimationsmaßnahmen stabilisierten den Jungen, der in ein nahegelegenes Krankenhaus eingeliefert wurde, doch sechs Tage später verstarb er in der Klinik.

Aber nicht nur der dreiste Schuh-Dieb sorgte damals für Ärger: Die Retter vom DLRG beschwerten sich nach dem Einsatz darüber, dass sie bei der Abfahrt zur Unfallstelle von Schaulustigen behindert worden sind.

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