Zwangspause beendet

Torfabrikanten sind zurück: „Eigentlich ganz normale“ Fußballmannschaft wieder auf dem Platz

Begeisterung pur: Die Kicker der Torfabrik dürfen endlich wieder auf den Platz. Das freut auch die Schalke-Fans der Truppe – weniger indes der Gegentreffer zur 1:2-Niederlage im Derby gegen den BVB.
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Begeisterung pur: Die Kicker der Torfabrik dürfen endlich wieder auf den Platz. Das freut auch die Schalke-Fans der Truppe – weniger indes der Gegentreffer zur 1:2-Niederlage im Derby gegen den BVB.

Nun gut, man könnte zwar mit Fug und Recht behaupten, dass die Torfabrik Meschede seit über einem Jahr kein Spiel mehr verloren hat. Der langen Zwangspause damit noch etwas Positives abzugewinnen, gelingt jedoch nur mit maximaler Ironie. Die Einstellung des Spielbetriebs und die Absage zweier Spielzeiten waren eine harte Probe. Nach 458 Tagen hat sich die „eigentlich ganz normale“ Fußballmannschaft für Menschen mit Behinderungen nun zum ersten Mal wiedergesehen.

Meschede –Dank einer Impfquote, die im deutschen Fußball wohl ihresgleichen sucht, gab es für die Torfabrikanten auf dem Mescheder Dünnefeld an zwei Tagen von morgens bis abends die volle Ladung Fußball. Die Torfabrik durfte als erste Mannschaft in diesem Jahr den top gepflegten Rasen des Dünnefeldstadions bespielen und unterzog ihn direkt einem 16-stündigen Härtetest. Die Lust auf Fußball war riesig und das Programm reich an Abwechslung und zukunftsweisenden Überraschungen. Trotz verheerender Wettervorhersage war man wild entschlossen, das Trainingscamp durchzuziehen. Zum Glück blieb es trocken. Statt Starkregen gab’s Sonnenbrand.

Mit Carsten Richter von der Leichtathletikabteilung des SSV Meschede wurde das Trainerteam kurzfristig noch um einen echten Schleifer ergänzt, der die Mannschaft nach der langen Pause wieder fit machen sollte. Gemeinsam mit Kindern der Leichtathletikgruppe, die die Übungen anleiteten, ließ der „Drill Instructor“ die Mannschaft ordentlich schwitzen.

„Revierderby“ Dortmund gegen Schalke mit dramatischem Finale

Mit dem großen Klassiker der Schalke-Fans gegen die Dortmund-Fans ging es auf dem Platz dann sofort von Null auf Hundert. Lediglich neun Schalker sahen sich dabei 19 Dortmundern gegenüber. Das Spiel verlief für die Schalker - wie die gesamte Bundesligasaison - dramatisch. Bis in die Nachspielzeit führten sie nach einem Treffer von Daniel Fern mit 1:0, ehe Tizian Sportiello für den BVB ausglich. In der Nachspielzeit der Nachspielzeit war es dann Tim Sölken, der das Spiel in allerletzter Sekunde in einen 2:1-Sieg für die Borussia drehte. Dass das Trainingscamp im weiteren Verlauf durchweg harmonisch verlief, ist Beleg dafür, dass ein friedliches Miteinander von Schalkern und Dortmundern möglich ist.

Nach dem Derby stand ein Stationstraining auf dem Plan. Eine ausgiebige Mittagspause und die obligatorische Stadionwurst hatten sich nach diesem schweißtreibenden Auftakt alle redlich verdient.

Vor der Nachmittagseinheit wurden das Team und der Betreuerstab neu eingekleidet. Ein schwedische Firma, unter anderem Sponsor von Kult-Clubs wie dem FC St.Pauli, Union Berlin und Arminia Bielefeld, stiftete der Torfabrik einen Satz neuer Aufwärmshirts. Gut gekleidet und wieder bei Kräften wurde ein Blitzturnier gestartet, in dem säckeweise schöne Tore fielen.

Kicker unterstützen Bewerbung der Stadt für Special Olympics World Games 2023

Als Gast in offizieller Mission wurde dabei Dorothee Hüster von der Stadt Meschede begrüßt. Sie stellte die Pläne der Stadt zu den Special Olympics World Games 2023 vor. Meschede will eine von 170 Gastgeberstädten werden, die anlässlich der Weltspiele eine ausländische Delegation von Sportlerinnen und Sportlern beherbergt.

Das Hosttown-Programm findet vom 11. bis 14.Juni 2023 statt, unmittelbar vor den Weltspielen in Berlin. Auf dem Weg zur Hosttown werden vielseitige Aktionen von Sportvereinen und Behindertensportinitiativen stattfinden, um für den inklusiven Sport zu werben und auf die Leistungsfähigkeit und Begeisterung von Sportlerinnen und Sportlern mit Behinderungen aufmerksam zu machen.

Eine erste Einstimmung auf den Gedanken der Special Olympics – das gemeinsame Sporttreiben über alle Unterschiede hinweg – gab es dann mit dem Olympischen Eid, den die Torfabrikanten feierlich ablegten. „Ich will gewinnen. Doch wenn ich nicht gewinnen kann, so will ich mutig mein Bestes geben.“ Die Torfabrik unterstützt die Bewerbung ihrer Heimatstadt und hat bereits einige spaßige Events in Planung.

Eigene Wimpel hergestellt

Die Befürchtung, dass am zweiten Trainingstag die Beteiligung nachlassen könnte, erwies sich als gänzlich unbegründet. Alle standen am nächsten Morgen wieder überpünktlich auf dem Feld, egal ob sie aus Meschede, Warstein, Olsberg, Schmallenberg, Arnsberg oder Medebach kamen. Auch wenn manche über mächtig Muskelkater klagten, wurde beim Training und Spielen nochmals ordentlich auf die Zähne gebissen. Kapitän Stefan Schau gebührte es von Amts wegen die repräsentativen Aufgaben des Tages zu übernehmen. Für besondere Anlässe ließ die Torfabrik extra eigene Wimpel herstellen.

Das erste Exemplar erhielt die Fußballabteilung vom befreundeten „Lokalrivalen“ SSV Meschede. Jan Kettler und Franz Schamoni vom SSV sagten dem Team weiterhin und jederzeit ihre Unterstützung zu. Ein Grund mehr für die Torfabrikanten, mit frohem Mut in die Zukunft zu blicken.

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