Umstrittene Ausstellung in der Stadthalle

Stadt gibt grünes Licht: "Echte Körper" darf in Meschede gezeigt werden

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Die Ausstellung „Echte Körper“ zeigt 200 Exponate rund um die Anatomie des Menschen. 

Meschede. „Gruselig“, „schrecklich“, „makaber“, aber auch „hoch interessant“, „faszinierend“ und sogar „lehrreich“ – alleine diese ausgewählten Reaktionen einiger Kurier-Leser auf unserer Facebook-Seite zeigen, wie sehr die Ausstellung „Echte Körper“ polarisiert, die am kommenden Wochenende in der Stadthalle Meschede zu sehen sein wird. Gezeigt werden dort nämlich nicht etwa irgendwelche Skulpturen oder Bilder, sondern tote Körper, die für anatomische Zwecke eigens präpariert worden sind. Die Stadt Meschede hat nach eingehender Überprüfung jetzt grünes Licht für die Ausstellung gegeben.

„Das Ordnungsamt sieht keine Hinderungsgründe für die Durchführung der Veranstaltung“, bestätigte Jörg Fröhling, Pressesprecher der Stadt Meschede, auf Anfrage. Die benötigten Dokumente lägen vor, die Wahrung der Totenwürde sei gewährleistet, sodass die Ausstellung in der Stadthalle stattfinden könne.

Hintergrund: Die Wanderausstellung, die rund 200 aus den USA stammende Exponate zeigt und schon in verschiedenen Städten Deutschlands (unter anderem am vergangenen Wochenende in Arnsberg) zu sehen war, ist keinesfalls unumstritten. Neben der ethisch-moralischen Frage geht es auch um sachliche Fakten. So wurde die Ausstellung an einigen Plätzen bereits verboten (etwa in Bonn 2017). Begründung damals: Die vom Bestattungsgesetz NRW vorgeschriebene Einverständniserklärung der Personen, dass nach ihrem Tod der Körper oder Teile davon öffentlich präsentiert werden dürfen, liege nicht vor. Das sieht in diesem Jahr anders aus.

Während einer Pressekonferenz in Arnsberg in der vergangenen Woche betonte Ausstellungs-Mitinhaber Robert Sperling, dass die für die Ausstellungen notwendigen Erklärungen der Angehörigen in den USA vorliegen und es für Deutschland eine beglaubigte Abschrift der Dokumente gebe. Auch wolle man sich bewusst von anderen Ausstellungen mit bereits verstorbenen Menschen und deren aufbereiteten Körpern in lebensnahen Posen abgrenzen und den Schwerpunkt auf die Vermittlung anatomischen Wissens legen.

Altersbeschränkung aus Jugendschutzgründen?

Deshalb zeigt „Echte Körper“ sowohl in Gänze präparierte Menschen, als auch Teile des menschlichen Körpers. So sind neben dem Skelett des Menschen, sein Gehirn und Nervensystem, Verdauungstrakt, Atemwege und Lunge zu sehen. Auch den Sinnes- und Geschlechtsorganen, dem Bewegungsapparat sowie den Nieren und Harnwegen schenkt die Ausstellung Aufmerksamkeit. Neben einer Beschreibung der Exponate auf kleinen Schildern wird auf großen Roll-ups eine Erklärung abgegeben. Die gezeigten plastinierten Exponate sind eine Leihgabe der Firma Corcoran Laboratories aus Michigan in den USA. Sie hat die Exponate für die Dauer der Wanderausstellung zur Verfügung gestellt. „Wir wollen Schüler, Studenten und Azubis ansprechen, die sich für Medizin interessieren oder in einer entsprechenden Ausbildung sind“, so Sperling.

Diesem Ansinnen könnte das Ordnungsamt der Stadt Meschede dann aber doch noch einen Strich durch die Rechnung machen. „Ob es aus Gründen des Jugendschutzes zu Einschränkungen kommt, muss gegebenenfalls eine Prüfung vor Ort zeigen“, erklärte Jörg Fröhling. Denkbar sei, die Ausstellung erst ab 16 oder 18 freizugeben oder Minderjährigen den Zutritt nur in Begleitung von Erwachsenen zu ermöglichen.

Info: Die Ausstellung „Echte Körper“ ist von Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr in der Stadthalle Meschede zu sehen.

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